Inspektoren haben Land verlassen
Nordkorea wird Atom-Sperrvertrag nicht einhalten

Nach der Ausweisung von UNO-Inspektoren aus Nordkorea hat der nordkoreanische Botschafter in Moskau gewarnt, sein Land könne wegen Drohungen der USA den Atomwaffensperrvertrag nicht einhalten.

Reuters SEOUL/MOSKAU. Die USA hätten Nordkorea mit einem atomaren Präventivschlag gedroht, sagte Botschafter Pak Ui Chun am Dienstag der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Unter diesem Umständen könne auch Nordkorea den Atomwaffensperrvertrag nicht einhalten. Die aus Nordkorea ausgewiesenen Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) trafen auf dem Weg nach Wien in Peking ein. Eine IAEA-Sprecherin sagte, sie seien zu einer Rückkehr bereit, sollte Nordkorea seine Entscheidung ändern.

"Unter diesem Umständen können wir auch den Atomwaffensperrvertrag nicht erfüllen, dessen grundlegende Norm den Atommächten die Pflicht auferlegt, die Atomwaffe nicht gegen Staaten einzusetzen, die sie nicht besitzen", sagte der nordkoreanische Botschafter. Er forderte erneut direkte Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea. Es handele sich nicht um eine internationale Angelegenheit. Der kommunistische Staat war dem Atomwaffensperrvertrag im Jahr 1985 beigetreten. Der Vertrag soll die Weiterverbreitung von Atomwaffen verhindern.

US-Präsident George W. Bush hat Nordkorea gemeinsam mit Iran und Irak als "Achse des Bösen" bezeichnet. Nach US-Angaben hat Nordkorea im Oktober eingestanden, mehrere Jahre lang ein geheimes Atomwaffenprogramm betrieben zu haben. Am Freitag hatte Nordkorea nach eigenen Angaben ein Labor in Betrieb genommen, in dem aus abgebrannten Brennelementen Plutonium zur Herstellung von Atomwaffen gewonnen werden könnte. Das Land hat zudem angekündigt, wegen Energiemangels einen stillgelegten Reaktor wieder hochzufahren. In dem Reaktor kann nach Angaben der IAEA waffenfähiges Plutonium hergestellt werden. Nordkorea hatte außerdem die IAEA-Inspektoren ausgewiesen, die die Einhaltung eines 1994 abgeschlossenen Abkommens überwachen sollten, in dem sich Nordkorea zur Aussetzung seines Atomprogramms verpflichtet hatte.

"Wir bedauern, dass sie (die Inspektoren) abgereist sind", sagte IAEA-Sprecherin Melissa Fleming in Wien. "Aber wir haben das Büro offen gehalten. Wir lagern unsere Ausrüstung dort ein, und lassen so die Möglichkeit offen, dass unsere Inspektoren zurückkehren können." Die beiden Inspektoren, eine Chinesin und ein Libanese, wollten bei ihrem Zwischenstopp in Peking keine Stellungnahme abgeben.

Südkorea, dessen Haupststadt Seoul in Reichweite der nordkoreanischen Artillerie ist, hatte am Montag Druck und eine Isolierung in der gegenwärtigen Krise als nicht Erfolg versprechend bezeichnet. Auch der russische Außenminister Igor Iwanow warnte davor, dass "aggressive Rhetorik und Drohungen und ... Versuche, Nordkorea zu isolieren, nur zu einer weiteren Zunahme der Spannungen führen". Er forderte gleichzeitig von Nordkorea die strikte Einhaltung seiner internationalen Verpflichtungen und kritisierte die Entscheidung, die IAEA-Beobachter auszuweisen und den Reaktor ohne internationale Kontrolle wieder anzufahren.

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