Integration der Dreierbörse stockt
Euronext schaltet einen Gang zurück

Der europäische Börsenverbund Euronext N.V. (Amsterdam, Brüssel, Paris) muss bei seiner Integration, aber auch bei der Suche nach Beitrittskandidaten offenbar einen Gang zurückschalten.

PARIS. Nach dem verpatzten Börsenstart der Gruppe, deren Aktie gegenwärtig knapp ein Fünftel unter ihrem Emissionspreis notiert, haben wichtige Mitarbeiter aus den Ebenen unter dem Vorstand Euronext verlassen. "Vieles läuft zur Zeit nicht rund", sagt einer von ihnen dem Handelsblatt.

Das betrifft offenbar die Zusammenführung der Managements der drei Börsen, die unter Leitung von Pari-Bourse-Chef Jean-François Théodore gemeinsam geführt werden. Auf das Risiko derartiger Integrationsprobleme hatte schon vor dem Börsengang der UBS-Analyst Per Afrell hingewiesen.

Aber auch die versprochene Erweiterung des Dreierbundes um die Börse Lissabon wird erst Mitte nächsten Jahres konkretere Formen annehmen. So ist erst im kommenden Sommer eine Bewertung von Euronext und der portugiesischen Börse vorgesehen, auf deren Basis sich weitere Entscheidungen treffen lassen.

Außerdem wurden die Termine für die Einführung zentraler elektronischer Systeme verschoben. Die Einführung des Handelssystems NSC am Euronext-Platz Amsterdam droht sich nach Marktgerüchten aus Paris noch über den revidierten Termin Ende Oktober hinauszuzögern. Wie aus Börsenkreisen verlautet, gibt es in Amsterdam offenbar Akzeptanzprobleme.

Euronext Paris wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern. "Die Einführung des Handelssystems NSC war im dritten Quartal 2001 vorgesehen", teilt ein Sprecher mit. Wenn das neue System Ende Oktober in Betrieb gehe, sei das keine wesentliche Verzögerung. Allerdings ist bei Euronext zu erfahren, dass Théodore und seine Kollegen aus Amsterdam und Brüssel - George Möller und Olivier Lefebvre - die Integrations-Probleme unterschätzt hätten. "Für Amsterdam ist die Einführung der neuen NSC-Version eine Revolution", räumt der Sprecher ein.

In der Tat bekommt Amsterdam nicht nur eine neue Handelselektronik. Vielmehr verändern sich durch die Integration in Euronext auch wichtige Elemente des Marktmodells der niederländischen Börse. So gibt es bisher in Amsterdam kein zentrales, für alle Teilnehmer einsehbares offenes elektronisches Orderbuch. Dies aber ist der Kern des gemeinsamen Handelssystems.

Dazu kommt, dass es für kleinere Werte künftig ein Kursfixing geben wird. Beides betrifft vor allem die in Amsterdam als Boekman bezeichneten Marketmaker, die bisher für liquiditätsschwächere Werte laufend Kurse stellen. Sie sollen künftig nur noch als so genannte Liquidity provider fungieren, was sie geschäftlich einschränkt. "Die Einführung des Fixing hat nicht allen in Amsterdam gefallen", sagt der Euronext-Vertreter. Es habe anfänglich Widerstand gegen die Veränderungen gegeben.

Verzögerungen gibt es auch bei der Euronext-Abwicklungssparte Clearnet. Ihr neues System wird in Brüssel erst ab Mitte November laufen. Ursprünglich war dafür das dritte Quartal angepeilt gewesen. Hier beruht die Verschiebung immerhin auf einem Beschluss von Clearnet, den Elektronik-Zulieferern und den Nutzern der Dienste.

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