Institut setzt auf die Kraft der Vermögensverwaltung
Die Deutsche Bank definiert sich neu

Der künftige Sprecher Josef Ackermann steht wenige Wochen vor dem Amtsantritt vor einer schweren Aufgabe: Er muss in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit sein gespaltenes Institut wieder vereinen.

FRANKFURT/LONDON. Die Deutsche Bank sieht weitere Ausfälle von Krediten auf sich zukommen. "Es gibt Kredite der Deutschen, die nur zweitrangig oder teilweise gar nicht besichert sind", heißt es im Umfeld der Bank. Offenbar geht man in der Konzernspitze davon aus, dass in der derzeitigen Spätphase der Konjunkturschwäche bei einigen Firmen die liquiden Mittel auslaufen und Kredite nicht mehr bedient werden können.

Schon spricht man davon, dass sich die Risikovorsorge für Kreditausfälle verdoppeln muss. Erst im vergangenen Jahr hatte der deutsche Branchenprimus seine Zuführungen zu den Wertberichtigungen mit 1,024 Mrd. um 114 % erhöht. Von den jüngsten Pleiten von Herlitz bis Holzmann war auch die Deutsche Bank betroffen, diese Wertberichtigungen stehen aber schon in den Büchern.

Mögliche Kreditausfälle sind aber nur eine der vielen Herausforderungen, vor denen die Bank steht. Wenige Wochen vor dem Stabwechsel von Sprecher Rolf-E. Breuer zu Sprecher Josef Ackermann am 22. Mai erwarten Beobachter, dass das Institut anlässlich des Quartalsergebnisses heute strategische Weichenstellungen ankündigt. Dazu gehören auch Veränderungen im - mittlerweile geradezu notorisch - unprofitablen Geschäftsfeld PCAM, dem Bereich für Private Kunden und Vermögensverwaltung.

Es wird erwartet, dass die Deutsche Bank ihre Tochter Deutsche Bank 24 in den Konzern eingliedert. Das Geschäft mit den Privatkunden der "Modernen Mitte" (Eigenwerbung) wird demnach künftig mit dem Mittelstands-Geschäft und den vermögenden Privatkunden (Private Banking) vereint (Handelsblatt, 26.4.). Wie aus Bankkreisen verlautete, stellt dies aber wohl nur einen Teil des Revirements dar. Der Zeitpunkt ist von dem 54-jährigen Ackermann geschickt gewählt. Obwohl der Schweizer der Drahtzieher hinter den Veränderungen sein dürfte, bindet er geschickt den Noch-Konzernsprecher und künftigen Aufsichtsratsvorsitzenden Breuer mit ein.

Den Marktwert mindestens verdoppeln

Wie es aus Kreisen der Bank heißt, will der künftige Vorstandssprecher zunächst alles tun, um den Marktwert der Deutschen Bank mindestens zu verdoppeln. Erst in zwei bis drei Jahren könnte das Institut dann "heiratsfähig" sein, zumal Ackermann die Rolle des Juniorpartners unter allen Umständen vermeiden will. Dazu geht Ackermann noch vor Beginn seiner Amtszeit entschieden vor:

Erst installierte er ein Exekutiv-Komitee unter einem verkleinerten Vorstand, um seine Machtposition zu verstärken. Dann tauschte er einige Personen aus. Neben dem Vorstandsmitglied und obersten Risiko-Controller Thomas Fischer, dem einst Ambitionen auf den Chefposten nachgesagt worden waren, traf es den für das Asset Management zuständigen Michael Philipp. Deren Zuständigkeiten übernahmen im April Tom Hughes und Roger de Weck.

Ackermann dürfte mit allen Mitteln versuchen, das zwischen Investment-Banking und Privatkunden gespaltene Institut wieder zu vereinen. Ein wichtiges Vehikel für den Offizier der Reserve ist dabei die Vermögensverwaltung, heißt es. Ackermann dürfte versuchen, Investment-Bank-Produkte wie Neuemissionen und Anleihen noch stärker über das eigene Netz der von der Deutschen verwalteten rund 1 Bill. Assets zu platzieren. Das könnte helfen, den hohen Kostenblock abzubauen.

Als eine der Kernaufgaben des künftigen Sprechers gilt es, die Cost-Income-Ratio auf 65 % zu verringern. Derzeit wendet das Institut noch mehr als 90 Cents auf, um einen Euro einzunehmen. Auch in der "Königsdisziplin" Fusionen und Übernahmen kann sich der Sprecher vorstellen, stärker von der hohen Platzierungskraft zu profitieren. Deutsche-Manager gehen davon aus, dass man zwischen 20 und 40 % von Transaktionen im eigenen Netz platzieren könnte.

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