Intel-Aktie bricht ein
Düsteres Bild nach Intel-Gewinnwarung

Der weltgrößte Computerchip-Hersteller Intel erwartet im laufenden Quartal einen noch deutlicheren Umsatzrückgang als bislang prognostiziert und hat zudem den Abbau von 5 000 seiner 87 000 Stellen angekündigt. Analysten gehen davon aus, dass es sich um ein weltweites Problem handelt und eine Reihe weiterer Firmen betroffen sind.

Reuters SANTA CLARA/FRANKFURT. Um die Mittagszeit (Ortszeit) fiel der Titel bis zu 13 Prozent auf 30 Dollar. Mit einem Volumen von 54,9 Millionen Aktien war Intel der meistgehandelte Wert. Seit August vergangenen Jahren haben Intel 62 Prozent ihres Wertes verloren.

Der Umsatz im ersten Quartal werde aufgrund einer schwachen Nachfrage nach nahezu allen Produkten des Konzerns wohl um 25 % unter dem des Vorquartals liegen, teilte Intel am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit. Bislang hatte Intel ein Minus von 15 % vorhergesagt.

Kommentar: Zerstörte High-Tech-Hoffnungen

"Wenn ich derzeit auf die weltweite Wirtschaft oder die Intel - Geschäfte sehe, kann ich niemandem große Hoffnungen machen", sagte Intel - Finanzchef Andy Bryant.

"Wir sehen eine (Nachfrage-) Schwäche bei allen Produkten von Intel: den Flash-Speicherbausteinen, Netzwerk-Bausteinen und Mikroprozessoren", sagte Finanzchef Bryant weiter. Er rechne mit einer Belebung der Nachfrage im zweiten Halbjahr 2001.

Nach Einschätzung von Analysten muss es dann aber in den Monaten Juli bis Dezember zu einem Absatzanstieg von 30 % kommen, um zu verhindern, dass erstmals in der Geschichte der Computerindustrie der Absatz unter dem Vorjahresniveau liegt.



Düstere Prognosen von Analysten

Analysten zeichneten nach der Intel-Ankündigung ein düsteres Bild auch für andere Firmen. "Der Abschwung ist nicht auf einen einzelnen Bereich beschränkt", sagte etwa Dan Niles von der Investmentbank Lehman Brothers. "Es ist ein weltweites Problem und betrifft nicht nur die Lagerbestände, die Nachfrage oder Computer. Es betrifft einfach alles. Und das wird sicher auch Auswirkungen für eine Reihe anderer Unternehmen haben."

Dem schloss sich auch Hans Mosesmann von Prudential Securities an: "Das ist der Beweis, dass der starke Mann (der Branchenführer Intel) keinerlei Verbesserung bei der Nachfrage der Endverbraucher sieht. Und das zieht sich durch alle seine Geschäftsbereiche."



Geringerer Gewinn pro Aktie

Noch Besorgnis erregender als die Umsatzwarnung war nach Einschätzung von Analysten die von Intel am Donnerstag ebenfalls zurückgenommene Marge für den Bruttoverdienst (gross margin), die in Prozenten das Verhältnis zwischen den Umsatzeinnahmen und den Verkaufskosten widerspiegelt.

Diese Kennziffer nahm Intel auf etwa 51 % von zuvor 58 % zurück, was den Gewinn pro Aktie verringern wird. Analysten halten es nun für möglich, dass das Intel-Ergebnis pro Aktie auf 12 bis 14 Cents sinken könnte. Bislang waren 21 Cents erwartet worden.



Stärkster Umsatzrückgang seit 1983

Zu den Erwartungen beim Umsatz teilte Intel mit, dieser werde im ersten Quartal etwa 6,5 Mrd. $ betragen. Analysten hatten 7,4 Mrd. $ prognostiziert. Im vierten Quartal 2000 hatte Intel noch 8,7 Mrd. $ umgesetzt. Ein solcher Rückgang wäre das deutlichste Minus bei Intel seit 1983.

Zur Begründung für die korrigierte Umsatzprognose teilte Intel mit, die nachlassende Nachfrage nach Computern habe auch den Verkauf von Chips erschwert. Die Nachfrage habe sich auf allen Märkten abgeschwächt. Die USA seien dabei "die größte Enttäuschung" gewesen. Die Lagerbestände seien nun bei einigen Halbleiter-Sorten höher als normal.



Weitere Gewinnwarnungen von Halbleiter-Herstellern

Neben Intel gaben am Donnerstag auch kleinere Halbleiter-Hersteller wie National Semiconductor und ON Semiconductor sowie die Telekom-Ausrüster Somera und Intersil Umsatzwarnungen aus. Auch hier wurde dies mit einer geringeren Nachfrage nach den Produkten der Firmen begründet.

Schon am Mittwoch hatten mehrere US-Technologiefirmen, darunter das Internet-Portal Yahoo und der Softwarehersteller Tibco, Gewinnwarnungen ausgegeben und damit nach Händlerangaben auf breiter Front Kursverluste auch bei anderen High-Tech-Aktien ausgelöst.



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