Institutschef Güllner weist Vorwürfe zurück
Union verschärft Attacken gegen Forsa

Nach dem TV-Duell zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Unions-Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) verschärft die Union ihre Angriffe auf das Meinungsforschungsinstitut Forsa.

ddp BERLIN. Es geht um die vermeintliche Institutsparteinahme zu Gunsten der SPD. Am Dienstag schloss sich CSU-Generalsekretär Thomas Goppel der Kritik seines CDU-Amtskollegen Laurenz Meyer an, Forsa sei ein «Wahlkampfinstrument» der SPD. Forsa-Chef Manfred Güllner wies dies empört zurück und betonte, sein Institut sei unabhängig.

Forsa hatte unmittelbar nach dem TV-Duell am Sonntagabend in einer Blitzumfrage ermittelt, dass der Kanzler den Zuschauern kompetenter, sympathischer und glaubwürdiger erschienen sei als Herausforderer Stoiber. Eine Blitzumfrage von Infratest/dimap ergab zwar ein ähnliches Bild, allerdings mit etwas geringerem Vorsprung für Schröder. Dagegen kam eine Telefonaktion der "Bild"-Zeitung (Dienstagausgabe) zu dem Ergebnis, dass 75 Prozent der über 164 000 Anrufer Stoiber für den Gewinner des Duells hielten.

Meyer bekräftigte am Dienstag in Berlin, Forsa sei aus seiner Sicht "kein Meinungsforschungsinstitut". Vielmehr werde dort "Politik gemacht". Das Institut komme immer «punktgenau» zu Ergebnissen, die der SPD ins Konzept passten. Dies falle insbesondere deshalb auf, weil Forsa umfangreiche Aufträge von der Bundesregierung bekomme.

Goppel nannte Forsa ein "von der Bundesregierung abhängiges Institut, das großzügig mit Aufträgen bedacht" werde. Im laufenden Haushalt gehe ein Drittel der Ausgaben des Bundespresseamts für die Zusammenarbeit mit Meinungsforschungsinstituten an Forsa, insgesamt 664 000 Euro. Dies sei "kein Wunder", fügte Goppel mit Blick auf Güllners SPD-Mitgliedschaft hinzu.

Güllner entgegnete, sein Institut habe "lediglich einen einzigen Auftrag" vom Bundespresseamt. "Unsere Umfragenergebnisse basieren auf seriösen Methoden", betonte der Institutschef. Außerdem sei Forsa das einzige Institut, das schon Aufträge von allen demokratischen Parteien erhalten habe. Einen Interessenkonflikt durch seinen guten Kontakt zu Bundeskanzler Schröder sehe er nicht. "Ich kenne ihn seit über 30 Jahren. Bloß weil er jetzt Kanzler ist, ist er ja kein Aussätziger", sagte Güllner.

Unterdessen bestritt SPD-Generalsekretär Franz Müntefering, dass die SPD für die nächste Runde des TV-Duells eine Änderung der Regeln fordere. Es wäre aus seiner Sicht zwar "gut, wenn es ein bisschen lebendiger würde". Dies sei aber auch im Rahmen der jetzigen Regeln möglich. Stoibers Wahlkampfmanager Michael Spreng sagte, die bestehenden Regeln seien vereinbart worden, um ein "faires Duell" zu ermöglichen. "Es kann nicht sein, wenn man die erste Halbzeit verliert, dass man dann für die zweite Halbzeit die Regeln ändert", betonte Spreng.

Unterdessen riet Nordrhein-Westfalens SPD-Chef Harald Schartau dem Kanzler von mehr Angriffslust beim zweiten TV-Duell ab. Schröder sollte sich nicht auf die "Ebene von Streithänseleien" herab begeben, sagte Schartau.

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