Interesse am Format lässt nach
Neuer Quizsender soll auch ohne große Gewinne Zuschauer finden

Noch im laufenden Jahr will das Münchner Unternehmen Vividia AG mit einem eigenen Quiz-Sender über Satellit an den Start gehen. Dabei hat der Boom bei den großen Fernsehsendern bereits nachgelassen.

dpa HAMBURG. "Wissen TV" soll der neue Spartenkanal heißen, der dem Unternehmen Anteile am gefragten Quiz-Kuchen verschaffen soll. Denn Quizsendungen, jahrelang vernachlässigt und wenig gefragt, gehören derzeit zu den Quotenbringern im deutschen Fernsehen. Aber die Zuschauer sind gnadenlos: Kaum springen zahlreiche Sender mit eigenen Formaten auf den Quiz-Zug auf, geht dem Phänomen schon wieder die Luft aus. Der Boom hat seine Grenzen erreicht.

"Jeder, der etwas Neues versucht, setzt sich positive Erwartungen", sagt Vividia-Vorstand Bernhard Kraus. "Sonst müsste man es nicht machen." Argument der Münchner ist die Bildung: Große Gewinne wie bei Günther Jauch mit seinem RTL-Zugpferd "Wer wird Millionär?" sind bei dem analogen Spartenkanal nicht zu erwarten, dafür lockten die Macher im Lizenzantrag mit der Aussicht, das Publikum könne "einiges Neues beim Zusehen" lernen. Ob das angesichts des nicht mehr ganz so robusten Quizmarktes genügt?

Marktführer "Wer wird Millionär?" erreicht nach Angaben der GfK-Fernsehforschung in Nürnberg meistens mehr als zehn Mill. Zuschauer - bei wöchentlich drei Ausstrahlungen. Hans Meiser erzielt mit "Quiz 21" während Jauchs Sommerpause beachtliche Erfolge: Seine erste von 29 Sendungen Anfang Juni verfolgten nach GfK-Angaben 4,06 Mill. Zuschauer (Marktanteil 14,9 %). Mit Marktanteilen von bis zu 20 % bei den bisherigen Sendungen etablierte sich "Quiz 21" schließlich als erfolgreichste deutsche Quizshow nach Günther Jauchs Ausnahmeformat. Andere Sendungen haben dagegen Zuschauerprobleme, darunter Sonja Zietlows "Der Schwächste fliegt" (RTL).

Welle neuer Quizsendungen hält an - Interesse geht zurück

Trotz rückläufiger Entwicklungen starten immer neue Projekte: Die ARD wird vom 25. Juli an drei Mal wöchentlich im Vorabendprogramm Jörg Pilawas neues Ratespiel "Das Quiz" auflegen. Auch der NDR will im Norddeutschen Fernsehen von September an mit einer eigenen Quizshow in das Format einsteigen. Prosieben, bis vor kurzem noch nicht im Quiz-Sektor vertreten, startete Anfang Juli die Reihe "Speed - Time is Money". Der Münchner Privatkanal TM3, der sich seit April als "Mitmachsender" bezeichnet, begann ebenfalls Anfang Juli das neue Quiz "Greif an!".

Unter Einbrüchen leidet derzeit vor allem Sat.1: Die "Quizshow" dümpelt vor sich hin, nachdem Jörg Pilawa ging und Christian Clerici das Ruder übernahm. Auch "Quizfire" funktioniert nicht wie geplant - Moderator Meinert Krabbe musste gehen, dafür rückte Sebastian Deyle an. Der Sender senkte wegen rückläufiger Einschaltquoten bereits die Werbepreise für seine täglichen Quizsendungen. RTL II stellte schon mehrere Quizprogramme ein.

Kein Problem für Vividia-Vorstand Kraus: Geld soll mit den Anrufen der Mitspieler verdient werden, denn das Fernsehpublikum wird den Planungen zufolge aktiv ins Quizgeschehen eingreifen. "Kommunizieren über reines Zuschauen bedeutet nur wenig Reiz für die Zuschauer", sagt er. Auch einen Abnutzungseffekt der immer wieder kopierten Formate sieht er nicht: "Es werden immer wieder Dinge gesendet werden, die es schon gab. Aber wir setzen das Tüpfelchen obendrauf."

Die Landesmedienanstalt Baden-Württemberg erteilte dem Satellitenprogramm unterdessen die Lizenz, wie Kraus sagt. Wie viele Zuschauer der neue analoge Spartenkanal erreichen kann und wann er genau startet, sind noch unklar. Derzeit werde mit den Kooperationspartnern verhandelt: "Wir werden nicht in den nächsten zwei Monaten auf Sendung gehen."

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