Insolvenzverfahren eröffnet
Volker Grub hat jetzt bei Brokat das Sagen

Die Zukunft der verbliebenen Mitarbeiter beim insolventen Software-Unternehmen Brokat liegt in der Hand des Stuttgarter Rechtsanwalts Volker Grub. Das Amtsgericht Stuttgart ernannte den Sanierungsexperten am Montagabend zum endgültigen Insolvenzverwalter des einstigen Börsenstars Brokat.

dpa-afx/rtr STUTTGART. Grub erhält dadurch umfangreiche Vollmachten, kann Verträge abschließen und Kündigungen aussprechen. Seine Hauptaufgabe in den nächsten Wochen besteht darin, einen Investor für die übrig gebliebene Sparte Internet-Banking mit 150 Beschäftigten zu finden.

Der mehrfach hinausgezögerte Verkauf des Geschäftsbereichs für das elektronische Bezahlen per Handy mit 400 Beschäftigten an das amerikanische Unternehmen E-One Global (Napa/Bundesstaat Kalifornien) gilt inzwischen als sicher. Statt der ursprünglich anvisierten 42 Mill. ? sollen für die inzwischen in Encorus Technologies umbenannte Zukunftssparte nach den jüngsten Angaben aber nur noch 28 Mill. ? in die Kassen der Brokat AG (Stuttgart) fließen. Andere Geschäftsbereiche wurden bereits abgestoßen.

Grub ist in der Vergangenheit weniger als Insolvenzverwalter für Unternehmen der "New Economy" in Erscheinung getreten, sein Schwerpunkt lag bisher auf Traditionsbranchen wie Maschinenbau, Handel und Bauwirtschaft. Bekannt geworden ist der Anwalt vor allem durch die Pleiten des Mischkonzerns Bauknecht 1982 und der größten deutschen Molkerei Südmilch 1993. Anfang diesen Jahres fusionierte Grub seine Stuttgarter Kanzlei mit der seines Heidelberger Kollegen Jobst Wellensiek (Klöckner, Bremer Vulkan, Maxhütte). Ein weiterer bekannter Sanierungsexperte, der Frankfurter Unternehmensberater Dirk Pfeil (Gigabell, Deutscher Orden), war bereits im Sommer als neuer Aufsichtsratschef für Brokat tätig geworden.

Brokat, einst ein Hoffnungsträger des Neuen Marktes, hatte sich bei der Übernahme zahlreicher Unternehmen übernommen und keine Einigung mit den Gläubigern, darunter die WestLB und die Deutsche Bank, einer im Mai 2000 hochverzinslichen Anleihe erzielt. Die Gesellschaft stellte daher im November wegen Überschuldung Antrag auf Insolvenz. Die Anleihe mit einer Jahresverzinsung von 11,5 Prozent und einem Volumen von ursprünglich 125 Millionen Euro läuft am 31. März 2010 aus. Ende August hatte Brokat mitgeteilt, Teile der Anleihe im Nennwert von 26,4 Millionen Euro zurückgekauft zu haben.

In den ersten neun Monaten 2001 hatte die Firma nach früheren Angaben bei einem Umsatz von 45,4 Millionen Euro auf Grund von Sonderabschreibungen einen Nettoverlust von 970,6 Millionen Euro verbucht, nach einem Minus von 68,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Bei liquiden Mitteln von 25,3 (Vorjahr: 115,365) Millionen Euro sank das Eigenkapital zum Ende September auf minus 75,89 (plus 821,9) Millionen Euro und die Eigenkapitalquote damit bei einer Bilanzsumme von 74,61 (1.025) Millionen Euro auf minus 102 (plus 80) Prozent. Die Verbindlichkeiten und Rückstellungen zum gleichen Zeitpunkt waren zudem auf zusammen 150,5 Millionen Euro beziffert worden.

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