"Interessante strategische Optionen"
Henkel treibt Spekulation um Wella-Übernahme an

Um den Darmstädter Haarpflege- und Kosmetikkonzern Wella zeichnet sich nun doch ein Übernahmekampf ab. Der Konsumgüterproduzent Henkel erwarb nach eigenen Angaben vom Montag eine Beteiligung von fast sieben Prozent an Wella.

Reuters FRANKFURT. Unklar blieb zunächst, ob der Konzern seinen Anteil weiter aufstocken und Wella komplett übernehmen will. Im vergangenen Jahr war nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters ein Übernahmeangebot von Henkel an Wella gescheitert.

Ein Henkel-Sprecher sagte am Dienstag, der Konzern habe die Wella-Aktien über einen längeren Zeitraum aufgekauft. Diese seien Henkel angeboten worden. Mit dem Wella-Anteil verfüge Henkel über ein finanzielles Investment "mit interessanten strategischen Optionen". Wella wollte sich zum Henkel-Einstieg nicht äußern. Der Konzern liegt mehrheitlich in den Händen der Nachfahren von Firmengründer Franz Ströher, die allem Anschein nach ihre Anteile bisher nicht abgeben wollten. Reuters erfuhr am Dienstag jedoch aus verhandlungsnahen Kreisen, die Eigentümerfamilien seien nun doch bereit, ihre Anteile zu einem Preis zwischen 80 und 90 Euro pro Papier zu verkaufen.

Auf der Basis des aktuellen Aktienkurses hat Wella einen Marktwert von knapp 4,8 Milliarden Euro. Neben Henkel sollen auch der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G) und der französische Haarpflegespezialist L'Oreal ein Auge auf Wella geworfen haben. Der Kurs der Wella-Stammaktie legte um zwei Prozent auf 74,50 Euro zu, während Henkel im Handelsverlauf fünf Prozent auf 53,44 Euro verloren.

Über eine Tochtergesellschaft habe Henkel rund 2,2 Millionen Stammaktien und gut 2,4 Millionen Vorzugsaktien der Wella AG erworben, hatte Henkel am Montagabend nach Börsenschluss mitgeteilt. Henkel sei damit mittelbar an Wella mit 4,99 Prozent der Stammaktien und 10,38 Prozent der Vorzugsaktien beteiligt. Dies entspreche einer Gesamtbeteiligung am Wella-Grundkapital von 6,86 Prozent. Henkel-Chef Ulrich Lehner hatte in der Vergangenheit immer wieder jeden Kommentar zu Wella abgelehnt, gleichzeitig aber unterstrichen, dass Henkel auch im Konsumentenbereich wachsen wolle. Eine Wella-Sprecherin sagte auf Anfrage: "Wir wissen nicht mehr, als Henkel mitgeteilt hat." Die Frage, ob die Eigentümerfamilien zum Verkauf ihrer Anteile bereit seien, wollte die Sprecherin nicht kommentieren.

"Henkel versucht sich ganz klar für einen Übernahmekampf zu positionieren", hieß es in mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen. Das Unternehmen habe den Wella-Anteil für rund 55 Euro pro Aktie erworben. "Henkel kann etwa sieben Milliarden Euro ausgeben", hieß es. Dies würde zum gegenwärtigen Wella-Kurs einem Aufschlag von fast 50 Prozent entsprechen. "Grundsätzlich sind alle bereit, zu einem vernünftigen Preis zu verkaufen", hieß es mit Blick auf die Eigentümerfamilien.

In anderen, mit der Situation vertrauten Kreise hieß es, Henkel wolle mit seinem Vorstoß die Eigentümerfamilien dazu bewegen, einen Bieterwettstreit auszulösen, bevor P&G den Konzern direkt übernehme. Mit einem Abschluss sei nicht unmittelbar zu rechnen, hieß es in den Kreisen. "Bei so vielen Familien kann sich morgen schon wieder vieles ändern. Außerdem ist unklar, welche Strategie Proctor & Gamble hat." Außerdem konnte P&G nach Reuters-Informationen noch keine umfassende Buchprüfung (Due Diligence) bei Wella vornehmen, so dass ein Übernahmeangebot wohl nicht unmittelbar bevorstehe.

78 Prozent der Wella-Aktien liegen in den Händen von vier Familien. Der Konzern ist bekannt für seine Haarpflege-Produkte sowie für verschiedene Duft- und Kosmetikartikel etwa unter den Namen Gucci, Dunhill oder Mexx. Henkel vertreibt neben Haushaltsartikeln wie dem Waschmittel "Persil" auch die Haarpflegemarke "Schwarzkopf". Zu Procter & Gamble gehört eine ganze Palette bekannter Produkte wie etwa "Pampers"-Windeln, das Waschmittel "Lenor" oder "Punica"-Fruchtsäfte.

Für Analysten würde eine Wella-Übernahme sowohl aus Sicht von Henkel als auch von P&G Sinn machen. Christian Faitz von Julius Bär sagte: "Henkel und Wella passen gut zusammen, das Portfolio ergänzt sich gut im Kosmetik-Bereich." Sven Dopke von MM Warburg sagte: "Wenn Henkel im Kosmetikbereich ernst machen will, dann müssen sie durch Akquisitionen wachsen." Allerdings sei Wella auch für P&G attraktiv, da der US-Konzern hier in Europa zu schwach sei, um L'Oreal ernsthaft zu gefährden.

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