Insolvenzen drohen
Luftfahrt trudelt tiefer in die Krise

Die Fluggesellschaften starten mit einer neuen Sparrunde, Lufthansa setzt eine Arbeitszeitverkürzung durch.

hz FRANKFURT/M. Die anhaltende Krise der Luftfahrt zwingt eine Reihe von Fluggesellschaften zu neuen harten Einschnitten. Lufthansa verordnet 16 000 Mitarbeitern eine kürzere Arbeitszeit, um damit Personalkosten zu sparen. Auch andere große Gesellschaften greifen angesichts der wirtschaftlichen Folgen des Irak-Kriegs, der Lungenseuche SARS und der anhaltenden Konsumzurückhaltung zum Rotstift. So will Air Canada noch einmal weitere 7 000 Stellen streichen. Singapore Airlines erwägt ebenfalls, erneut Hand an die Kapazitäten. In den USA legte Branchenführer American Airlines ein neues Restrukturierungspaket vor.

Die Zuspitzung der Lage ist ein alarmierendes Zeichen für die Branche. Nach Meinung der US-Investmentbank Goldman Sachs könnte die Krise kleinere Gesellschaften in die Insolvenz treiben. Die Lufthansa nahm mit der weiteren Arbeitszeitverkürzung indes eine weitere Hürde auf ihrem Sparkurs. Der Vorstand einigte sich mit dem Gesamtbetriebsrat darauf, von kommender Woche an die Arbeitszeit der Beschäftigten am Boden auf wöchentlich 35 Stunden zu reduzieren. Ursprünglich wollte der Vorstand diesen Schritt bereits vor einer Woche beschließen, scheiterte jedoch zunächst am Widerspruch der Arbeitnehmervertreter. Ein daraufhin eingeschalteter Wirtschaftsprüfer überzeugte den Gesamtbetriebsrat nun aber, dass die angeschlagene finanzielle Situation des Konzerns diese Maßnahme rechtfertigt.

Lufthansa verzeichnete im ersten Quartal dieses Jahres einen operativen Verlust von 415 Mill. Euro und rechnet auch für das Gesamtjahr nicht mehr mit Gewinnen. Auch die neue Arbeitszeitverkürzung hilft dem Konzern nach Worten von Finanzchef Karl-Ludwig Kley nur begrenzt bei der Bewältigung der Krise. Der Konzern spart mit der Kürzung nach eigenen Angaben bis zu 5 Mill. Euro pro Monat ein.

Das Lufthansa-Management hatte sich erst im März angesichts der anhaltenden Krise mit Vertretern des Bodenpersonals auf eine Krisenklausel im Tarifwerk geeinigt. Danach kann der Konzern bei gravierenden Umsatzausfällen die Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich kürzen und damit die Personalkosten reduzieren. Im Gegenzug will Lufthansa zunächst auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Mitte April war die Arbeitszeit in einem ersten Schritt um 1,5 Stunden auf 36 Stunden verkürzt worden.

Deutlich härter trifft die Krise den Lufthansa-Partner Air Canada. Wie gestern aus Gewerkschaftskreisen bekannt wurde, will die kanadische Fluggesellschaft 7 100 Stellen mehr streichen als geplant. Der Abbau soll in den nächsten drei Jahren erfolgen. Zuvor hatte die Gesellschaft schon den Abbau von 3 600 Stellen angekündigt.

Singapore Airlines - wie Air Canada mit der Lufthansa Partner in der "Star Alliance" - denkt über neue Gehaltskürzungen und Personaleinsparungen nach. Die Nachfrage sei auf Grund des Ausbruchs von SARS dramatisch gesunken und Verbesserungen in den nächsten Monaten nicht zu erwarten, klagt die Gesellschaft. "Der Beginn dieses Geschäftsjahres war deprimierend", sagte gestern Singapore-Chef Cheong Choong Kong. Im ersten Quartal, das noch etwas länger als einen Monat läuft, werde Singapore Airlines einen Verlust ausweisen. Für das gesamte Jahr erwarten Analysten einen deutlichen niedrigeren Nettogewinn als im Vorjahr.

Auch andere Fluggesellschaften leiden unter SARS: Die Swiss aus der Schweiz kündigte gestern an, die Flüge nach Peking bis in den Spätsommer hinein komplett auszusetzen. 1 200 Piloten von Japan Airlines (JAL) forderten die japanische Regierung dazu auf, alle Flüge nach China zu verbieten.

Zeitgleich kündigte der neue American-Airlines-Chef Gerard Arpey auf der Hauptversammlung seiner Gesellschaft ein neues Restrukturierungspaket an. Danach will die größte Fluggesellschaft der Welt die Preise senken und die Sitzplatzzahl in ihren Maschinen erhöhen, um der Konkurrenz der Billigflieger Paroli bieten zu können. Ohne ausreichende Gewinne werde American nicht zukunftsfähig sein, warnte Arpey auf dem Aktionärstreffen. Der Manager versprach, in der Zukunft vor allem auf die Profitabilität der Fluglinie zu achten.

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