Insolvenzverwalter von Herlitz
Peter Leonhardt: Mann mit Fingerspitzengefühl

Herlitz ist das erste Unternehmen, das Insolvenzverwalter Leonhardt nach den Regeln des neuen Rechts abwickelte. Er knackte seine "härteste Nuss".

Immer freundlich, aber bestimmt - diese Art hat dem Insolvenzrechtler Peter Leonhardt auch bei seinem bisher schwierigsten Fall geholfen: Seine "härteste Nuss", wie Leonhardt den Sanierungsfall Herlitz AG zu Beginn seiner Tätigkeit als vorläufiger Insolvenzverwalter bezeichnete, hat er mit viel Geschick geknackt. Der Schreibwarenhersteller, der sich bei Immobiliengeschäften verspekulierte, hat das Vertrauen der Banken zurückgewonnen und kann zumindest für ein bis zwei Jahre als "ganz normales Unternehmen" weiterarbeiten. Offenbar hat sich die dreimonatige intensive Sanierungsarbeit ausgezahlt. In überraschender Eintracht haben die Banken dem Insolvenzplan des 57-jährigen Juristen zugestimmt.

Für Leonhardt ist das ein besonderer Erfolg, weil Herlitz der erste Fall ist, den er nach den Regeln des neuen Insolvenzrechts gelöst hat. Darüber sind nicht nur die Banken erfreut, auch das Herlitz-Management äußert sich positiv. So lobt Christian Supthut, der Vorstandsvorsitzende des wieder erstarkten Unternehmens: "Ich kenne andere Insolvenzverwalter, mit denen ich nicht gerne gearbeitet hätte." Keine Frage: Leonhardt gelingt es, Vertrauen zu schaffen.

Leonhardt wirkt im Hintergrund weiter

Offiziell ist er mit dem gestrigen Tag von der Bühne des Berliner Traditionsunternehmens abgetreten. Zur Vorlage des Halbjahresberichts empfing der Vorstand die Presse alleine. Leonhardt machte derweil bereits Urlaub auf der spanischen Ferieninsel Mallorca, gemeinsam mit seiner Ehefrau und einem seiner drei Kinder.

Dennoch wirkt Leonhardt im Hintergrund weiter - auch vom Urlaubsort aus. Gerade habe sein Partner angerufen, erzählt er am Telefon. "Als Interessent für Herlitz ist ein großer Konzern auf uns zugekommen." Es ist sein Wunsch, das Unternehmen Herlitz zu begleiten, bis ein Käufer gefunden ist. Erst dann hätte er erreicht, was er stets anstrebt: eine Firma im Kern zu erhalten und möglichst viel für die Gläubiger herauszuholen.

Das alles sagt der gebürtige Berliner mit dieser für die ruppige Hauptstadt so untypischen Art: Ihm gelingt es, auf die unterschiedlichsten Menschen einzugehen. Banker schätzen dabei den unternehmerischen Sachverstand Leonhardts, der inzwischen seit fast 30 Jahren als Anwalt tätig ist. Mit ihren rund 100 Mitarbeitern hat seine Kanzlei in einem schicken Büro am Berliner Kurfürstendamm Platz gefunden.

Gute Zeiten für Insolvenzverwalter

Die Liste der Fälle ist ansehnlich: Auf ihr stehen die Abwicklung des Baukonzerns Maculan, die des Textilunternehmens Wiebe und der Fritz-Werner-Nils-Gruppe. Jüngster prominenter Fall der Leonhardt-Kanzlei sind die Berliner Werke des angeschlagenen Konzerns Babcock Borsig. In der angespannten konjunkturellen Lage dürften wohl schon bald weitere Fälle folgen und den Ruf des solventen Insolvenzverwalters festigen. Freimütig gesteht Leonhardt dazu: "Ich verdiene ordentlich Geld."

Das neue Insolvenzrecht bietet mehr Unternehmen als früher die Chance zu überleben. "Firmen, deren Kerngeschäft gesund ist, können damit ganz normal weiterarbeiten und müssen nicht gleich schließen", erklärt Leonhardt. Entscheidend sei allerdings, schnell zu handeln und an der richtigen Stelle zu sanieren, um ein Sterben auf Raten zu verhindern.

Sich selbst sieht er inzwischen eher als Manager auf Zeit denn als Jurist. "Sie müssen mit dem Vorstand eng und als Teamplayer zusammenarbeiten", sagt Leonhardt, der früher leidenschaftlich Posaune spielte und außerdem Mittelstürmer der Berliner Justiz-Mannschaft war. Zur Posaune greift er nur noch selten. Auch beim Fußball ist er jetzt oft Zuschauer: als Fan und Dauerkartenbesitzer von Hertha BSC.

Vita

Peter Leonhardt, 57, ist gebürtiger West-Berliner. Nach zwei Semestern Betriebswirtschaftslehre studierte er Jura in Berlin und Freiburg. Seine Zulassung als Anwalt erhält er 1973, zehn Jahre später darf er auch als Notar arbeiten. Seine Karriere beginnt er allerdings nicht in einem Anwaltsbüro, sondern beim Konkursverwalter Otto S. Gebler, dessen Büro Leonhardt kurze Zeit später übernimmt. Heute ist die Anwaltskanzlei Leonhardt & Partner in Berlin auf Insolvenzrecht spezialisiert. Leonhardt ist verheiratet und hat drei Kinder. In seiner Freizeit joggt er gerne und liest Biografien.

Quelle: Handelsblatt

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