Insolvenzverfahren läuft
Add!brain: Letzte Vorstellung im Trainer-Zirkus

Missmanagement hat zum Ende von Add!brain geführt, einem der bekanntesten Veranstalter von Motivationsshows und Erfolgsseminaren.

BERGISCH GLADBACH. Wolfgang Lang liebte schon immer große Sprüche. "Ich bin ein Mann für Marktführerschaft. Ich kann nicht Nummer zwei sein", sagte der Geschäftsführer der Add!brain Erfolgsakademie GmbH in Bergisch Gladbach vor einem Jahr. Schließlich war die ehemalige Birkenbihl-Gruppe einer der großen Veranstalter auf dem schillernden Markt der Motivationsshows und Erfolgsseminare.

Vom Gesundheitsprediger Ulrich Strunz über den Motivationsguru Jörg Löhr bis zum Money-Coach Bodo Schäfer, der im vergangenen Jahr eine dubiose Pleite hinlegte, waren fast alle Größen des Erfolgszirkus dort unter Vertrag. Doch Wolfgang Lang wollte mehr. Er wollte an die Börse und setzte auf E-Learning. Die E GmbH-Learning für Intranet- und Internet-gestützte Lernanwendungen und die Business Solutions GmbH für die Entwicklung und den Vertrieb der Produktreihe Edu-TV wurden gegründet, die Mitarbeiterzahl auf über 100 verfünffacht.

Mehr als 13 Millionen Mark Risikokapital verbrannt

Dann platzte der Traum. Am 15. Dezember 2000 beantragte die Firma am Amtsgericht Köln Insolvenz. Mehr als 13 Millionen Mark Risikokapital waren weg. Doch für Wolfgang Lang war nur der Absturz am Neuen Markt schuld. "Die Firma steht grundsolide da", behauptete der Add!brain-Chef.

Auf der Learntec-Messe in Karlsruhe Ende Januar erwähnte er nichts von der drohenden Pleite. Vollmundig pries er in seinem Vortrag die "Saba Corporate University" zum Sonderpreis für 9 800 Euro an. Dabei hatte der "Mann mit dem Preisschild", wie ihn die Fachzeitschrift Wirtschaft & Weiterbildung spöttisch bezeichnete, den Begriff Corporate University offenbar nicht richtig verstanden. Denn für Lang ist eine Firmen-Uni lediglich eine Lernplattform.

Doch beim US-Anbieter Saba, mit dessen Software die "Corporate University" erstellt werden sollte, war man bereits damals nicht mehr gut auf den Add!brain-Chef zu sprechen, nachdem dieser wiederholt behauptet hatte, Saba habe der Firma ein weltweites Exklusivrecht seiner elektronischen Lernplattform als Application Service Provider gegeben. "Das ist definitiv falsch", sagte Richard Mayr, Geschäftsführer von Saba, auf der Learntec. Er habe Lang bereits abgemahnt.

Endgültiges Aus

Am 23. Februar dann das endgültige Aus. Das Insolvenzverfahren wurde eröffnet, die Firma Add!brain aufgelöst, und alle Mitarbeiter bekamen ihre Kündigung. Bis zuletzt war Wolfgang Lang davon überzeugt, dass der WAZ-Konzern den maroden Laden übernehmen werde.

Doch dessen Revisionsexperten kamen zu einem vernichtenden Ergebnis: „Das Häuschen war zu schmutzig“, formuliert es Hartmut van der Kamp, Geschäftsführer der 50-prozentigen WAZ-Tochter Audiotex in Essen. Da habe man lieber die Finger davon gelassen.

Insolvenzverwalter Andreas Ringst- meier sei jedoch erneut auf sie zugekommen und habe die Gründung einer Auffanggesellschaft vorgeschlagen. Welche Rolle Ringstmeier dabei spielt, ist unklar. Denn er soll nicht nur von Anfang an sehr eng mit Wolfgang Lang "geklüngelt" haben, sondern dessen Frau auch noch den günstigen Kauf eines Dienstwagens aus der Insolvenzmasse erlaubt haben. Ringstmeier schweigt. Telefonisch ist er nicht zu erreichen, E-Mail-Anfragen beantwortet er nicht, und auch zu den Vorwürfen nimmt er keine Stellung.

Insolvenzverwalter engagiert sich in der Auffanggesellschaft

Nun engagiert sich der Insolvenzverwalter als einer der beiden Gesellschafter bei der neuen Auffanggesellschaft. Der andere Gesellschafter ist Ulrich Haverkamp, dem gemeinsam mit Hartmut van der Kamp die Haka Agentur für Kommunikation in Münster gehört. Der Gläubigerausschuss habe der Lösung zugestimmt, erklärt van der Kamp. "Ich wurde darüber nicht informiert", sagt dagegen ein ehemaliger Add!brain-Geschäftspartner, dem das Unternehmen einen stolzen fünfstelligen Betrag schuldet. Auch andere Trainer, die noch Geld von Add!brain bekommen, wissen nichts davon.

Man wolle das Ganze auf kleiner Flamme kochen und versuchen, die Firma "wieder sauber zu machen", sagt van der Kamp.

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