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Intel droht Beule durch Hammer-Chip

Bei den Halbleitern geht der Kampf um Marktanteile in eine neue Runde. Verbissen ringen die beiden Marktführer Intel und AMD um Wachstumschancen.

NEW YORK. Der Schmächtigere, Advanced Micro Devices, könnte dem Schwergewicht Intel bald eine schmerzhafte Beule verpassen. Die ewige Nummer 2 will in wenigen Wochen einen neuartigen, superschnellen Prozessor auf den Markt bringen. Codename der Neuentwicklung: Sledge-Hammer - der Vorschlaghammer.

Eigentlich dürfte der AMD-Vorstoß kein Grund zur Besorgnis bei Intel sein: Mit knapp 80 % Markanteil im PC-Bereich hält der Branchenprimus unangefochten die Spitzenposition. Fast 4 Mrd. Dollar pumpte Intel in Forschung & Entwicklung allein im vergangenen Jahr. Einen Bruchteil, rund 651 Mill. Dollar hatten AMD-Ingenieure zur Verfügung. Der Gesamtumsatz der weit abgeschlagenen Nummer 2 entspricht etwa einem Siebtel der 7,3 Mrd. Dollar die der Branchenriese einfährt.

Kann da der Sledge-Hammer mehr verursachen als einen Nadelstich? Möglicherweise sogar eine dicke Beule. Denn die Neuentwicklung-die AMD-Kunden unter dem zivileren Namen Opteron angeboten wird - könnte AMD befähigen, Intel im attraktiven Server- und Workstationbereich Aufträge abzujagen. "Kunden lieben Opteron", schwärmte AMD-Chef Hector de J. Ruiz kürzlich in einem Interview.

Gegenüber dem Itanium2, dem Konkurrenzprodukt von Intel, soll Opteron alias Vorschlaghammer den Vorteil bieten, dass eine Aufrüstung die Firmenkunden weit weniger kostet. Vor allem speicherintensive Programme wie etwa umfangreiche Datenbanken sollen mit Opteron-Chips schneller laufen. AMD hat nach eigenen Angaben einen Weg gefunden, der einen Bruch in der IT-Architektur vermeidet. Der neue AMD-Chip soll sowohl 64-Bit-Anwendungen als auch 32-Bit-Programme ausführen können. Ein weiteres Plus an Flexibilität. Das hat Intel unter Zugzwang gebracht. Die Itaniumreihe, die derzeit leistungsstärksten Chips des Hauses, kommen offenbar weniger gut an als erwartet. Schon tüfteln die Mikroelektroniker an dem Nachfolger, Codename "Madison". Die Zielsetzung nicht nur schneller, sondern auch billiger in der Anwendung.

Die Intel-Entwickler müssen sich beeilen. AMD gibt kräftig Gas bei der Markteinführung. Noch in der ersten Jahreshälfte soll Opteron verschifft werden. Schon einmal ist es AMD gelungen, dem Marktführer Intel ein Schnippchen zu schlagen. Vor knapp zwei Jahren hat der Zwerg dem Goliath im PC-Bereich kräftig Markanteile weggenommen. Mit der Einführung des Athlon-Chip konnte AMD seinen Anteil am globalen Prozessormarkt um 8 % steigern, zulasten von Intel. Und wer den Schaden hat,braucht für den Spott nicht zu sorgen: In mehreren Vergleichstests schnitt der Athlon-Chip besser ab als der Prozessor des Wettbewerbers.

Beide Konkurrenten kämpfen weiterhin mit der Flaute im IT-Bereich. Intel musste im abgelaufenen Quartal ein Umsatzminus gegenüber dem auch nicht glänzenden Vorjahr hinnehmen. Der Kurs des einstigen Hightech-Flyers ging in den Sinkflug: übers Jahr ein Minus von 50 %. AMD musste zunächst einmal die Vertriebskanäle durchputzen. Das hatte einen Verlust von 254 Mill. Dollar bei einem Umsatz von rund 500 Mill. Dollar zur Folge. Der Kurs fiel im Jahresverlauf um satte 65 %.

Um aus der Misere herauszukommen setzt Intel weiter auf Formel-1-Geschwindigkeit. Dass immer schnellere und leistungsfähigere Computer geradezu ein Naturgesetz sind, das verbreitet der Chipfabrikant derzeit in einer weltweiten Anzeigenkampagne. "Wird das Mooresche Gesetz für immer gelten?", fragt das Unternehmen scheinheilig, um die Frage dann eindeutig zu bejahen. Gordon Moore, der Intel 1968 mit gründete, formulierte besagtes Gesetz. Er prognostizierte, dass sich die Anzahl der Transistoren auf einem Chip jedes Jahr exponentiell erhöhen würde.

Zum Leidwesen von Intel gibt es kein Gesetz, dass auch die Nachfrage in ähnlichem Masse steigen wird. In der Vergangenheit hat es der Chipriese immer wieder verstanden, das Bedürfnis nach immer schnelleren "multi-gigahertz" Prozessoren zu wecken. Diesesmal ist es fraglich. AMD darf sich jedenfalls schon einmal Vorschusslorbeeren aufsetzen. Beim Bau des neuen amerikanischen Supercomputers, Codename "Red Storm", werden die beteiligten Unternehmen Sandia National Laboratories und Cray nicht auf die Itanium2-Chip von Intel, sondern auf Opteron Chip zurückgreifen.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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