Institute in Norddeutschland planen Doppelsitz in Hamburg und Kiel
Neue Landesbank strebt an die Börse

Die Hamburgische Landesbank und die Landesbank Schleswig-Holstein planen ihre Fusion unter dem Dach einer Aktiengesellschaft. Damit wollen sie sich leichter Kapital über die Börse beschaffen. Unklar ist noch, wer Chef des fusionierten Instituts werden soll.

lip HAMBURG. Die Hamburgische Landesbank (HLB) und die Landesbank Schleswig-Holstein (LB Kiel) wollen fusionieren. Dazu streben sie die Rechtsform einer Aktiengesellschaft an. "Ein Gang an die Börse ist aber vor 2005 nicht vorstellbar", sagte jetzt der HLB-Vorstandsvorsitzende Alexander Stuhlmann. Als Grund hierfür nannte er die Gewährträgerhaftung der Länder sowie die Anstaltslast. Diese öffentliche Staatsgarantien gelten noch bis 2005. Sie verschaffen den Landesbanken Refinanzierungsvorteile auf dem Kapitalmarkt.

Mit einer Aktienplatzierung an der Börse will die neue Landesbank offenbar die Beschaffung von Finanzmitteln an den internationalen Kapitalmärkten erleichtern, um das weitere Wachstum im In- und Ausland voranzutreiben. "Es ist deutlich schwieriger, frisches Kapital zu gewinnen, wenn man von öffentlich-rechtlichen Eigentümern abhängt", sagte Stuhlmann.

Die HLB und die LB Kiel wollen sich voraussichtlich zum 1. Januar 2003 zusammenschließen. Sie beabsichtigen, bis August oder September Bewertungsgutachten vorzulegen. Der Wirtschaftsprüfer PWC soll hierfür die Kriterien festlegen. Vor einigen Tagen hatten die Stadt Hamburg und die LB Kiel den Vorstand der Hamburgischen Landesbank damit beauftragt, die Fusionsgespräche aufzunehmen. Die jeweiligen Anteilseigner der Banken haben allerdings noch nicht entschieden, ob das neue Finanzinstitut eine Aktienplatzierung vornimmt.

An der neuen Landesbank, deren Name noch nicht feststeht, dürfte nach Informationen aus Bankenkreisen die Stadt Hamburg mit 33 Prozent größter Anteilseigner werden. Die schleswig-holsteinischen Sparkassen sollen 20 Prozent halten, die Landesregierung in Kiel rund 13,3 Prozent. Weitere 26,6 Prozent gehen an die Düsseldorfer WestLB, 6,7 Prozent an die Landesbank Baden-Württemberg.

Fakt ist, dass die fusionierte Landesbank künftig einen Doppelsitz in Hamburg und in Kiel bekommen soll. Offen ist allerdings, ob damit das Finanzhaus in der Führung auch eine Doppelspitze erhält. "Dies müssen die Eigentümer entscheiden", betonte der HLB-Chef. Stuhlmann sowie eine Sprecherin der LB Kiel wollten sich hierzu nicht weiter äußern.

In Finanzkreisen wird seit Wochen darüber spekuliert, wer dem neuen Institut vorstehen soll. So wird kolportiert, dass HLB-Chef Stuhlmann und der LB Kiel-Vorstandsvorsitzende, Dietrich Rümker, möglicherweise zunächst gleichberechtigt im Vorstand agieren sollen.

Mit der Verschmelzung will die neue Landesbank erhebliche Synergieeffekte realisieren, um ihre Ertragskraft zu verbessern. "Wir rechnen mit einem jährlichen Kosteneinsparpotenzial von 100 bis 150 Mill. Euro", betonte Stuhlmann. Betriebsbedingte Entlassungen werde es nicht geben. Die HLB beschäftigte im vergangenen Jahr mehr als 2300 Mitarbeiter.

Die Hamburgische Landesbank geht mit einer gestärkten Eigenkapital- und Ertragsbasis in die Fusionsgespräche: So hat die HLB im abgelaufenen Geschäftsjahr das Eigenkapital um 36 Mill. Euro auf 2,717 Mrd. Euro aufgestockt. Gleichzeitig wurden die Risikovorsorge und Bewertungspositionen auf 280 Mill. Euro fast verdoppelt. Damit hat sich das Bankhaus gegen das schwierige wirtschaftliche Umfeld abgesichert.

Im vergangenen Geschäftsjahr konnte die Hamburgische Landesbank das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge und Bewertung um 31,7 % auf 551,9 (419,2) Mill. Euro steigern. Positiv wirkte sich hierbei eine Steuererstattung aus dem Vorjahr in Höhe von 51,5 Mill. Euro aus.

Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit sank hingegen in 2001 um 1,4 % auf 271,9 Mill. Euro, während sich der Jahresüberschuss auf 100 (55) Mill. Euro fast verdoppelte. Die Bilanzsumme konnte um 8,4 % auf 87,5 (80,7) Mrd. Euro erhöht werden.

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