Insolvenzverwalter bleibt zuversichtlich
Herlitz könnte ausgeglichenes Ergebnis hinlegen

Die zahlungsunfähige Herlitz AG könnte nach Einschätzung von Insolvenzverwalter Peter Leonhardt bei einem bestimmten Schuldennachlass in diesem Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen.

Reuters BERLIN. Leonhardt sagte am Dienstag in Berlin, er hoffe, dass beim Schreibwarenhersteller ein operatives Ergebnis für 2002 von "um die Null" erreicht werden könne, sollten unter anderem die Gläubiger einem Forderungsnachlass von mehr als 100 Millionen Euro zustimmen. Nach dem ursprünglichen Plan für 2002 sei ein Jahresfehlbetrag von 23,7 Millionen Euro vorgesehen.

Er sei zuversichtlich, dass der Insolvenzplan in der zweiten Maihälfte vorgelegt werden könne und die Gläubiger bis spätestens Ende Juli darüber entscheiden könnten. Leonhardt bekräftigte sein Ziel, Herlitz in seinen wesentlichen Kernbereichen zu erhalten.

Herlitz hatte Anfang April Antrag auf Insolvenz gestellt und ist mit rund 300 Millionen Euro bei den Banken verschuldet. Vor rund zwei Wochen hatten die Gläubigerbanken einem Massekredit von 15 Millionen Euro zugestimmt. Inzwischen meldeten auch sechs Herlitz-Töchter Insolvenz an, darunter der Schreibgerätehersteller Diplomat, die Grußkartenfirma Susy Card und die Herlitz Kunststoffverarbeitungs GmbH (HKV).

Leonhardt bezifferte die Verbindlichkeiten der Herlitz AG einschließlich Pensionsverpflichtungen auf rund 400 Millionen Euro. Zu den Gläubigern gehörten neben den Banken auch Lieferanten, das Arbeitsamt und der Pensionssicherungsverein. Forderungsnachlässe von mehr als 100 Millionen Euro vor allem von den Banken entsprächen nach den Worten des Insolvenzverwalters etwa 9,5 Millionen Euro weniger Zinslasten. Zudem könnte es durch Abschreibungen im Immobilienbereich Einsparungen geben. Derzeit würden unter anderem Leerstände im Immobilienbereich den Konzern jährlich mit rund 25 bis 30 Millionen Euro belasten. Die Herlitz AG sollte versuchen, Grundstücke über Töchterfirmen auszulagern und dann zu marktüblichen Preisen zu mieten, sagte Leonhardt.

Mit Blick auf den ursprünglich für 2002 angepeilten Verlust sagte Leonhardt vor Journalisten: "Die 23 Millionen Euro müssen auf Dauer verschwinden." Als Voraussetzung für ein ausgeglichenes Ergebnis dürften die Umsätze nicht einbrechen. Bisher sei aber noch kein Großkunde abgesprungen.

Leonhardt bekräftigte, dass er derzeit mit bis zu drei Interessenten Gespräche führe, die im Grundsatz an Herlitz als Ganzes interessiert seien. Zwei Firmen, deren Herkunft Leonhardt als europäisch bezeichnete, seien aus der Branche. Zudem gebe es Verbindungen zu einer Finanzgruppe. Details nannte Leonhardt nicht. Er sagte, der Schaden eines Insolvenzplanverfahrens wäre geringer als der bei einer Abwicklung von Herlitz. Auch wenn der Personalabbau voraussichtlich nicht sehr groß sei, müssten die Arbeitnehmer einen Beitrag zur Sanierung leisten. Der Betriebsrat habe bereits positive Signale gegeben. Der Insolvenzverwalter geht davon aus, dass die Liquidität möglicherweise bis über den Juli hinaus reicht.

Herlitz hat knapp 3000 Mitarbeiter, schreibt seit 1995 Verluste und kämpft seit mehreren Jahren mit ständig sinkenden Umsätzen. 2001 hatte das Unternehmen bei einem Umsatz von 438 Millionen Euro einen Verlust von rund 50 Millionen Euro ausgewiesen.

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