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Institute: Konjunkturschwung lässt nach - DGB: Verschrottungsprämie

Die etwas in Fahrt gekommene Konjunktur könnte nach den Berechnungen der führenden Forschungsinstitute schon bald wieder gebremst werden. Fünf der sechs Institute erwarten für das kommende Jahr nämlich nur noch ein durchschnittliches Wachstum von 1,5 Prozent nach 1,8 Prozent im laufenden Jahr.

dpa-afx BERLIN. Die etwas in Fahrt gekommene Konjunktur könnte nach den Berechnungen der führenden Forschungsinstitute schon bald wieder gebremst werden. Fünf der sechs Institute erwarten für das kommende Jahr nämlich nur noch ein durchschnittliches Wachstum von 1,5 Prozent nach 1,8 Prozent im laufenden Jahr. In ihrem Herbstgutachten, das sie am kommenden Dienstag der Bundesregierung übergeben werden, nennen sie als Ursache unter anderem anhaltend hohe Ölpreise, wie die "Welt am Sonntag" berichtete. Das liegt deutlich unter den Erwartungen der Bundesregierung, die 2005 mit einem Zuwachs von zwei Prozent kalkuliert.

Angesichts dieser Lage und der - wegen drohenden Stellenabbaus bei Opel und anderen Konzernen - weiter erhöhten Arbeitslosenzahlen forderte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ein staatliches Konjunkturprogramm. Es sollte neben Investitionshilfen in den Regionen eine Verschrottungsprämie von 1 500 Euro vorsehen, die Besitzern von zehn Jahre alten Autos beim Kauf umweltfreundlicher Neuwagen gegeben werden sollte, forderte DGB-Chef Michael Sommer.

DIW Erwartet IM Kommenden Jahr Anspringen DER Inlandsnachfrage

Der Schätzerkreis der Bundesregierung zur Ermittlung eigener Konjunkturprognosen tagt erst am 25. Oktober. Auf dieser Basis und dem im November folgenden Jahresgutachten des Sachverständigenrates der "Fünf Weisen" stellen Parlament und Regierung den Haushalt für das kommende Jahr auf.

Anders als die übrigen Institute vom ifo in München bis zum IfW in Kiel vertritt das in früheren Jahren vergleichsweise pessimistische Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW/Berlin) diesmal eine sehr optimistische Prognose. Es geht wie zuvor schon das arbeitgebernahe Institut für Wirtschaftsforschung (IW), das diesem Kreis nicht angehört, von zwei Prozent Wachstum im kommenden Jahr aus. Als Ursache führt das Institut an, dass 2005 endlich die Inlandsnachfrage anspringen werde. Die Konsumenten würden ihre Zurückhaltung langsam ablegen. Bisher lebt die Konjunktur vor allem vom Export bei leicht positiven Anzeichen für Investitionen.

'IN Fünf BIS Zehn Jahren Werden WIR Wieder Ganz Oben Sein' - DIW-Chef

DIW-Chef Klaus Zimmermann bescheinigte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), dass sein Reformkurs im kommenden Jahr spürbare Erfolge zeitigen werde. "In fünf bis zehn Jahren werden wir wieder ganz oben sein", sagte er dem Magazin "Focus". "Inzwischen herrscht größtenteils Sicherheit darüber, dass der Kanzler standhaft ist und am Reformkurs festhält."

Der DGB-Vorsitzende forderte die Bundesregierung auf, sie solle sich einen Ruck geben und mit einem starken Investitionsprogramm in den Regionen die Wirtschaft anschieben. Das würde Aufträge für mittelständische Firmen und viele tausend neue Arbeitsplätze bringen, sagte Sommer. Deutschland leide nicht unter mangelnder Wettbewerbsfähigkeit, sondern unter der schwindsüchtigen Nachfrage im Inland. Die gezielte Konjunkturspritze einer Verschrottungsprämie würde der Automobilwirtschaft insgesamt auf die Beine helfen.

Angesichts der drohenden Massenentlassungen bei Opel und anderen Unternehmen hält der Chefökonom der Commerzbank, Ulrich Ramm, einen Anstieg der Arbeitslosenzahl in diesem Winter auf fünf Mill. für möglich. "Das ist nicht auszuschließen, weil sich die Stimmung durch die aktuelle Krise noch verschlechtern könnte", sagte Ramm der "Bild"-Zeitung (Samstag).

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