Institut der Deutschen Wirtschaft über Arbeitsunwilligkeit
Einige Arbeitslose warten nur noch auf die Rente

Nur ein Teil der in Deutschland gemeldeten Arbeitslosen bemüht sich tatsächlich aktiv um eine neue Stelle. Dies teilte das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) am Mittwoch mit. Viele Arbeitslose, so die Forscher, seien nicht ernsthaft an einem Job interessiert und verweigerten sich den Vermittlungsbemühungen und Qualifizierungsangeboten der Arbeitsämter.

bia DÜSSELDORF. Von rund 4,1 Millionen Arbeitslosen, die im Mai 1999 gemeldet waren, hätten nur rund 2,6 Millionen eine passende Stelle innerhalb der nächsten zwei Wochen antreten können, fand das IW in einer Haushaltsbefragung heraus. Davon bemühten sich allerdings nur gut 1,6 Millionen in den vergangenen vier Wochen aktiv um eine neue Arbeit. Nur diese Personen würden als arbeitslos im engeren Sinne gelten, schreibt das IW.

Arbeitslos im engere Sinne bedeute zudem auch, dass die Arbeitslosen keiner Nebentätigkeit nachgingen. Denn im Gegensatz zu internationalen Arbeitslosenstatistiken gelte in Deutschland auch derjenige als arbeitslos, der bis zu 15 Stunden arbeite. Deshalb habe die Bundesanstalt für Arbeit für das Jahr 2000 eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 3,9 Millionen ausgewiesen, während die OECD lediglich 3,4 Millionen errechnete.

Das Desinteresse einiger Arbeitsloser an einer Beschäftigung hat nach Ansicht des IW zahlreiche Gründe. So meldeten sich einige nur deshalb beim Arbeitsamt, um die Zeit bis zum Ruhestand, zur Ausbildung oder zur Erziehungszeit zu überbrücken. Viele wollten damit lediglich Ansprüche auf staatliche Leistungen, wie etwa Rentenanwartschaften, geltend machen. Andere Arbeitslose stellten fest, dass ihr voraussichtlicher Nettolohn niedriger oder nur unwesentlich höher ist als das Arbeitslosengeld, das sie derzeit beziehen. Nimmt ein Arbeitsloser jedoch eine schlechter bezahlte Tätigkeit an, erhält er bei einem erneuten Jobverlust ein entsprechend niedrigeres Arbeitslosengeld. Ein weiterer Faktor sei das Alter: Das Durchschnittsalter der Arbeitsunwilligen liege bei 56 Jahren. "Man wartet auf die Rente", ist das IW überzeugt. Die aktiven Arbeitslosen seien hingegen im Schnitt 38 Jahre alt.

Dieses passive Verhalten habe sicherlich Einfluss auf die eigene Motivation, schreibt das Institut. Mehr als die Hälfte der desinteressierten Arbeitslosen glaube, es sei praktisch unmöglich, eine neue Stelle zu finden. Unter den aktiven Arbeitslosen betrage dieser Anteil hingegen nur gut ein Viertel.

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