Interesse privater Anleger an Bonds wächst – Geschäft mit Renten ist schwerer zu durchschauen als der Markt für Aktien
Die Suche nach Anleihe-Kursen ist schwierig

Immer mehr Investoren, die mit Aktien eine Pleite erlebt haben, wollen ihre Rendite mit Anleihen sichern. Doch das Geschäft mit Bonds ist komplizierter als das mit Aktien. Schon die Auswahl des geeigneten Papiers fällt schwer. Zudem sind aktuelle Informationen über Kurse und Renditen der Festverzinslichen oft noch Mangelware.

FRANKFURT/M. Anleger, die eine Anleihe kaufen wollen und sich noch nicht mit dem Rentenmarkt beschäftigt haben, stehen vor einem Rätsel. "Es gibt einen regelrechten Dschungel von Papieren", sagt Peter Knacke, Wertpapierstratege für Privatkunden bei der Commerzbank. Dabei sind Bonds gerade für Investoren, die auf Sicherheit setzen, attraktiv. Zwar schwanken auch die Kurse von Anleihen - wenn auch deutlich weniger als die von Aktien -, doch am Ende der Laufzeit einer Anleihe bekommen die Anleger ihr Geld zum Nennwert von 100 % zurück. Dabei gilt die Rückzahlung zumindest bei den Bonds als recht sicher, die von den Ratingagenturen als Investitionsklasse eingestuft werden. Agenturen wie Moody?s und Standard & Poor?s bewerten die Kreditwürdigkeit von Schuldnern, die Investitionsklasse endet unterhalb der Note Dreifach-B.

Wenn sich ein Anleger jedoch auch einen bestimmten Schuldner wie Staat, Hypothekenbank oder Unternehmen, ausgesucht hat, von dem er eine Anleihe kaufen will, hat er immer noch die Qual der Wahl. Während es aber bei der Deutschen Telekom zum Beispiel nur die (eine) T-Aktie gibt, hat der Konzern rund 65 Anleihen ausstehen. Dabei variieren Laufzeiten, Währungen und Kupons. Generell bieten Unternehmensbonds derzeit attraktive Renditeaufschläge gegenüber Bundesanleihen. Wichtig für Anleger ist es nach Meinung von Experten, sich eine liquide Anleihe - als Mindestvolumen gelten hier 500 Mill. - auszusuchen. Denn nur für diese Papiere finden sich an der Börse relativ leicht Käufer und Verkäufer.

Am einfachsten ist der Kauf von Papieren, die die Banken empfehlen. Viele Banken haben einen so genannten Offertenhandel. "Dabei werden verschiedene internationale Papiere angeboten, die von der Bank selbst gehandelt werden", erklärt Knacke. Die Gebühren betragen etwa 0,5 % des Kurswerts.

Wer jedoch die angeboten Kurse der Banken prüfen will, hat noch keine große Auswahl. Eine gute Übersicht für Privatinvestoren gibt es im Internet auf der Homepage der Börse Stuttgart und auf "Bondboard" - einer Seite der Maklergesellschaft Capital Stage Brokerage. Beide informieren zum Beispiel über Kurse, Laufzeiten, Kupons, Ratings und Renditen von etwa 80 Unternehmensanleihen. "Wir haben nur Bonds aufgenommen, die liquide sind", erklärt Klaus Schuchardt von Capital Stage Brokerage die Auswahl. "Dabei wollen wir möglichst enge Handelsspannen stellen." Dafür arbeitet der Makler - wie auch die Börse Stuttgart - mit verschiedenen Banken zusammen.

Das Internet-Finanzportal "Onvista" dagegen hat die Anleihekurse in seiner Datenbank, nutzt sie aber nicht. "Anleihen sind im Moment ein Thema, das lässt aber erfahrungsgemäß nach, wenn die Aktienmärkte wieder anspringen", sagt Sprecherin Anja Seipp. Außerdem sei die Entwicklung von Analysetools für Anleihen recht kompliziert. Bei "Wallstreet-Online" gibt es zwar Kurse, ein Anleihewerkzeug mit Performancevergleich ist aber laut Vorstandsvorsitzendem André Kolbinger erst in Arbeit. Etwas weiter sind da die Sparkassen mit ihrer Handelsplattform "S-Broker". Die Firma Financial Webworks hat ein Tool entwickelt, das laut Geschäftsführer Frederik Garnies die Suche und den Vergleich von 11 000 Anleihen beim "S-Broker" umfasst. "Die Anleger wissen, wo sie Fonds und Aktien kaufen können, bei Rentenpapieren sind sie aber meist auf die Vorauswahl der Hausbank beschränkt", sagt Garnies. Deshalb wachse langsam das Interesse an einer größeren Vielfalt und Vergleichbarkeit.

Wer nach der Auswahl ordern will, muss bei einem Kaufauftrag von bis zu 2 500 im Online-Banking beim "S-Broker" 10 Gebühren plus gegebenenfalls fremde Spesen zahlen. Der Direktbroker Consors, bei dem man nach eigenen Angaben "jede, mit einer Wertpapierkennnummer versehene, börsennotierte Anleihe" ordern kann, wickelt Online-Käufe ab 9,90 zuzüglich fremder Spesen und Courtagen ab.

Die Gebühren unterscheiden sich nicht im Vergleich zu Aktienkäufen, aber die Beispiele zeigen, dass sich ein permanentes Umsteigen in Bonds für ein paar Prozentpunkte mehr Rendite für den Privatanleger kaum lohnt. Wer an einem aktiven Zinsmanagement interessiert ist, sollte deshalb besser in Rentenfonds investieren. Das meint auch Ralf Grossmann, Rentenanalyst bei CDC Ixis. "Unterhalb 10 000 lohnt es sich kaum, in Anleihen zu investieren." Bei Aktien könnten die Kurssprünge die Gebühren auffangen, bei Renten nicht. Außerdem empfiehlt er Privatanlegern den Online-Direkterwerb bei der Bundesschuldenverwaltung in Bad Homburg. Dort gibt es die extrem sicheren Anlageformen Bundesschatzbriefe, Bundesobligationen und Finanzierungsschätze. Dort können Anleger ein Schuldbuchkonto einrichten und ihre Bundeswertpapiere kostenlos verwalten lassen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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