Interesse an weiteren Akquisitionen
AWD erwartet Wachstum über Branchenschnitt

Der Finanzdienstleister AWD strebt in wenigen Jahren die Marktführerschaft in Europa an. Nach dem geplanten Kauf des Konkurrenten Tecis hält AWD vor allem in Deutschland und Großbritannien Ausschau nach weiteren Übernahmekandidaten und plant außerdem den Aufbau eigener Vertriebe in neuen Ländern.

Reuters HANNOVER. Bereits vom Jahresende 2002 an erwartet AWD-Chef Carsten Maschmeyer mit einer wieder anspringenden Konjunktur auch eine spürbare Erholung der Finanzdienstleistungsbranche, wie er am Mittwoch auf der AWD-Hauptversammlung in Hannover sagte. Die Branche werde überdurchschnittlich wachsen. Sein Unternehmen werde dabei noch stärker als der Markt zulegen.

Bis 2004 solle sich der AWD-Umsatz im Vergleich zu 2001 auf 800 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Mittelfristig bedeute dies, dass AWD auch am bisher umsatzstärksten Finanzdienstleister in Deutschland und Europa, der unter anderem mit der Deutschen Bank zusammenarbeitenden Deutsche Vermögensberatungs AG (DVAG), vorbeiziehen wolle, hieß es am Rande der Aktionärsversammlung.

Konkrete Pläne für weitere Übernahmen nannte Maschmeyer nicht. Der AWD-Chef wies Spekulationen zurück, er habe weiterhin ein Interesse an der zur Zurich Financial Services AG gehörenden Bonnfinanz. Das Unternehmen passe nicht zur Strategie von AWD.

Für die nächsten Monate will sich AWD auf die Integration der Hamburger Tecis konzentrieren. Derzeit läuft noch die Frist für das AWD-Angebot an die Tecis-Aktionäre von 31,50 Euro je Aktie. AWD hielt bei Bekanntgabe der Pläne vor drei Wochen bereits 28,3 Prozent und hatte Zusagen wichtiger Anteilseigner für weitere 31,5 Prozent. Maschmeyer zeigte sich zuversichtlich, bis zum Ablauf der Erklärungsfrist Mitte Juli, wie geplant mindestens 75 Prozent an Tecis zu bekommen.

Für das Geschäftsjahr 2002 hielt Maschmeyer an der bisherigen Umsatzprognose fest. Danach strebt der nach eigenen Angaben größte unabhängige Finanzdienstleister ein Umsatzwachstum auf 475 bis 500 Millionen Euro von 385 Millionen Euro im Jahr zuvor an. Darin sei das Geschäft von Tecis, die im vorigen Jahr rund 93,4 Millionen Euro Umsatz gemacht hatte, noch nicht enthalten.

Zukäufe in Deutschland und Großbritannien

Maschmeyer bekräftigte das Interesse an weiteren Akquisitionen vor allem in Deutschland und Großbritannien. Der deutsche Markt mit zahlreichen kleineren und mittleren Finanzdienstleistern habe hinsichtlich einer Konsolidierung den größten Nachholbedarf. Insbesondere infolge der Fusionspläne von AWD und Tecis gebe es bei vielen kleinen Anbietern jetzt verstärkt Überlegungen über die künftige Strategie. "Da gibt es etliche, die sich ein Zusammengehen mit dem gewachsenen AWD vorstellen können", hieß es aus Vorstandskreisen auf der Hauptversammlung.

Finanzvorstand Ralf Brammer wies darauf hin, dass der Kaufpreis für Tecis von maximal 377 Millionen Euro "cash" bezahlt werde, um den seit dem Börsengang 2000 bestehenden hohen Bestand an liquiden Mitteln zu reduzieren. Für weitere Akquisitionen oder Allianzen stünden andere Möglichkeiten zur Verfügung, sagte Brammer.

Unternehmenschef Maschmeyer hänge nicht an seiner Aktienmehrheit von 53 Prozent. Damit sei zum Beispiel eine Kapitalerhöhung denkbar, erläuterte ein AWD-Sprecher. Zweiter Schwerpunkt der Expansion ist der englische Markt, der ebenfalls stark fragmentiert sei, sagte Maschmeyer. Nach der Übernahme von Thomson's im vorigen Herbst habe AWD in Großbritannien ein gute Ausgangsbasis für weitere Übernahmen.

Gleichzeitig prüfe AWD in anderen europäischen Ländern neben Zukäufen auch den Aufbau eines eigenen Vertriebs, sagte Maschmeyer. Bislang ist AWD auch noch in Österreich und der Schweiz aktiv. Über diese vier Länder bereitet sich AWD auf den Einstieg in den Niederlanden, Frankreich, Italien und mittelfristig auch in Spanien vor. Der künftige Partner Tecis verfügt über Kontakte nach Osteuropa.

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