Institut scheiterte am Neuen Markt
Gontard & Metallbank stellt Insolvenzantrag

Das Amtsgericht Frankfurt eröffnete am Freitag wegen Überschuldung ein Insolvenzverfahren über das Vermögen der Gontard & Metallbank. Verwalter wird der Rechtsanwalt Klaus Pannen, teilte das Gericht mit. Die enge Anbindung an den Neuen Markt machte die Bank in den vergangenen zwei Jahren groß - und besiegelte nun ihr Schicksal.

dpa FRANKFURT/MAIN. Die Finanzaufsicht BAFin hatte die Schalter der Bank wegen der drohenden Insolvenz schon am 6. Mai für den Kundenverkehr geschlossen. Damit waren die Guthaben der rund 17 000 Kunden des Geldhauses eingefroren. Zuvor hatte die Bank offen gelegt, dass mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt war. Das Moratorium des BAFin galt als letzte Gnadenfrist für die Frankfurter Traditionsbank, ein gutes Sanierungskonzept zu finden. Doch es schränkte auch die Spielräume für einen normalen Geschäftsbetrieb ein. Daraufhin zeigte die Bank vergangenen Dienstag ihre Überschuldung an.

Zuletzt hatte niemand mehr an eine Rettung geglaubt. Zu eng hatte die Bank ihr Schicksal an die Entwicklung des Neuen Marktes geknüpft. "Gontard ist ein typischer Emporkömmling des Neuen Marktes - sie wird vermutlich mit ihm untergehen", urteilte Jörg Pluta von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Zu Goldgräberzeiten des Wachstumssegments brachte das Institut knapp 50 Unternehmen an die Börse - vornehmlich mit dem Emissionshaus Gold-Zack, Mehrheitseigner der Bank.

"Dieses Geschäft ist im letzten Jahr nahezu völlig zum Erliegen gekommen", berichtet die Finanzaufsicht. Heute notieren die meisten Gontard-Schützlinge deutlich unter ihrem Wert zu Börsenstart. Gerade einmal vier Emissionen, darunter Beate Uhse, liegen noch im Plus. Für die hohen Wertberichtigungen, die das Eigenkapital zuletzt immer schneller schmelzen ließen, war allerdings das Kreditgeschäft verantwortlich. Denn die Gontard-Bank vergab reichlich Darlehen an Neue-Markt-Firmen - und ließ sich diese mit deren Aktien besichern. Selbst Privatleute konnten Aktien auf Kredit kaufen - und die Wertpapiere als Sicherheiten hinterlegen.

Das führte zu Wertberichtigungen in immer schnellerer Folge. Denn je brutaler die Aktienkurse einbrachen, desto weniger waren die Kreditsicherheiten wert. Dann muss eine Bank berichtigen. Im April räumte das Institut einen Korrekturbedarf im Kreditgeschäft von rund 25 Mill. ? ein. Im Mai folgten weitere 20 Mill. ?. Zu den Kreditnehmern des Instituts zählten Börsennieten wie der IT-Dienstleister Heyde und der Seniorenheim-Betreiber Refugium. Auch Moorhuhn-Erfinder Phenomedia war mit dem Institut verbunden. All diese Geschäftspartner sind heute ebenfalls insolvent, die Sicherheiten für die Kredite nichts mehr wert.

Für einzelne Teile der Bank gibt es aber offenbar nach wie vor Interessenten. Das betrifft vor allem die Vermögensverwaltung, das Beratungsgeschäft und den Eigenhandel, sagte ein Sprecher. "Es gibt zwar keine Riesenhoffnung, aber es gibt noch immer Gespräche mit möglichen Investoren." Etwa 220 Menschen beschäftigt die Bank, nach aktuellem Stand soll die Hälfte gehen.

Kommende Woche wird nun wohl das BAFin den Entschädigungsfall feststellen, damit der Einlagensicherungsfonds die Sparer entschädigen kann. Pro Einleger sind bis zu etwa 12 Mill. ? geschützt. Neue Konten können die Kunden bei der Frankfurter Sparkasse zu den alten Konditionen eröffnen. Damit kommen die Betroffenen wieder zu einer funktionierenden Bankverbindung. Auch einen Kreditrahmen will die Sparkasse zur Verfügung stellen.

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