Interbrew, Heineken und Miller wollen deutschen Biermarkt
Ausländische Brauriesen wollen Gilde schlucken

Weltweit führende Brauerei-Konzerne drängen mit Macht auf den deutschen Biermarkt. Nach dem Verkauf der Bremer Traditionsbrauerei Beck's steht nun die hannoversche Gilde Brauerei vor einer Übernahme durch ausländische Konkurrenz.

Reuters HANNOVER. Der Vorstand der fünftgrößten deutschen Brauerei bereitet nach eigenen Angaben vom Montag eine Entscheidung bereits für Mitte November vor. Das Kaufvolumen wird unternehmensintern auf 450 Millionen Euro geschätzt. Interessenten sind die belgische Interbrew, die bereits Beck's übernommen hat, der in Deutschland ebenfalls aktive niederländische Heineken-Konzern sowie die britisch-südafrikanische Brauerei SAB Miller. Zu diesen drei Gesellschaften könnten noch weitere Interessenten hinzukommen, sagte Gilde-Vorstandsmitglied Klaus Treiber im Gespräch mit Reuters in Hannover. Sowohl Interbrew als auch Heineken wollten sich nicht zu möglichen Gesprächen mit Gilde äußern. Beide Unternehmen hatten aber schon mehrfach ihr Interesse am deutschen Markt bekundet.

Nach Darstellung des Gilde-Vorstandes ist noch nicht sicher, ob am Ende die Mehrheit der Aktionäre tatsächlich dem Verkauf zustimmt. "Das ist aus meiner Sicht offen", sagte Treiber. Die Entscheidung falle auf der für 15. November geplanten außerordentlichen Hauptversammlung der Brauergilde Hannover AG, mit 85 Prozent Gilde-Hauptaktionär. Ein großer Teil der Anteilseigner der Brauergilde wolle noch in diesem Jahr die Gilde-Anteile verkaufen, sagte Treiber. Grund sei die von der rot-grünen Regierungskoalition vom Jahr 2003 an geplante generelle Steuer auf Spekulationsgewinne mit Aktienverkäufen. Die Brauergilde sei in Besitz von mehr als 200 Einzelaktionären, die überwiegend weniger als ein Prozent der Anteile hielten und daher ab nächstem Jahr bei deren Verkauf möglicherweise dann steuerpflichtig wären.

Der Gilde-Vorstand wurde nach seinen Worten vorige Woche vom Auftrag des Aufsichtsrates, Verkaufsgespräche zu führen, ebenso überrascht wie die Belegschaft. "Aus strategischen und unternehmerischen Gründen müssen wir jetzt nicht kurzfristig unter das Dach eines internationalen Großaktionärs schlüpfen", sagte Treiber. "Im Gegenteil: Auf dem deutschen Biermarkt, der sich zweifellos konsolidiert, können wir selbst eine aktive Rolle spielen und eigenständig bleiben." Im vorigen Jahr wies Gilde 306 Millionen Euro Umsatz und 20 Millionen Euro Gewinn aus.

Sowohl das Land Niedersachsen als auch die Stadt Hannover, die beide kleinere Aktienpakete an der Brauergilde halten, haben Bedenken gegen einen Verkauf. Der Betriebsrat erklärte am Montag nach einer außerordentlichen Belegschaftsversammlung aus Angst vor einem Abbau eines Teils der 850 Arbeitsplätze: "Wir wollen selbstständig bleiben. Gilde ist auch allein stark genug." Es sei zu befürchten, dass sich der künftige Eigner bei Gilde nur auf die bundesweit bekannte und stärkste Tochter "Hasseröder" konzentrieren werde. Die anderen Tochtermarken "Gilde Pilsener" und "Wolters Pilsener" haben nur regionale Bedeutung. Von den 2001 verkauften 4,2 Millionen Hektoliter Bier der Gilde-Gruppe entfielen 2,3 Millionen auf Hasseröder.

Die deutsche Brau-Branche ist seit Jahrhunderten von mittelständischen Unternehmen geprägt, die meist nur regionale Bedeutung haben. Auf dem Weltmarkt dominieren dagegen große, international aktive Bierkonzerne, die seit etwa zwei Jahren verstärkt auch nach Deutschland drängen. Interbrew als weltweite Nummer drei hat neben Beck's auch Diebels übernommen. Heineken, die viertgrößte Brauerei, kooperiert in einer Holding mit der Bayerischen BrauHolding ("Paulaner"). Bei Gilde bietet erstmals auch SAB Miller mit. Nach der Übernahme der britischen Miller Brewing im Mai rückte die südafrikanische South African Breweries Plc zum zweitgrößten Braukonzern nach dem US-Weltmarktführer Anheuser-Busch auf.

Die Gilde-Aktie - nach Makler-Angaben nur sporadisch gefragt - wurde am Montag an den Börsen in Frankfurt und Hannover vom Handel ausgesetzt. Sie notierte zuletzt stabil bei 400 Euro.

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