Intel: Eine Aktie, zwei Szenarien, viel Panik
Wall Street inside

Der Countdown läuft. Nach Börsenschluss legt der Chipriese Intel ein Update zum laufenden Quartal vor, und aus der Spannung ist Nervosität ist Panik geworden. Manche Verkäufe im High-Tech-Bereich machen am Donnerstag keinen Sinn, doch wer kann übervorsichtigen Investoren noch einen Vorwurf machen.

NEW YORK. Die Analystenstimmen laufen vor der Intel-Konferenz in alle Richtungen. Merrill Lynch erwartet, dass das Unternehmen die Umsatzprognose nach unten revidieren könnte, man setzt die Aktie auf "Neutral" - vom bisherigen "Aggressiv kaufen" ist das ein schwerer Sturz. Auf schlechte Nachrichten wollen sich auch die Experten von JP Morgan und Lehman Brothers eingestellt haben. Optimistisch geben sich die Aktienbewerter von Robertson Stephens und des UBS Bancorp Piper Jaffray. Deren Analyst Ashok Kumar spricht am Morgen von einem "Aufschwung ab 2003" und ließe sich von kurzfristiger Schwäche nicht irritieren lassen. Die Aktie werde sich noch einige Zeit zwischen 25 $ und 31 $ tummeln, unabhängig von der Konferenz am Abend.

Dass Intel im Tagesverlauf mehr als 4 % verliert, lässt also keine Rückschlüsse auf die Konferenz oder den Handel am Freitag zu. Verschiedene Szenarien zeichnen sich ab. Erstens: Intel fährt die Prognosen zurück - dann würde die Aktie am Freitag noch einmal stürzen und könnte auf ein Acht-Monats-Tief um oder unter 25 $ fallen. Zweitens: Intel setzt die Prognosen herauf - dann dürfte die Aktie am Freitag kräftig zulegen, sich der 30 $-Grenze nähern, Gewinne aber im Laufe der nächsten Woche wieder einbüßen, wenn weitere High-Tech-Unternehmen im Rahmen der Warnsaison erklären, was am Donnerstag unter anderem bei Goldman Sachs erklärt wird: Die IT-Ausgaben bleiben bis Jahresende schwach, Unternehmen schaffen Gewinnwachstum nicht aufgrund starker Umsätze sondern weiterer Kosteneinsparungen.

Dieser zuletzt viel beschworene Unterschied zwischen Gewinn und Umsatz beschäftigt die Börse am Donnerstag. Software-Sorgenkind Oracle hat nämlich am Vortag eine Rallye provoziert, obwohl man sich nur zum Unternehmensgewinn äußerte. Analysten kritisieren CEO Larry Ellison, der vielleicht seiner Aktie etwas Gutes tun wollte, der aber Anleger mit Blick für das "Big Picture" erneut zu irritieren versuchte. "Anleger sollten ihren Optimismus zügeln, das Marktumfeld für Software ist nach wie vor sehr schwierig und undurchsichtig", meint die UBS Warburg, die unterdessen auch weiteren Kostensenkungen nichts abgewinnen kann.

Chip-Hersteller und Intel-Konkurrent EMC hat unterdessen am Morgen die Gewinn- und Umsatzprognosen für das laufende Quartal bestätigt. Um 10 % wolle man zulegen, weitere außerordentliche Einsparungen zeichnen sich nicht ab. Logische Folge am Markt: Die Aktie notiert als einziger Chip-Wert im Plus.

Doch wäre es zu einfach und zu schön, könne man das Modell EMC auf andere Unternehmen übertragen. Doch das geht nicht: Im Gegenteil. Denn auch Texas Instrument hat seine Prognosen bestätigt - mit Blick auf Gewinn und Umsatz. Doch hier scheint ein Urteil der Analysten von Merrill Lynch schwerer zu wiegen als der Optimismus des Managements. Die Experten haben die Aktie in ihren Chip-Rundumschlag abgewertet und das Papier verliert 2,5 %.

Bei diesen Verlusten wird es im Laufe des Tages bleiben. Weitere Unternehmensmeldungen stehen nicht an, ad-hoc-Kommentare dürften vor dem Hintergrund der Intel-Spannung kaum Auswirkungen auf das Marktgeschehen haben.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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