Interbrew und Heineken mischen den deutschen Biermarkt auf
Brauaktien werden attraktiver

Die Wachstumspläne von Heineken, Interbrew und Carlsberg machen die Bieraktien interessant. Die Großbrauer sind weltweit auf Einkaufstour auch in Deutschland.

DÜSSELDORF. In den Industrieländern lässt der Bierdurst nach. Der Absatz sinkt seit Jahren kontinuierlich und eine Wende ist nach Ansicht der Branchenexperten nicht in Sicht. Die Brauereien haben sich deshalb seit längerem auf schrumpfende Märkte einrichten müssen. Grund genug für die Großen der Branche, um strategische Auswege aus der misslichen Lage zu suchen.

Für kapitalstarke Konzerne bietet sich dabei die Stärkung der Marken, die Übernahme von Konkurrenten und nicht zuletzt das Erschließen neuer Regionen an. Denn der Bierverbrauch in Entwicklungsländern dürfte nach allen Prognosen weiter zunehmen. Am globalen Wettbewerb nehmen deutsche Brauereien so gut wie nicht teil. Sie konzentrieren sich auf den deutschen Markt, der einst so ergiebig war, dass die hiesigen Brauer den Zug ins Ausland verpassten. Konkurrenten aus Nachbarländern wie Belgien, Dänemark, den Niederlanden und Großbritannien richten dagegen ihre Strategie auf die Weltmärkte aus.

Als Zukunftswerte gelten deshalb bei Analysten die belgische Gruppe Interbrew, der dänische Konzern Carlsberg, Heineken aus den Niederlanden sowie Guinness und Scottish & Newcastle (S&N) aus Großbritannien. Heineken und Interbrew, die hinter Anheuser Busch aus den USA um die Position zwei am Weltmarkt kämpfen, repräsentieren jeweils ein Volumen, das mehr als drei Viertel des Absatzes der gesamten deutschen Brauwirtschaft mit ihren mehr als 1200 Betrieben ausmacht. Noch interessanter sind die beiden Konzerne nicht zuletzt deshalb für die deutschen Anleger geworden, weil sie sich seit 2001 auch hier zu Lande bei Paulaner (Heineken) sowie bei Beck & Co. und Diebels (Interbrew) engagiert haben. Heineken ist nicht nur in der niederländischen Heimat Marktführer, sondern auch in Polen. In der Schweiz sind die Niederländer die Nummer zwei, und sie haben weitere starke Positionen in den übrigen europäischen Ländern. Zudem ist Heineken die zweitgrößte Importmarke der USA nach der mexikanischen Corona. Nach Ansicht von WestLB Panmure wird Heineken seine Präsenz am deutschen Biermarkt und in Mittelosteuropa, insbesondere in Polen, verstärken.

Dazu könnte eine Übernahme der größten deutschen Braugruppe, der Hamburger Holsten-Brauerei, dienen. Sie ist auch in Polen präsent allerdings bisher mit wenig Fortune. Derzeit ist es um Heineken allerdings recht ruhig geworden. Expandieren will auch Interbrew, und zwar nicht zuletzt auf dem deutschen Markt. Im Gegensatz zu Heineken besaß Interbrew vor Beck s keine Marke von globaler Reichweite. So wird die bisherige Spitzenmarke Stella Artois nur in neun Ländern verkauft. Mit Beck s wurde nun im internationalen Geschäft eine Lücke geschlossen, was allerdings nach Auffassung von Analysten einen sehr hohen, vielleicht zu hohen Preis kostete. Seit Ende der 80er Jahre produziert Carlsberg in Deutschland(Hannen- Brauerei)und liegt nach eigenem Bekunden weiter auf der Lauer.

Heineken: Warten auf weitere Akquisitionen

Grundsätzlich gilt Heineken bei den meisten Analysten als Zukunftswert. Bisher hat der Konzern die Aktionäre, über einen längeren Zeitraum gesehen, noch nicht enttäuscht. Derzeit herrscht aber eine gewisse Unsicherheit. Weitere Akquisitionen in Deutschland könnten den Kurs beflügeln. John Ebbing von Delta Securities und Paul Hofman von F. van Lanschot Bankier raten: Zukaufen . Auch Matthew Jordan von ABNAmro sieht gute Chancen für eine Aufwärtsentwicklung des Kurses und hält kaufen für richtig. Bei Rabo Securities äußert sich Anneke Groen vorsichtiger: Anleger, die langfristige Perspektiven bevorzugen, sollten ihre Papiere behalten. Für Halten plädiert auch SNSSecurities. INGBarings rät dagegen zum Verkauf der Aktie.

Interbrew: Urteile "Kaufen" und "Halten" überwiegen

Interbrew, die derzeit expansivste internationale Brauerei-Gruppe will erklärtermaßen an der Konsolidierung des zersplitterten deutschen Biermarktes mitwirken. Weitere Firmenkäufe sind angekündigt. Derzeit ist allerdings unklar, wohin der weitere Weg nach Übersee und Osteuropa führt. Zweifel werden auch laut, ob die ehrgeizigen Pläne ohne Substanzverzehr realisiert werden können. Die Empfehlungen lauten dennoch überwiegend Kaufen oder Halten . So plädieren Tom Beyers von KBCSecurities und Gerard Rijk von ING Barings für einen Zukauf. Halten heißt es bei Yves Bourdeau von Bank Degroof und Market Perform bei Marc Ernaelsteen von Bank Dewaay. Verkaufen hält hingegen Anneke Groen von Rabo Securities für richtig.

Scottish & Newcastle: Reichlich Phantasie vorhanden

Scottish & Newcastle (S&N), Großbritanniens größte Braugruppe, ist hier zu Lande kaum bekannt. Der britische Marktführer hat kürzlich angekündigt, weitere Zukäufe in Europa zu prüfen. Allerdings soll dabei der Mehrwert der Aktionäre beachtet werden. S&N wurde auch als heißer Kandidat bei Beck &Co. gehandelt, weil sie die Marke Beck s in England vermarktet. Weiter gehen Gerüchte um, S&Nwolle mit der US-Gruppe Miller Brewing kooperieren. Phantasie für Anleger ist also vorhanden. So empfehlen Andrew Holland von ABNAmro und John Walters von Williams de Broe den Kauf. Goldman, Sachs bewertet die Aktie mit dem vorsichtigen Urteil Market Perform , Stuart Price von der WestLB urteilt indes pessimistisch "Underperform".

Quelle: Handelsblatt vom 11.01.02

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