Institut kündigt schärfere Kontrolle von Börsenkandidaten an
DG Bank erwartet kräftige Kursgewinne am Neuen Markt

Nach der Talfahrt am Frankfurter Neuen Markt sieht die DG Bank nun wieder gute Kurschancen. Der alle Werte des Börsensegments umfassende Nemax-All-Share-Index soll bis zum ersten Quartal des nächsten Jahres auf rund 8 000 Punkte steigen. Die DG Bank rät zum Kauf bei schlechten Nachrichten.

rob FRANKFURT/M. Die massive Kritik an der DG Bank als eine der führenden Konsortialbanken am Neuen Markt ist am Institut nicht spurlos vorübergegangen. Vorstandsmitglied Uwe E. Flach wehrte sich bei der Vorstellung der jüngsten Studie der DG Bank zum Wachstumssegment gegen Vorwürfe, die in Zusammenhang mit den Pleiten von Gigabell und Teamwork laut geworden waren. Bei beiden Gesellschaften war das Institut nur Mitglied des Konsortiums gewesen.

Flach akzeptierte zwar, dass die DG Bank auch in der Verantwortung steht. "Herr des Verfahrens ist jedoch nur der Emissionsführer." Er führe die strenge "Due Dilligence" durch, prüft also die wirtschaftliche und finanzielle Situation des Börsengängers. Die Konsorten seien hingegen auf die vom "Lead Manager" ermittelten Daten angewiesen.

Mit Blick auf die Kursentwicklung der von der DG Bank geführten Börsengänge in diesem Jahr räumte der Vorstand ein, dass die Mehrzahl "derzeit unter Emissionspreis notieren". Die Mehrheit der Firmen sei jedoch von der Marktentwicklung mitgerissen worden. Drehe der Markt, seien sie die ersten, die sich wieder erholen würden.

Qualität des Managements ist ein Problem

In der Performance-Liste der DG Bank gebe es indes auch Problemfälle, die auf Fehleinschätzungen beruhten. Es fehle die "nachhaltige Qualität des Managements von Börsenkandidaten" - trotz eines strengen Auswahlprozesses. Beispiele wie Abit, Brain International und CPU zeigten, dass bei der Überprüfung des Emittenten nicht alle Steine umgedreht worden seien. Die Bank will deshalb künftig vor allem das Management intensiver beleuchten. Zudem soll die Haltefrist für Altaktionäre in der Regel zwölf bis 18 Monate betragen. Es würden keine Unternehmen an die Börse gebracht, die sich im Stadium eines Venture-Capital-Unternehmens befänden. Das heißt: Die Gesellschaften sollen in zwei bis drei Jahren Gewinne erzielen.

Von den Konsortialführern werde eine Zusammenfassung der Due Dilligence gefordert. Außerdem gebe es eine interne Checkliste, die für alle von der DG Bank geführten Emissionen gelte. So müssten etwa Geschäfts- und Marktmodell stimmen und das Management müsse fähig sein, ein börsennotiertes Unternehmen zu führen. Gleichzeitig will die DG Bank die Nachbetreuung der Börsengänger verstärken. Als Sanktionen seien die Einstellung des Researchs über die Gesellschaft und die Aufgabe der Betreuerfunktion denkbar.

Die jüngsten Diskussionen kann die DG Bank nicht davon abhalten, für den Neuen Markt positiv gestimmt zu sein. Der Nemax-All-Share soll bis zum Ende des ersten Quartals bei 8 000 (aktuell: rund 4 300) Punkten liegen. Das Institut hat damit die Latte im Vergleich zu ihrer Prognose von Anfang August - 8 500 Zähler bis Jahresende - noch immer hoch gelegt. Zum Jahresende 2001 sollen es 9 000 Punkte sein.

Neuer Markt sollte Boden gefunden haben

Nachdem die Übertreibung des Frühjahres weitgehend beseitigt sei, sollte der Neue Markt allmählich den Boden gefunden haben, konstatiert Karl Eugen Reis, Leiter der Aktienanalyse der DG Bank. Sein Optimismus gründet sich auf das stabilisierte Zinsumfeld; die US-Wachstumsbörse Nasdaq sei inzwischen moderat bewertet; Stars der neunziger Jahre wie Microsoft würden von neuen Erfolgsstories wie Sun abgelöst; die Zahl der positiven und negativen Überraschungen bei den Unternehmensberichten über das dritte Quartal hielten sich in etwa die Waage; Anzahl und Bewertung der Neuemissionen gehe stark zurück; die Liquidität sei hoch und weiter steigend.

Außerdem hätten die Bewertungen von neutral auf positiv gedreht. Reis schätzt, dass die Gewinne für 2000 und 2001 um jeweils 86 % steigen werden. Zudem gebe es einen Bewertungsabschlag von 5 % gegenüber der Nasdaq. Eigentlich sei aber ein Aufschlag auf Grund der geringeren Marktbreite und der im Schnitt jüngeren, dynamischeren Unternehmen angebracht. Flach rechnet mit rund 150 Emissionen in 2000 nach 131 im Vorjahr. Angesichts der Turbulenzen seien etwa 50 % der geplanten Börsengänge der DG Bank in diesem Jahr verschoben worden.

Das Institut empfiehlt derzeit vor allem drei Werte: LPKF, Rhein Biotech und Computer Links. LPKF profitiere als Marktführer im Prototyping von drei Megatrends: Kürzeren Produktlebenszyklen, zunehmender Miniaturisierung, innovativen Chip-Anschlusstechniken. Rhein Biotech wird als profitables Biotech-Unternehmen mit dynamischem Umsatz- und Gewinnwachstum bezeichnet. Und bei Computer Links sieht das Institut eine neue Umsatz- und Ertragsqualität durch Zukäufe von IT-Vermarktern.

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