Intensive Übernahmegespräche mit Ernst & Young und KPMG
Andersen hält sich Verhandlungsoptionen mit Fusionspartnern offen

Die Partnergesellschaften der in die Schlagzeilen geratenen internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen suchen immer noch intensiv nach potenziellen Fusionspartnern.

bba DÜSSELDORF. Andersen Deutschland gab Ende vergangener Woche auf seiner Partnerversammlung in Frankfurt bekannt, dass man Verhandlungsoptionen für eine Kooperation mit einem anderen Big Five Unternehmen weiterhin intensiv diskutiere. In wichtigen europäischen Ländern hätten die Andersen-Praxen noch keine endgültige Entscheidung getroffen.

Mit Ernst & Young Deutschland Allgemeine Treuhand AG steht der deutsche Zweig von Andersen seit letzter Woche in "auslotenden Gesprächen" über einen möglichen Zusammenschluss, wie ein Ernst& Young-Sprecher bestätigte. Derzeit seien die Verhandlungsparteien aber noch weit von einem Abschluss entfernt. Ernst&Young könnte den Wirtschaftsprüfer KPMG vom Verhandlungstisch verdrängen, der ebenfalls mit Andersen Deutschland über eine mögliche Übernahme verhandelt. Damit will die Gesellschaft ihre Führung in Europa ausbauen. KPMG-Vorstandssprecher Harald Wiedmann erklärte Ende vergangener Woche, man stehe kurz vor dem Abschluss. Doch der größte deutsche Wirtschaftsprüfer war zuletzt wegen des Bilanzierungsskandals mit dem Telematik-Hersteller Comroad in die Schlagzeilen geraten. Auch wegen der Skandale um den Baukonzern Holzmann und Flowtex hat KPMG aktuell mit herben Imageverlusten zu kämpfen.

Außerhalb von Deutschland sind die Andersen-Partner anscheinend etwas entscheidungsfreudiger: Andersen Schweiz und Ernst&Young Schweiz wollen sich in den kommenden Monaten zusammentun, wie die beiden Unternehmen gestern mitteilten. Hier gebe es bereits eine Absichtserklärung ("letter of intent"), wie der Ernst&Young Deutschland-Sprecher erklärte. Das zusammengelegte Geschäft werde unter dem Namen Ernst & Young firmieren und in der Schweiz mit rund 2.500 Mitarbeitern einen Umsatz von ungefähr 520 Mio CHF generieren, so die Unternehmen. Die Transaktion bedarf noch der Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden.

KMPG bedauerte, dass Andersen Schweiz sich einem Mitbewerber zugewandt habe. KMPG und Andersen hätten schon seit einigen Wochen über eine sofortige Zusammenarbeit in wichtigen Belangen und eine Kombination der beiden Unternehmen diskutiert. Anfang April waren bereits Gespräche zwischen Andersen Worldwide mit KPMG über eine Fusion der Andersen-Geschäftsbereiche außerhalb der USA gescheitert.

Auch in den Niederlanden sitzt Andersen mit möglichen Partnern am Verhandlungstisch: Die niederländische Gesellschaft von Arthur Andersen führt Gespräche sowohl mit Ernst & Young als auch mit Deloitte & Touche. Dagegen habe man hier Verhandlungen mit KPMG abgebrochen, wie Andersen bestätigte. Eine Einigung mit einer der beiden Gesellschaften erwartet Andersen kurzfristig. Wie das Wall Street Journal unterdessen meldet, soll Andersen U.K. die Entlassung von bis zu 1500 Mitarbeitern oder 25 bis 30 % der Belegschaft, ankündigen.

Quelle: Handelsblatt

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