Institute müssen Tochterunternehmen unter die Arme greifen
Spanische Banken trifft Argentinienkrise hart

Eine Abwertung des argentinischen Peso trifft spanische Banken und Unternehmen hart. Wie teuer das Engagement wirklich wird, ist noch nicht abzusehen. Vorerst müssen die beiden größten Finanzinstitute Spaniens ihren argentinischen Gesellschaften rund 900 Mill. Euro zuführen. Die Börse reagierte uneinheitlich.

sk MADRID. Die mittlerweile als sicher geltende Abwertung des argentinischen Peso gegenüber dem US-Dollar hat für die Banken, die in dem südamerikanischen Land engagiert sind, weitreichende Folgen. Die beiden größten Finanzinstitute Spaniens, der Santander Central Hispano (SCH) und Banco Vizcaya Argentaria (BBVA) müssen ihren Tochtergesellschaften in Argentinien voraussichtlich mit einer Finanzspritze von jeweils 400 bis 500 Mill. Euro unter die Arme greifen, um deren Zusammenbruch zu verhindern. Das erwartet laut Nachrichtenagentur Bloomberg die US-Investmentbank Morgan Stanley.

SCH gehören mit dem Institut Río de la Plata, BBVA mit der Banco Frances zwei der größten Banken Argentiniens. Ohne Unterstützung aus Spanien würde den argentinischen Gesellschaften das Kapital ausgehen, weil ihre Kunden nicht in der Lage sind, ihre Kredite zurückzuzahlen, erklärt Morgan Stanley.

Argentinien befindet sich seit mehreren Jahren in der Rezession. In den vergangenen Monaten hat sich die Wirtschaftskrise zunehmend verschärft. Spanische Unternehmen, die stark in Argentinien engagiert sind, fürchten nun, als Sündenbock für eine verfehlte Wirtschaftspolitik herhalten zu müssen. Bislang ist allerdings nicht klar, wie teuer es für die spanischen Unternehmen wird. Zeitungen berichteten am Wochenende, Telefónica und der Stromversorger Endesa erwägten juristische Schritte, falls sie gezwungen würden, nach der Abwertung ihre Leistungen in Peso statt in Dollar zu berechnen.

SCH und BBVA hatten sich bereits im Verlauf des vergangenen Jahres aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage zu einer äußerst vorsichtigen Bilanzierung veranlasst gesehen. "Die Kapitalausstattung beider Institute ist gut", sagte Carsten Werle, Analyst bei WestLB Panmure, gegenüber dem Handelsblatt. Ein reiner Abwertungseffekt von 30 bis 40 % könne mit der getroffenen finanziellen Vorsorge für uneinbringliche Kredite aufgefangen werden. Kämen jedoch erhebliche Zahlungsausfälle bei Staatskrediten hinzu, seien zusätzliche Maßnahmen zur Risikovorsorge nötig.

Trotz der Probleme in Argentinien bleibt Werle ein Verfechter des Engagements spanischer Banken in Lateinamerika. Er hält die Region weiter für einen der großen Wachstumsmärkte der Zukunft. "Die deutliche Erholung des brasilianischen Real zeigt, dass die Gefahr einer Ansteckung anderer Märkte der Region erheblich gesunken ist", erklärte er. Positiv sei zudem, dass die Wirtschaftslage in den USA wohl besser als erwartet aussehe.

Die Börse Madrid reagierte uneinheitlich auf die bevorstehende Abwertung des Peso. BBVA verloren am Freitag 2,25% auf 13,85 Euro, SCH legten 0,63% auf 9,62 Euro zu. Analysten glauben, dass die schlechten Nachrichten aus Argentinien in den Kursen bereits enthalten sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%