Intelligente Sicherheitslösungen auf dem Vormarsch
Airbag-System denkt beim Unfall mit

Airbags wissen in Zukunft genau, in welcher Position Fahrer und Beifahrer sitzen. Das verringert die Gefahren beim Unfall. Jaguar hat bereits ein intelligentes Airbag-System auf dem Markt, andere Hersteller ziehen nach.

DÜSSELDORF. Airbag-Systeme leisten immer mehr: Schon heute erkennen einige, ob ein Beifahrer mitfährt oder wie weit der Fahrer vom Lenkrad entfernt sitzt. Jetzt sind erste Airbags auf dem Markt, die die Insassen ständig überwachen und ihre genaue Sitzposition kennen - wie in der Jaguar XK-Serie. Die Sicherheits-Systeme sollen so auf eine bestimmte Unfallsituation angemessen reagieren.

"Der XK ist das bislang einzige Serienfahrzeug der Welt mit einem ultraschallgeschützten Insassen-Sensorsystem", meldet Jaguar. Vier Sensoren in der Dachkonsole ermitteln die Position des Beifahrers. So erkennt der Airbag, wann der Insasse nach vorne gebeugt ist. In diesen Fällen wird der Ballon nicht ausgelöst, um Verletzungen durch den Airbag zu vermeiden.

Auch andere Autohersteller haben Vorboten smarter Systeme auf dem Markt: In Mercedes-Modellen erkennt zum Beispiel ein Sensor, ob der Beifahrer-Sitz überhaupt belegt ist - oder ob nur eine Aktentasche dort steht. Zudem überprüft eine kleine Antenne, ob nicht ein Kindersitz auf dem Beifahrer-Platz steht. Eine ähnliche Technik steckt im Ford Mondeo.

Für eine ständige Innenraum-Überwachung basteln Sensoren-Lieferanten noch an Lösungen. So arbeitet Siemens VDO an der so genannten optischen Insassendetektion: "Eine winzige 3-D-Kamera im Dachhimmel nimmt ständig Bilder vom Beifahrer auf und sendet diese Informationen an das Airbagsteuergerät", sagt Siemens VDO-Sprecher Johannes Winterhagen. Ab 2004 werde das System bei einem europäischen Autohersteller serienmäßig eingebaut. Ein ähnliches System von Bosch soll zwischen 2006 und 2010 auf den Markt kommen. "Der Innenraum soll dabei mit einem Stereo-Video-System ständig überwacht werden", sagt Verkaufsleiter Rainer Jeske. Das System habe den Vorteil, dass es auch die Rücksitze im Blick hat.

Die ersten Airbags kamen bereits Anfang der siebziger Jahre auf den Markt, zum Massenprodukt wurden sie aber erst zu Beginn der neunziger Jahre. Nach einem Bericht der Bundesanstalt für Straßenwesen haben 96 % der europäischen Modelle aus dem Jahr 2001 einen Fahrerairbag und 93 % einen Beifahrerairbag. Und bei rund 75 % ist auch der Seitenairbag serienmäßig. "Vor allem bei Klein- und Mittelklassewagen geht die Ausstattungsquote mit Kopf- und Seitenairbags immer weiter nach oben", sagt Klaus Kompaß, technischer Direktor beim Airbag-Hersteller Autoliv.

Der Airbag wird beim Unfall von einem Sensor informiert, der an der Stoßstange des Wagens sitzt. Innerhalb von 20 Millisekunden löst der Bag aus - gerade in dem Moment, in dem der Kopf Richtung Lenkrad geschleudert wird. "Der Sensor gibt einen elektrischen Impuls, der eine Reaktion in einem chemischen Gasgenerator auslöst", erklärt Fraunhofer-Forscher Ziegahn. Im Generator wird ein explosiver Stoff angezündet, in der Regel Natrium-Acid. Das wiederum verbrennt - der Bag füllt sich mit Stickstoff. Eine Alternativtechnik funktioniert mit Druckgasbehältern, aus denen komprimiertes Gas herausströmt. Der Airbag bleibt 30 bis 50 Millisekunden aufgepumpt, dann geht der Druck zurück.

Eine andere Sicherheits-Innovation sind die so genannten zweistufigen Airbags. "Bei geringer bis mittlerer Unfallschwere mit leichteren Insassen zündet dabei nur die erste Gasstufe des Airbags", sagt Rodolfo Schöneburg, Leiter der Sicherheitsentwicklung für Pkw bei Mercedes-Benz. Diese Systeme sind in der neuen E- und CLK-Klasse bereits Standard. Aber auch in Kleinwagen gibt es die Technik schon: So hat der neue Ford Fiesta, der im Mai auf den Markt kommt, ebenfalls einen zweistufigen Airbag. "Je nach Beschleunigung beim Unfall löst sich der Bag in unterschiedlicher Intensität aus", sagt Volker Eis aus der technischen Produktinformation bei Ford. "Der derzeitige Marktanteil solcher Systeme liegt bei etwa 20 %", sagt Experte Karl-Friedrich Ziegahn vom Fraunhofer-Institut für Chemische Industrie.

Quelle: Handelsblatt

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