Insolvenzverwalter führt Geschäfte beim Internetdienstleister
Sinner Schrader hat Interesse an Teilen von Kabel New Media

Der vor der Insolvenz stehende Hamburger Internet-Dienstleister Kabel New Media führt nach eigenen Angaben Gespräche mit mehreren Interessenten über den möglichen Verkauf von Unternehmensteilen. Der Konkurrent Sinner Schrader äußerte Interesse am Kerngeschäft.

rtr FRANKFURT "Wir führen seit zwei Tagen Gespräche mit neuen Interessenten", sagte Unternehmenssprecher Stefan Meyerhoefer am Mittwoch. Dabei handele es sich um große Unternehmen. Nähere Details könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht mitteilen, sagte Meyerhoefer. Analysten sehen in Sinner Schrader den einzigen Konkurrenten am Neuen Markt, der ein Interesse an Kabel-Unternehmensteilen haben könnte. Wahrscheinlicher ist ihrer Ansicht nach aber ein Engagement von Unternehmensberatern oder Systemintegratoren.

Die Hamburger Internet-Agentur Sinner Schrader bestätigte am Mittwoch ihr Interesse an der Übernahme von Teilen der Kabel New Media AG. "Wir sind durchaus interessiert, weil wir glauben, dass Kabel ein gutes Unternehmen ist und einen guten Job macht", sagte Sinner Schrader-Vorstandschef Oliver Sinner. Die Insolvenz betreffe die gesamte Gruppe, Sinner Schrader sei jedoch nur an dem profitablem Kerngeschäft von Kabel interessiert. Konkrete Gespräche gebe es aber derzeit nicht.

"200 bis 300 Leute bei Kabel arbeiten an interessanten Projekten. Die würden wir eventuell weiterführen wollen. Wir würden das Geschäft aber erst gerne kennen lernen", sagte Sinner. So könnten zusätzliche Dienstleistungen erbracht werden. Primär gehe es aber darum, die Arbeitsplätze zu erhalten und die Kunden weiter zu betreuen. Sinner Schrader sei ein gesundes Unternehmen mit liquiden Mitteln von 55 Mill. DM.

Wie Kabel-Sprecher Meyerhoefer auf Anfrage ergänzte, hat der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Büttner am Dienstag seine Arbeit aufgenommen. Mit der Hamburger Konkurrenz-Agentur seien bislang noch keine Gespräche aufgenommen worden. "Wir sind im Prinzip für alles offen", sagte Meyerhoefer.

Analysten rechnen eher mit Interesse von Branchenfremden

"Ich kann mir nur vorstellen, dass Interesse für Teilbereiche von Kabel besteht", sagte ein Frankfurter Analyst, der nicht namentlich genannt werden wollte. "Den gesamten Laden will wohl keiner übernehmen." Der Käufer werde wohl eher nicht aus dem unmittelbaren Wettbewerbsumfeld stammen, also nicht Concept, Popnet oder Pixelpark heißen. "Das liegt an der Marktlage. Die Firmen müssen selbst Kapazitäten abbauen", sagte der Analyst. "Wer Teile von Kabel will, muss Cash bezahlen. Geld ist das, was Kabel braucht", ergänzte der Analyst. Als Käufer in Frage kommen seiner Ansicht nach eher Unternehmensberater oder Systemintegratoren auch über die nationalen Grenzen hinweg.

Hingegen sieht Joachim Michler, Analyst bei Independent Research, in Konkurrenten wie Sinner Schrader mögliche Käufer von Kabel-Unternehmensteilen. Sinner Schrader verfüge noch über genügend liquide Mittel. In Frage kämen auch reine Beratungsunternehmen wie Accenture, Roland Berger oder KPMG. Diese würden jedoch eher die Mitarbeiter für ihr Beratungsgeschäft abwerben als Teile von Kabel übernehmen.

Die am Neuen Markt notierten Kabel-Aktien lagen am späten Mittwochnachmittag in einem schwachen Gesamtmarkt mit rund zehn Prozent im Plus bei 0,62 ?. Die Aktien von Sinner Schrader verloren hingegen fast sieben Prozent auf 4,18 ?.

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