Insolvenzverwalter rinnt die Zeit davon
Holzmann-Kuchen fast aufgeteilt

Rund zwei Monate nach dem Eingeständnis der Zahlungsunfähigkeit nimmt die Zerschlagung des Baukonzerns Philipp Holzmann konkrete Formen an. Doch Insolvenzverwalter Ottmar Hermann rinnt die Zeit davon: In wenigen Tagen laufen die Lohn- und Gehaltszahlungen des Arbeitsamtes für die Holzmänner aus, Anfang Juni wird wohl das Insolvenzverfahren für die Traditionsfirma eröffnet.

Reuters FRANKFURT. Dass und wie der Holzmann-Kuchen aufgeteilt wird, scheint soweit sicher. Und wer die Stücke erhalten könnte, zeichnet sich allmählich auch ab. "Die Verhandlungen über die verschiedenen Unternehmensbereiche sind auf gutem Wege", umschreibt ein Holzmann-Sprecher den Stand der Dinge.

Die niederländische Baufirma Heijmans will nach eigenem Bekunden Teile des Inlandsgeschäftes übernehmen und dabei offensichtlich auch den Namen Holzmann behalten. Die Bereiche des Auslandsgeschäftes außerhalb Amerikas (PHI) könnten an das algerische Konglomerat El-Khalifa gehen, und dem Wiesbadener Konkurrenten Bilfinger + Berger werden gute Chancen auf die US-Sparte Holzmanns eingeräumt. Um den Straßenbau Deutsche Asphalt buhlen zwei Bewerber, wobei die rheinische Basalt AG hier die Nase vorne haben soll.

Unklar bleibt aber, wie viele der weltweit mehr als 20.000 Arbeitsplätze nach dem stückchenweisen Verkauf Holzmanns übrig bleiben. Vor allem im Inland könnte ein "nicht unerheblicher" Teil der Stellen frei werden, befürchtet Helmut Hickler von der IG BAU, der zugleich im Aufsichtsrat der Holzmann saß. Immerhin habe man sich auf die Auffangmöglichkeit durch eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft verständigt.

"Gespräche an allen Ecken"

Unter "Hochdruck" führt der vorläufige Insolvenzverwalter Hermann derzeit Verkaufsgespräche an "allen Ecken", wie aus seinem Umfeld zu hören ist. Deshalb sei der Anwalt auch nach wie vor nicht für Stellungnahmen zu erreichen. Allerdings liege es Hermann trotz des Zeitdrucks fern, Entscheidungen über das Knie zu brechen. Vielmehr suche er "wohl überlegte, tragfähige" Entscheidungen, heißt es. Konkrete Details wie etwa Kaufsummen sind derweil nicht zu erhalten.

Rund 10.000 Mitarbeiter beschäftigte Holzmann Ende 2001 in Deutschland, etwa 3000 davon im Kerngeschäft der AG, für das sich die niederländische Heijmans interessiert. "Die wollen sich die Rosinen rauspicken", heißt es in Holzmann-nahen Kreisen. "Was die genau wollen und wieviele Leute die übernehmen, wissen wir immer noch nicht." Jeweils gut 2000 Holzmänner arbeiteten zuletzt noch für die Deutsche Asphalt und den Fertigteilebauer imbau, der selbst Insolvenz anmeldete. Weitere rund 1600 Arbeitsplätze entfallen auf den Gebäudedienstleister HSG, nach dem Bilfinger + Berger ebenfalls die Finger ausstreckt.

Wieviele Jobs gerettet werden können, hängt nun wohl vom Verhandlungsgeschick Hermanns und vor allen den Plänen der Käufer ab, die am längeren Hebel sitzen. Zwar bleibe dem Verwalter auch nach dem Auslaufen der Lohnfortzahlungen durch das Arbeitsamt in diesem Monat noch finanzieller Spielraum, heißt es. "Er muss aber schon zusehen, woher er das Geld bekommt." Den Beschäftigten, die nicht übernommen werden, droht damit schon bald eine Freistellung, oder aber sie wechseln zur Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft, die etwa drei Viertel des Lohnes weiter zahlen wird.

Bewerberschlange für J.A. Jones

Um die Amerika-Töchter J.A. Jones und Lockwood Greene, die im vergangenen Jahr mehr als drei Milliarden Dollar umsetzten und als "Perlen" im Holzmann-Konzern gelten, rangeln sich indes mehr als ein Duzend ernst zu nehmender Kaufinteressenten. Insofern werde eine Entscheidung hier erst Mitte Juli fallen, während andere Bereiche wie der Straßenbau oder die HSG wohl in den kommenden Wochen über den Tisch gehen dürften, heißt es aus verhandlungsnahen Kreisen.

Insider rechnen Bilfinger + Berger gute Chancen auf eine Übernahme der US-Töchter Holzmanns aus. "Die US-Sparte würde ideal zu Bilfinger passen", heißt es. Aber mit potenten Finanzinvestoren und verschiedenen großen europäischen Baukonzernen habe das Wiesbadener Unternehmen durchaus starke Konkurrenten. Noch laufe die Due Dilligence - also die Wirtschaftlichkeitsprüfung - der US-Aktivitäten, doch der Verkauf sei eine der leichteren Aufgaben für Hermann.

Auch um den Verkauf der in der PHI zusammengefassten Auslandgeschäfte Holzmanns außerhalb der USA mit ihren insgesamt rund 600 Mitarbeiter scheint es gut zu stehen. Der algerische Großunternehmer Rafik Khalifa hat bereits eine Absichterklärung für den Erwerb der PHI abgegeben, streitet aber angeblich noch um die Rechte für den mehr als 150 Jahre alten Firmennamen "Philipp Holzmann". Denn Holzmann, so ein Beteiligter, sei im Ausland immer noch ein "großer Name" - auch wenn er hierzulande inzwischen stellvertretend für eine der spektakulärsten Firmenpleiten der Nachkriegsgeschichte steht.

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