Institute kämpfen mit harten Bandagen um Beratungsmandate
Tricks bringen Banken in den Hitlisten nach vorne

Schummeln gehört zum Geschäft. Mit Hilfe von Tricks versuchen einige Banken, ihre Plätze in den Ranglisten der erfolgreichsten Institute bei Kapitalmarkttransaktionen zu verbessern. Eine gute Platzierung soll als Türöffner dienen, um an die heiß umkämpften, Millionen schweren Mandate zu kommen.

FRANKFURT/M. Alle drei Monate ist wieder Show down. Pünktlich zum Quartalsende steht die Veröffentlichung der Ranglisten der erfolgreichsten Banken im Geschäft mit Fusionen & Übernahmen (M & A) sowie bei Aktien- und Anleiheemissionen an. Finanzinformationsdienstleister wie Dealogic, Thomson Financial oder Mergermarket beantworten die Frage, wer der Größte unter den Instituten ist. Alle Banken warten auf das Ergebnis. Denn für sie sind die Rennlisten ein gewichtiges Argument im Wettstreit um Kunden. Und in der jetzigen Flaute an den Börsen ist der Kampf um die Klienten noch härter geworden, wie Leonhard Fischer, Chef von Dresdner Kleinwort Wasserstein, festgestellt hat.

Aber auch die Vorstände in den Unternehmen schauen verstärkt auf die so genannten League tables, wo in Deutschland im Bereich M & A die Deutsche Bank mit Morgan Stanley, Merrill Lynch, JP Morgan, CSFB und Goldman Sachs um die vorderen Plätze rangelt. "Es gilt für die Kunden die Vermutung, dass ein Spitzenplatz mit Qualität gleichzusetzen ist", betont Fischer. Manche von ihnen sehen die Auswahl von Banken aus der Spitzengruppe am Ende des Tages auch als Versicherungspolice etwa bei einer Übernahme an, falls der Deal platzen sollte. "Dann haben sie gegenüber ihren Vorstandskollegen und dem Aufsichtsrat die Entschuldigung, den besten Berater genutzt zu haben", ergänzt der Kollege einer US-Investmentbank.

Allerdings warnt Fischer davor, die Bedeutung von Rennlisten zu überschätzen. Sie seien mit Vorsicht zu genießen. Es stellt sich immer die Frage, wie sie zustande kommen. John Jetter, Chef des Investmentbanking von JP Morgan Chase in Deutschland, spricht klare Worte: "Ich sehe immer wieder Investmentbanker, die Unternehmen Kapitalmarkttransaktionen kostenlos oder zu einem geringeren Honorar anbieten, um in die League tables zu gelangen." Sie machten dies für ihre Reputation, ihren Ruf und um ins Geschäft zu kommen. Denn für den Schönheitswettbewerb der Banken um die Mandate sind die Rennlisten durchaus ein Türöffner, hat Alexander Dibelius, Partner bei Goldman Sachs Deutschland, beobachtet.

Zudem nutzen die bilanzstarken Institute ihre Kreditkraft, um etwa bei Fusionen und Übernahmen ins Gespräch zu kommen. So glaubte Michael Cohrs, Mitglied des Group Executive Committees der Deutschen Bank, bereits vor über einem Jahr, dass "schlechte Märkte gut für mich sind". Wenn eine Firma mit seinem Institut über Kredite spreche, bringe sich die Bank gleich für andere Geschäfte ins Gespräch, hatte er betont. Anders ausgedrückt: Die Bank könnte mit dem Abdrehen des Geldhahns drohen, um an Mandate für M & A-Deals zu kommen. Das mag ein Grund dafür sein, dass die Deutsche etwa bei der M & A-Beratung in Deutschland und Europa im ersten Halbjahr auf Platz eins vorgerückt ist. Ein Jahr zuvor hatte die Situation noch anders ausgesehen.

Aber es wird im Wettbewerb um die beste Position in den Rennlisten mit noch härteren Bandagen gekämpft. Da gibt es Institute, die bei größeren Deals bei den Finanzchefs der Unternehmen auftauchen und darauf drängen, einen Teil des Geschäfts für sich anerkannt zu bekommen, obwohl sie mit der Transaktion direkt nichts zu tun haben. Sie werden also Finanzinformationsdienstleistern wie Mergermarket als einer der Berater genannt und profitieren davon in den Ranglisten. Die Vorstände der Gesellschaften zucken in solchen Fällen vielfach mit den Schultern. Für sie ist es entscheidend, weiterhin gute Kreditbeziehungen zu pflegen. Konkrete Namen wagt allerdings auch keiner in der Bankenbranche öffentlich zu nennen.

Da verwundert es nicht, wenn ein Banker bei den Rennlisten von "einer Obsession der Branche" spricht. Sie spielten bei der Höhe der an die Banker bezahlten Boni eine wichtige Rolle. Auch Dibelius betont: "Die Rennlisten geben nicht den wahren Stand wider, wenn es um Kapitalmarkttransaktionen geht." Er vergleicht sie mit den Zulassungsstatistiken der Autohersteller. Auch hier könne bei den Zahlen durch Tageszulassungen gemogelt werden.

Als weitaus wichtiger für die Unternehmen sieht Dibelius die Industrieerfahrung der Berater in den Banken an beziehungsweise welche Deals gemanagt wurden. Es müsse eine gute Beziehung zwischen Institut und Unternehmen bestehen, betont zudem Jetter. Gleichzeitig spielen die Aushängeschilder der Banken eine große Rolle. Die Regenmacher sind in schweren Zeiten sehr wichtig, heißt es in der Branche. Die M&A-Stars ziehen immer wieder Millionen schwere Mandate an Land.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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