Institute erwarten keinen baldigen Konjunkturaufschwung
Druck auf IG Metall wird immer stärker

Ein tief greifender Konjunkturaufschwung ist nach Einschätzung der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute dieses Jahr nicht in Sicht. Sie senkten ihre Prognose nach unten: Statt wie im Herbst von 1,3 % gehen sie in ihrem Frühjahrsgutachten nur noch von 0,9 % Wachstum aus, wie am Wochenende bekannt wurde.

WiWo/ap BERLIN. Auch bei der Arbeitslosigkeit werde keine Besserung erwartet: Sie werde 2002 im Durchschnitt bei knapp unter vier Millionen verharren. Die Wachstumsprognose der Bundesregierung beträgt für 2002 offiziell 0,75 %. Erst für kommendes Jahr rechnen die Institute nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Zeitungen mit einer Erholung. Dann sei wieder ein Konjunkturplus von mehr als 2 % drin, hieß es.

Die Institute stellen ihr Gutachten am Dienstag in Berlin vor. Sie gehen von einem Wiederanziehen der Weltkonjunktur aus, wovon Deutschland als Exportnation profitieren müsste, verweisen aber auch auf diverse Konjunkturrisiken wie die Ölpreisentwicklung. Warnungen an die IG Metall, mit einem Streik Ansätze für einen Konjunkturaufschwung zu ersticken, wurden immer lauter. Der Präsident des Zentralverbandes der Elektroindustrie, Dietmar Harting, zeigte sich besorgt, "dass die auf der Hannover-Messe zu spürende Aufschwungstimmung kräftig eingetrübt werden könnte." Ähnlich äußerte sich Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt.

Der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, befürchtete im Falle eines hohen Tarifabschlusses massiven Stellenabbau. Wirtschaftsminister Werner Müller bezweifelte in der ARD, ob der Streit um Zahlen nach dem Komma es wert sei, den positiven Trend aufs Spiel zu setzen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft errechnete laut "Bild"-Zeitung, dass der Arbeitskampf 1995 in der Metall- und Elektroindustrie fast 200 000 Stellen gekostet habe.

Ungeachtet der Warnungen strebte die IG Metall auf einen Arbeitskampf zu. Höhere Löhne würden die Kaufkraft und damit die Konjunktur beflügeln, hieß es. Nach "Spiegel"-Informationen empfehlen die Institute Finanzminister Hans Eichel und seinen Länderkollegen massive Einsparungen, um das Ziel eines ausgeglichenen Staatshaushalts im Jahr 2004 zu erreichen. Um die Auswirkungen des Sparkurses auf die Konjunktur so gering wie möglich zu halten, sollten die Kommunen mehr Geld für Investitionen in die Infrastruktur bekommen.

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