Insolvenzverfahren
Die zweite Pleite am Neuen Markt

Der vorläufige Insolvenzverwalter der Teamwork Information Management AG und der EDM Software AG, Frank Kekebus, geht von einer grundsätzlichen Sanierungsfähigkeit der Unternehmen aus.

FRANKFURT. Kekebus teilte am Freitagabend mit, es werde nun geprüft, ob der restrukturierungsfähige Kern der Teamwork-Unternehmen im Rahmen einer übertragenen Sanierung oder eines Insolvenzenverfahrens saniert werden könne. Gespräche über die Integration strategischen Partner in die Sanierungsbemühungen seien bereits aufgenommen. Kekebus teilte weiter mit, er habe nach ersten Überprüfungen festgestellt, dass der Geschäftsbetrieb der in- und ausländischen Teamwork-Gesellschaften zunächst in vollem Umfang fortgeführt werde. Die Gehälter würden durch den vorläufigen Insolvenzverwalters vorfinanziert.

Obwohl der avisierte Gesamtumsatz der von Teamwork dominierten Gruppe für 2000 nicht erreicht werden könne, werde im Gesamtjahr 2000 ein Umsatz von etwa 48 Mill. DM erwartet, hieß es in der Mitteilung von Kekebus weiter. Bei dieser Umsatzgrößernordnung werde in der Gruppe vor Steuern und Zinsen mit einem Verlust von etwa 22 Mill. DM gerechnet. Am 11. Juli hatte Teamwork seine Umsatzprognose auf 62 Mill. DM von zuvor 74 Mill. DM nach unten korrigiert.

Restrukturierungskonzept entwickelt

Teamwork hatte am Freitag den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahren gestellt. Wie das am Neuen Markt gelistete Paderborner Unternehmen in einer Pflichtveröffentlichung weiter mitteilte, erscheint es nach den bereits geführten Gesprächen als sehr wahrscheinlich, dass die notwendige Finanzierung im Rahmen des Insolvenzplanverfahrens gesichert werden könne. Mit Unterstützung des eingeschalteten Beratungsunternehmens sei bereits ein erstes Restrukturierungskonzept entwickelt worden, hieß es weiter. Sollten die Mitarbeiter dem Unternehmen weiter zur Verfügung stehen und auch wesentliche Aufträge gehalten werden können, werde das Unternehmen das Insolvenzverfahren möglicherweise bereits Ende Januar 2001, spätestens Ende Februar 2001 aufgehoben haben.

Am Donnerstagabend hatte teamwork seine Zahlungsunfähigkeit bekanntgegeben. Die Aktie war kurz zuvor bei einem Xetra-Kurs von 3,55 Euro vom Handel ausgesetzt worden. Im März hatte die Aktie noch 59,50 Euro gekostet. Der Ausgabepreis hatte im Juli 1999 19 Euro betragen. Eine Sprecherin der Deutschen Börse sagte am Freitagnachmittag, die Aktie bleibe bis auf weiteres vom Handel suspendiert. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) prüft nach eigenen Angaben routinemäßig den Verlauf des Handels mit der teamwork-Aktie.

Teamwork teilte am Freitag weiter mit, man habe zur Fortführung von Investitionen und Anlaufverlusten ursprünglich für den Sommer eine Kapitalerhöhung geplant. Dieses Vorhaben sei jedoch durch den nicht vorhersehbaren Verkauf von Aktien durch einen Großaktionär vereitelt worden. Der dadurch auftretende Liquiditätsbedarf sei dann von den Banken nur unzureichend gedeckt worden. Um das Überleben des Unternehmens zu sichern, habe man sich daher zu dem Insolvenzantrag entschlossen.

Karsten Abromeit, Analyst der Paderborner Invera GmbH, erwartet, dass Investoren daran interessiert sein werden, Teile des Unternehmens zu kaufen. Teamwork habe ihm gegenüber gesagt, man benötige rund fünf Mill. DM zum Überleben. Da eine Kapitalerhöhung angesichts des aktuellen Kursniveaus wohl kaum möglich sei, könne es passieren, dass das Unternehmen wichtige Bereiche verkaufen müsse. Die Software des Unternehmens habe in Branchenkreisen einen sehr guten Ruf, aber offenbar habe man im Vertrieb und bei der Integration von Übernahmen Probleme gehabt.

Die ebenfalls am Neuen Markt notierte Gigabell hatte am Mittwochabend mitgeteilt, das Amtsgericht Frankfurt habe über ihr Vermögen das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet.

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