Instant Messaging fürs Handy
Mobiles Chatten auf dem Vormarsch

Der SMS-Boom ist kaum auf seinem Höhepunkt angelangt, da wird ihm auch schon sein Ende nachgesagt. Schneller, preiswerter und vielseitiger macht sich das auf PC längst erfolgreiche Instant Messaging daran, der Kurznachricht den Platz streitig zu machen.

DÜSSELDORF. Seit Mai bringt das Internetportal Jamba aufs Handy, was auf PC längst eine beliebte Alternative zur E-Mail geworden ist: Instant Messages - kurz IM genannt. Der Vorteil: Wie der Name schon sagt, erscheinen die Nachrichten instantly, also "sofort" beim Empfänger auf dem Bildschirm, ohne dass er sie extra öffnen muss. Voraussetzung: Er ist online und hat ein entsprechendes Programm geöffnet.

Dass Nachrichten eine Mailbox verstopfen, bis sie viel später - etwa nach dem Urlaub - gelesen werden, ist ausgeschlossen. Denn eine so genannten Buddy Liste zeigt an, wer von den eingetragenen Kollegen oder Freunden online und erreichbar ist. Nur dann können sie überhaupt angeschrieben werden.

Nach dem gleichen Prinzip werden mobile Text-Nachrichten auf den Weg gebracht. Wie SMS (Short Message Service) erscheinen sie direkt auf dem Display. Dank Übertragung über den Mobilfunk-Standard GPRS (General Packet Radio Service) geht das so schnell wie im Chat. Die Buddy-Liste kann zudem das teure Besprechen von Mailboxen überflüssig machen. Schließlich erfährt der Handy-Nutzer daraus, ob ein potenzieller Gesprächspartner sein Telefon überhaupt eingeschaltet hat oder gerade telefoniert.

Wegen der Zellstruktur der Mobilfunknetze ließe sich in Zukunft sogar der Standort des Gesprächspartners anzeigen: Hinter der Nummer eines Freundes wäre möglicherweise zu sehen, dass er gerade auf Bali ist - und ein Anruf zeitlich unpassend wäre.

Ende des SMS-Booms

Die Kosten für IM betragen nur einen Bruchteil der SMS heute - neben einer Grundgebühr ist nur die GPRS-Übertragung zu zahlen. Derzeit erzielen die Mobilfunkbetreiber etwa 12 Prozent ihrer Umsätze durch SMS. 2004 aber soll der Zenit überschritten sein und das Volumen stagnieren, sind die Marktforscher von Forrester Research überzeugt. Die Preise werden dann deutlich fallen und die Anbieter an Alternativen arbeiten müssen, um den Rückgang auffangen zu können, prognostiziert Forrester.

Einer von sechs europäischen Handybesitzern nutzt IM heute auf dem PC, hat Forrester herausgefunden. Analystin Michelle de Lussanet ist überzeugt, dass das mobile IM mindestens genauso viel Anklang finden wird. Sie meint: Während die Hersteller die Multimedia-Nachrichten Enhanced und Multimedia Message Service (EMS und MMS) als SMS-Erben vorantreiben wollen, werden viele Nutzer mobile E-Mails und IM als billigere Alternative wählen.

"Für schnelle Nachrichten von Person zu Person, brauchen die Kunden nicht die Möglichkeiten von EMS und MMS - etwa zum Versenden von Bildern", erklärt Lussanet. Laut ihrer Studie werde 2007 ein Viertel der Nutzer IM regelmäßig nutzen.

Jamba macht den ersten Schritt

Das erste Angebot ist bereits da: Das Internet-Portal Jamba, über das Spiele, Klingeltöne und bunte Bildchen für das Handy vertrieben werden, bietet das Kommunikations-Programm Microsoft Messenger seit Mai als Download an - bislang allerdings nur für einige Siemens-Handys. Nach dem Herunterladen der kostenlosen Shareware kann es sofort losgehen: Nicht nur Mobiltelefone können dann untereinander kommunizieren. Nachrichten können auch zwischen PC und Handy verschickt werden. Die Buddy-Liste nimmt unbegrenzt viele Freunde auf. Das Abonnement kostet 99 Cent monatlich zuzüglich Verbindungsgebühren.

Doch bisher hat die IM-Welt Grenzen: Wie PC-Nutzer auch können Jamba-Kunden nur mit Nutzern gleicher Software Kontakt aufnehmen. Zwischen einem PC mit AOL-Messenger und einem mit Microsoft-Software ist beispielsweise keine Unterhaltung möglich. Deshalb haben sich Nokia, Motorola und Ericsson im vergangenen Jahr zu einer "Wireless-Village" genannten Kooperation zusammengetan. Ihr Ziel: Die Entwicklung einer mobilen IM-Technologie, die unabhängig von solchen Standards und sowohl für Handys als auch für Laptops und PDAs geeignet sein soll. Erste Geräte, die sich untereinander verstehen, sollen noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

Ist die SMS damit am Ende? Nein, meinen selbst die IM-Befürworter von Forrester Research. "SMS wird weiterhin die Masse des Bedarfs an reinen Text-Nachrichten bedienen, und damit noch 2007 zwei Drittel der gesendeten Nachrichten ausmachen", erklärt de Lussanet. Eine SMS werde dann aber nur noch sieben Cent einbringen und die Einnahmen auf 12 Mrd. Euro begrenzen. Das wären dann nur noch 47 Prozent des Gesamtumsatzes mit Nachrichten und damit 34 Prozent weniger als heute. 19 Prozent der Mails würden über IM versand. Der Versand von Multi-Media-Nachrichten werden sich zu gleichen Teilen zwischen email und MMS verteilen, so die Prognose.

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