Institut trotzt der Krise und baut die Aktienabteilung aus – Marktanteile gewonnen – Konkurrenz zieht sich zurück
Deutsche Bank greift im fernen Osten an

Eine Reihe von internationalen Wertpapierhäusern kehrt Asien wegen der Börsenkrise den Rücken. Nicht so die Deutsche Bank. Sie baut das Aktiengeschäft in Fernost kräftig aus. Mit Erfolg: Zwar kann sie es nicht mit der Nummer eins, der UBS, aufnehmen, doch die Deutschen gewinnen stetig Marktanteile.

HONGKONG. Die weltweite Börsenkrise hat Asien zwar nicht ganz so hart getroffen wie Amerika und Europa. Doch auch in Fernost sind die Handelsvolumen stark gesunken, und eine Reihe von Wertpapierhäusern hat der Region den Rücken gekehrt. Doch davon lässt sich die Deutsche Bank nicht schrecken. Sie expandiert aggressiv in den asiatischen Aktienhandel.

Bis vor einem Jahr spielten die Frankfurter in Fernost keine Rolle. Doch dieses Jahr hat die Aktienabteilung der Bank in Asien außer Japan rapide Marktanteile gewonnen. "Im Durchschnitt sind wir hier inzwischen wahrscheinlich die Nummer vier oder fünf unter den internationalen Brokern," schätzt Edouard Peter. Er hat die Aktien-Abteilung völlig umgekrempelt. Als der Schweizer im März 2001 die Leitung übernahm, arbeiteten dort 240 Leute "180 davon arbeiten heute nicht mehr hier," sagt er. Peter hat eine Reihe namhafter Analysten, Verkäufer und Trader angeheuert, in einer Zeit, da viele Wettbewerber Personal feuerten. Heute hat er 270 Mitarbeiter unter sich. Die Deutsche Bank hat den Ruf, Talente mit großen Schecks anzulocken; doch Peter beteuert, nur sieben der Neulinge verdienten mehr als bei früheren Arbeitgebern.

Die Reorganisation zeigt erste Wirkung: Im Research-Ranking der Fachzeitschrift Institutional Investor stieg das Asien-Team der Bank in diesem Jahr auf Platz 10. Damit liegt es zwar noch weit hinter dem großen Rivalen UBS, der klaren Nummer eins. Doch im Vorjahr kamen die Deutschen noch abgeschlagen auf Platz 14. Wichtiger als die Rankings: Die Handelsabteilung hat in einer Reihe von Schlüsselmärkten deutlich Marktanteile gewonnen. In Südkorea etwa ist sie im November zum drittgrößten internationalen Broker aufgerückt und kommt auf 11,6 Prozent Marktanteil. Vor einem Jahr waren die Frankfurter Nummer zehn mit 6,7 Prozent; vor zwei Jahren standen sie auf Platz 17. In Taiwan ist die Bank im Vormonat zum siebtgrößten Broker aufgestiegen, von Platz 14 im Vorjahr. Ihr Marktanteil hat sich von drei auf 8,6 Prozent erhöht.

Überschlägt man die Marktanteil- Zuwächse in Schlüsselmärkten wie Korea und Taiwan, müssen sich die monatlichen Einnahmen der Sparte dort fast verdoppelt haben - allerdings auf einer niedrigen Vergleichsbasis.

Die echte Bewährungsprobe hat Peter aber noch vor sich. Damit sich der Ausbau des Geschäfts richtig auszahlt, dürfte es nicht reichen, in einem flauen Markt Anteile zu gewinnen. Dazu müssen die Börsen und mit ihnen die Handelsvolumen nachhaltig anziehen, geben Branchenkenner zu bedenken.

Analysten zufolge existieren in Asien immer noch Überkapazitäten im Broking-Geschäft. Dabei haben schwierige Marktbedingungen bereits eine Reihe internationaler Häuser zum Rückzug aus der Region gezwungen, darunter die Dresdner Bank und Crédit Agricole. Im November gab auch Société Générale den Aktienhandel in der Region auf und setzte 180 Mitarbeiter vor die Tür. Viele andere Institute haben stark entlassen oder sich aus einzelnen Märkten zurückgezogen, darunter eine Reihe großer Wall-Street-Namen.

"Ein paar mittelgroße internationale Firmen wackeln und werden wohl noch aussteigen," sagt ein Hongkonger Finanzanalyst. Gute Überlebenschancen hätten nur Institute, die weltweit in der ersten Liga spielten - und große lokale Broker wie Good Morning Securities in Südkorea, Core Pacific-Yamaichi in Taiwan und Hongkong oder DBS in Singapur. "Die füllen die Lücken, die der Rückzug der Ausländer reißt, und viele von ihnen bauen ihr Geschäft in der Region langsam aber beständig aus," sagt der Analyst.

Doch auch unter internationalen Namen ist die Deutsche Bank mit Einstellungen nicht ganz alleine. ING und Crédit Lyonnais haben in den vergangenen Monaten ein paar neue Analysten und Händler in Asien eingestellt. Vielleicht wappnen sie sich für den härteren Wettbewerb mit der Deutschen Bank. Noch sind sie dieser aber zumindest in den Research-Rankings voraus.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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