Insolvenzvergehen vermutet
Staatsanwalt ermittelt nach Anzeige bei Fairchild

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt nach einer Anzeige von Fairchild Dornier-Mitarbeitern wegen des Verdachts auf Insolvenzvergehen gegen das Management des Pleite gegangenen Regionalflugzeugbauers.

Reuters MÜNCHEN. Vier Beschäftigte des Konzerns hätten der Firmenleitung vorgeworfen, Zahlungen bereits im Februar gestoppt, den Insolvenzantrag aber erst am 2. April gestellt zu haben, sagte der Oberstaatsanwalt Rüdiger Hödl am Mittwoch in München und bestätigte damit einen Bericht der "Financial Times Deutschland". "Ob das stimmt oder nicht stimmt, ist aber noch völlig offen", fügte er hinzu. Die Staatsanwaltschaft wolle die Vorwürfe aber schnellstmöglich prüfen.

Sollten diese zutreffen, hätte sich das Management der Insolvenzverschleppung schuldig gemacht. Oberstaatsanwalt Hödl unterstrich, dass im Falle einer Insolvenz generell Vorermittlungen angestellt würden, ob das Verfahren korrekt und zum richtigen Zeitpunkt eingeleitet worden sei. Die Mitarbeiter-Anzeige habe nun aber das Management beschuldigt, so dass die Staatsanwaltschaft gezwungen sei, ein formelles Ermittlungsverfahren einzuleiten, sagte er.

Die Zeit für eine Lösung drängt

Der ehemals mit rund 3 600 Mitarbeitern weltweit drittgrößte Regionalflugzeugbauer hatte im April wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag gestellt, das endgültige Verfahren war im Juli vom Gericht eröffnet worden. Seit Monaten sucht Insolvenzverwalter Eberhard Braun nun nach einem Investor, der den Konzern möglichst komplett übernehmen soll. Zuletzt lagen zwei konkrete Angebote vor, wovon sich allerdings nur eines auf alle Bereich erstreckte. Es handelt sich dabei um die Offerte eines russischen Konsortiums um den Flugzeugbauer Irkut und den Aluminium-Anbieter Basic Elements. Viele Fragen sind dabei aber noch offen. Das andere Angebot bezieht sich lediglich auf die Produktion des Kleinjets vom Typ 328. Weitere Offerten etwa für die Wartung oder die Fertigung von Airbus-Komponenten gelten als wahrscheinlich.

Damit kristallisiert sich immer mehr heraus, dass sich Braun zwischen der Möglichkeit des sicheren Verkaufs von Teilen des Konzerns und einer möglichen, keineswegs aber gewissen Komplettlösung für Fairchild Dornier entscheiden muss. Dabei drängt auch die Zeit, denn der Konzern hat seit dem Insolvenzantrag rund ein Fünftel seiner hochqualifizierten Mitarbeiter verloren.

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