Insolvenzverwalter droht mit Schließung
Krimi um die Zukunft von Kinowelt

Letzte Chance für die insolvente Kinowelt Medien AG: Heute müssen die Gläubigerbanken entscheiden, welche Investoren den einstigen Star des Neuen Marktes übernehmen dürfen. Auch Ex-Chef Kölmel mischt mit.

HB MÜNCHEN. Im Ringen um die Zukunft der Kinowelt Medien AG geht es heute um die Wurst. Denn in ihrer heutigen Sitzung müssen die Gläubigerbanken festlegen, wer das Kerngeschäft des insolventen Unternehmens kaufen darf. Die Kinowelt-Manager Jerry Payne und Marcus Schöfer sowie ein Konsortium um Unternehmensgründer und Ex-Vorstandschef Michael Kölmel rangeln seit vier Wochen um die Zukunft des Filmrechtehändlers. Und falls sich die Interessenten nicht einigen können, muss Insolvenzverwalter Wolfgang Ott die Firma in den nächsten Tagen endgültig schließen und abwickeln. Nach Angaben von Ott sind die Unsicherheiten über den Fortbestand des Kerngeschäfts derzeit so groß, dass der Filmrechtehandel nicht aufrecht erhalten werden kann.

Anfang Juli hatte es schon so ausgesehen, als sei das angeschlagene Unternehmen endlich über den Berg. Der Gläubigerausschuss hatte den Insolvenzverwalter Ott am 9. Juli ermächtigt, Kinowelt an Payne und Schöfer zu verkaufen. Dagegen sperrte sich allerdings die BHF-Bank, die im Gläubigerausschuss von ABN Amro und Hypo-Vereinsbank (HVB) überstimmt worden war. Die Bank drohte dem Insolvenzverwalter sogar Schadensersatzansprüche an. Ott empört sich: "Diese Vorgehensweise ist angesichts des klaren und auch der BHF bekannten Votums des Gläubigerausschusses völlig unverständlich." Die BHF weigerte sich, die Pfandfreigabe für ihren Anteil am Kinowelt-Vermögen zu erteilen. Damit war der Verkauf blockiert.

Rennen ist wieder offen

In der heutigen Sitzung können die konkurrierenden Gruppen nun ihre Konzepte nochmals präsentieren. "Wir müssen aus der Blockadehaltung herauskommen", hofft Ott im Gespräch mit dem Handelsblatt. Mehr als 20 Banken sind eingeladen, die Kinowelt insgesamt rund 500 Mill. Euro geliehen haben. Größte Kreditgeber sind HVB mit 120 Mill. Euro sowie ABN Amro und BHF.

"Das Rennen ist wieder offen", rechnet sich Ex-Chef Michael Kölmel gute Chancen aus, jetzt doch wieder zum Zug zu kommen. Kölmel hat die Unterstützung des Filmunternehmens Openpictures AG. Dem Münchener Medienunternehmen gehört unter anderem Stefan Piëch an, ein Neffe des früheren VW-Chefs und Porsche-Erbes Ferdinand Piëch.

In der Euphorie des Medienbooms überhoben

Kinowelt war in Schwierigkeiten geraten, weil sich Firmenchef und Großaktionär Kölmel in der Euphorie des Medienbooms überhoben hatte. Insbesondere der Kauf eines 300 Millionen Dollar Filmpakets des Hollywood-Studios Warner erwies sich als Flop. Dabei hatte Kölmel etablierte Konkurrenten wie die Kirch-Gruppe oder den Münchener Filmhändler Herbert Kloiber überboten. Kinowelt gelang es später nicht, die zu teuer erworbenen Streifen lukrativ zu verwerten. Darüber hinaus war die Firma völlig überfordert, die fünf Dutzend Unternehmen zu integrieren, die sie in nur zwei Jahren übernommen hatte.

Jetzt will Kölmel, der aus allen Ämtern bei Kinowelt ausgeschieden ist, sein altes Unternehmen zurück haben. Er bietet dafür 31 Mill. Euro, 3,3 Mill. Euro mehr als seine früheren Mitarbeiter Payne und Schöfer. Kölmel hat dafür eine für die Gläubigerbanken akzeptable Finanzierungszusage der Sparkasse Leipzig, die er allerdings erst Mitte Juli vorgelegt hat - also nach der Entscheidung des Gläubigerausschusses. Payne/Schöfer haben den belgischen Investor Summa N.V. im Boot, dessen Bonität von ABN Amro bestätigt wurde.

Zukunft offen

Es ist völlig offen, wer jetzt den Zuschlag erhält. Ott gibt allerdings zu bedenken: "Man kann die Angebote nicht nur an den Zahlen festmachen, die Käufer müssen auch die Voraussetzungen schaffen, dass die noch ausstehenden Forderungen von Fernsehsendern eingezogen werden können." Denn Kinowelt hat viele Filme verkauft, an denen sie die Rechte nun gar nicht mehr besitzt.

Belastend für Kölmel dürfte sich auch auswirken, dass die Wirtschaftsprüfer von Arthur Andersen den Jahresabschluss 2001 nicht testiert haben. Damals war Kölmel noch Chef des Unternehmens zusammen mit Bruder Rainer und Finanzchef Eduard Unzeitig. Das Führungstrio wird für den Niedergang von Kinowelt mit verantwortlich gemacht. In der Medienszene wohl einmalig wäre es, wenn der Gründer die Firma jetzt wieder entschuldet zum Dumpingpreis übernehmen könnte.

Quelle: Handelsblatt

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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