Institutionelle Anleger haben hohe Beträge in Bonds investiert
Versicherer setzen stärker auf Firmenanleihen

N och zum Jahresanfang hielten sich vor allem professionelle Anleger mit Unternehmensanleihen zurück. Abgeschreckt wurden sie von sinkenden Bondkursen, der Flut von Emissionen und den sich verschlechternden Firmenbonitäten. Jetzt sind sie wieder bereit, bei Anleihen Unternehmensrisiken einzugehen.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Unternehmensanleihen gelten unter Anlegern inzwischen als heiße Schnäppchen. Versicherer und Fonds, aber auch private Investoren setzen auf eine Erholung der stark gebeutelten Bondkurse und haben in den vergangenen Wochen jeweils binnen weniger Tage dreistellige-Millionen-Euro-Beträge in den Markt gepumpt. Sie kaufen vor allem Telekom - und Auto-Anleihen, deren Kurse besonders unter großen Emissionen und Herabstufungen durch Ratingagenturen gelitten haben. Der Kursboden bei Aktien und Anleihen sei erreicht, die Zinslandschaft stabil - es lohne, die hohen Renditeaufschläge bei Firmenbonds gegenüber Bundesanleihen (Spreads) mitzunehmen, begründet Rüdiger Brauel, Leiter Rentenfondsmanagement bei Union Investment, jüngste Käufe. "Da sich der Markt beruhigt und Anfang des Jahres die größten Emissionen gesehen wurden, bekommen Anleger wieder Mut zu Firmenanleihen", sagt ein Rentenhändler.

Vor allem die Kurse von Telekom - und Auto-Bonds sind hoch geschossen und deren Spreads gegenüber Bundesanleihen geschmolzen. Eine Anleihe der Deutschen Telekom mit einer Laufzeit von zehn Jahren bringt Anlegern noch 1,36 Prozentpunkte (PP) mehr als ein Bundespapier gleicher Laufzeit; Mitte April waren es noch 1,8 PP. Der Renditeabstand eines Bonds der niederländischen KPN (fällig 2008) ist sogar um 0,9 auf 2,8 PP geschrumpft. Stark gestiegen sind auch die Kurse von Daimler-Chrysler - und General-Motors-Anleihen. Nach dieser Kursrally hält Brauel Firmenbonds nun für fair bewertet. Dagegen gewichtet Peter Saß, Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS, die Anleihen weiter über. Die Renditen kompensierten die Risiken in Branchen und Firmen nach wie vor über, sagt er. Vor allem in der Telekommunikation seien die schlechten Nachrichten - etwa über Kosten und Risiken beim Aufbau des neuen UMTS-Mobilfunknetzes - nun auf dem Tisch. Auch Monica Fernandez, Analystin bei der DG Bank, erwartet, dass Spreads vieler Telekom-Bonds in diesem Jahr um weitere 0,2 bis 0,3 PP schrumpfen.

Mit Firmenanleihen Renditen aufpeppen

Eine weitere Herabstufung von Telekom-Bonitäten ändere nichts daran, da die Renditen der Bonds oft bereits auf "BBB"-Niveau (Investmentgrade) lägen, während die Firmen (noch) auf "A"-Niveau geratet seien. Analysten halten Downgradings von Deutsche Telekom, British Telecom und France Télécom für sehr wahrscheinlich. Fair bewertet sind Bonds mit langer Laufzeit und Spitzenbonität von "AAA" bei einem Spread von 0,5 bis 0,6 PP, bei mittlerer Bonität von "BBB" von 1,4 bis 1,5 PP.

Profi- und Privatanleger setzen zunehmend auf Firmenanleihen mit höheren Risiken, um ihre Renditen aufzupeppen. Fonds kaufen Firmenbonds für ihre breit anlegenden Rentenfonds und ihre neueren Unternehmensanleihenfonds.

Versicherer brauchen höhere Zinserträge

Versicherer sind im Grunde eher risikoavers - sie würden lieber Staatsanleihen kaufen. Doch bauen die Staaten im Euro-Raum ihre Schuldenstände tendenziell ab, das Angebot an Staatsbonds wird also geringer. Die niedrigere Nachfrage des Staates drückt zudem auf das ohnehin niedrige Zinsniveau. Anlageprofis bei Versicherungen sind sich daher einig: "Die dramatische Entwicklung an den Kapitalmärkten zwingt dazu, in höher verzinsliche Papiere zu gehen." Dabei ist vielen in den vergangenen Monaten klar geworden, dass Aktien allein keine Alternative sind und obendrein hohe Abschreibungen verursachen können. Im übrigen dürfen Versicherer von Gesetzes wegen nur Aktien in Höhe von maximal 30 % ihrer gesamten Kapitalanlagen (Buchwerte) erwerben. Da liegt es nahe, das stetig wachsende Angebot an Firmenbonds zu nutzen.

Umgekehrt haben Firmen in den vergangenen Jahren verstanden, dass die eigene Anleihe ein günstigeres Finanzierungsinstrument sein kann als Aktien oder ein Bankkredit. Speziell Telekomkonzerne wollen so ihren Finanzbedarf für UMTS und Übernahmen decken.

Die Versicherer haben traditionell einen immensen Anlagebedarf. Der Großteil davon entfällt auf die Lebensversicherer: 2000 hatten diese 255 Mrd. DM neu anzulegen. Etwa ein Fünftel bis ein Viertel davon fließt mittlerweile in Unternehmensanleihen und Aktien. Vor Jahren waren es noch weniger als 15 %. Die Umschichtung geht einher mit dem Auslaufen alter, zehnjähriger Staatsanleihen, die noch hohe Kupons zwischen 8 und 9 % bringen. Die letzten davon werden bis 2002 zurückgezahlt. Die sinkenden Zinsen gewinnen dadurch für so manchen Lebensversicherer, der Kunden im Schnitt immer noch rund 7 % Rendite verspricht, an Dramatik. Not macht zwar mutiger. Doch das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) wacht darüber, dass die Versicherer nicht übermütig werden. Oberstes Gebot ist, dass eine Anlage sicher sein muss. Für Firmenanleihen heißt das, dass sie mindestens ein "BBB"-Rating haben müssen. Im Rahmen seiner Finanzmarktaufsicht hat Amtspräsident Helmut Müller immer wieder klar gestellt, dass er die modernen Anlageformen genau beobachte. Das gelte insbesondere für strukturierte Anleihen. In Einzelfällen mussten Versicherer solche Positionen bereits glatt stellen.

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