Intendant sieht Klage gelassen entgegen
SWR-Verwaltungsrat billigt Teilverlagerung der TV-Produktion

Der Verwaltungsrat des Südwestrundfunks (SWR) hat der umstrittenen Auslagerung von Teilen der SWR - Fernsehproduktion mit großer Mehrheit zugestimmt. Szenische Produktionen sollen auf diesem Weg billiger hergestellt werden. Kritiker bemängeln, der Sender stehle sich aus der Programmverantwortung und drohen mit einer Klage.

dpa STUTTGART. Wie der Sender am Freitag mitteilte, gab auch der Aufsichtsrat der SWR-Holding GmbH grünes Licht für das Vorhaben. Danach wird über die MARAN Film GmbH, ein gemeinsames Tochterunternehmen von SWR und Bavaria Film GmBH, künftig ein Großteil der szenischen SWR-Produktionen abgewickelt. Dem Vernehmen nach votierten im SWR-Aufsichtsrat zehn Mitglieder für und drei gegen die Strukturreform.

Nach Mitteilung des SWR wird die MARAN umstrukturiert. Zentraler Punkt ist die Übernahme der Mehrheit der Gesellschaftsanteile an der MARAN durch den SWR, der nunmehr 51 Prozent an dem Unternehmen hält. Die Bavaria wiederum gehört dem SWR und anderen öffentlich- rechtlichen Sendern. Der Sitz der MARAN wird von Stuttgart nach Baden-Baden verlegt. Dort sind beim SWR bereits die Hauptabteilung Fernsehfilm, Serie und Musik sowie der Großteil des SWR - Produktionsbetriebs angesiedelt. Der SWR will so eine enge und effektive Zusammenarbeit mit der MARAN sicherstellen.

Voß sieht sich unter Druck gesetzt

Der Intendant des Südwestrundfunks (SWR), Peter Voß, hatte zuvor die Klagedrohung gegen die geplante Auslagerung von Teilen der SWR - Fernsehproduktionen als "schlechten Witz" bezeichnet. Es handele sich um den wiederholten Versuch einiger Interessenten, die Organe des SWR in einer wichtigen unternehmenspolitischen Frage unter Druck zu setzen, teilte er vor der Beratung in den Gremien mit.

Der Vorsitzende des Schriftstellerverbandes in der IG Medien, Fred Breinersdorfer, hatte am Donnerstag angekündigt, er werde eine Klage gegen diese Strukturveränderung beim SWR prüfen. Nach Breinersdorfers Ansicht verstößt der SWR gegen den Rundfunkstaatsvertrag, der eine Auslagerung der Programmverantwortung nicht zulasse. Der Schriftsteller bemängelte auch, der Rundfunkrat sei vom Sender nicht ausreichend informiert worden.

Voß meinte dazu, er sehe derartige Bestrebungen sehr gelassen. Er griff aber seinerseits Breinersdorfer scharf an. Der Vorsitzende des Schriftstellerverbandes spiele sich als Hüter des SWR-Staatsvertrages auf, habe sich aber nicht gescheut, maßgebliche Politiker aufzufordern, wegen der umstrittenen Strukturveränderung beim Sender zu intervenieren. "Wenn die Rundfunkfreiheit gefährdet wird, dann durch diese Art von Einmischung", fügte Voß hinzu.

Der SWR-Intendant verfolgt mit der neuen Struktur das Ziel, hochwertige szenische Produktionen wirtschaftlicher herzustellen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass von der Entstehung einer Programmidee bis zur Fertigstellung einer Produktion im SWR zu viele Organisationseinheiten beteiligt seien, hatte Voß zuletzt erklärt.

Vor allem freie Produzenten befürchten, sie könnten künftig bei Aufträgen des SWR nicht mehr zum Zug kommen. Innerhalb des SWR gab es zudem die Kritik, die Kompetenz der zuständigen Redaktionen werde geschwächt.

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