Interesse von Firmen wie Otto-Versand oder Jakobs
Wirtschaft als neuer Partner der staatlichen Entwicklungshilfe

ap BERLIN. Die rot-grüne Koalition hat eine beachtliche Zahl von Firmen als Partner der staatlichen Entwicklungshilfe gewonnen. Auf einem Forum über Entwicklungspartnerschaft berichtete Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul am Montag in Berlin von etwa 600 Vorschlägen von Unternehmen für solche Projekte. Neben Erfolg versprechenden Beispielen sei noch eine große Zahl von Firmen eher an Subventionen oder eine punktuellen Finanzierung statt an längerfristiger Partnerschaft interessiert gewesen, räumte die Entwicklungsministerin ein.

Als Beispiel für die wachsende Zahl von Unternehmen und Verbänden, die entwicklungspolitische Fragen in ihre Strategien einbeziehen, nannte die SPD-Politikerin unter anderen den Otto-Versand, Kraft Jakobs Suchard und die Berliner Wasser Holding. Der Otto-Versand habe es sich zur Geschäftspolitik gemacht, auf die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards bei seinen Lieferanten zu achten. Zusammen mit deutschen Entwicklungsexperten habe der Versand deshalb in 60 chinesischen Zulieferbetrieben entsprechende Schulungsmaßnahmen durchgeführt.

Dabei liegen Wieczorek-Zeul zufolge die Vorteile für alle Beteiligten auf der Hand. Für die Berliner Wasser Holding sei die Investition ein wichtiger Schritt in einen vielversprechenden neuen Markt. Für die Entwicklungspolitik sei es ein großer Erfolg, das wertvolle Know-how und Kapital des deutschen Unternehmens für die nächsten 30 Jahre mobilisieren zu können. "Und die Menschen in Elbasan bekommen endlich zuverlässig sauberes Trinkwasser."

Paradigmenwechsel in der Entwicklungspolitik

Wieczorek-Zeul betonte, die Herausforderung, die Zukunftsfähigkeit der Welt zu sichern, könne nicht ohne die Mobilisierung aller Möglichkeiten bewältigt werden - denen des Staates, des Privatsektors und der Zivilgesellschaft. Die Hälfte der rund sechs Milliarden Menschen auf der Welt lebe von weniger als zwei Dollar pro Tag, rund 1,2 Mrd. von weniger als einem Dollar. Diese Zahlen bedeuteten in der Realität Hunger und einen Teufelskreis von fehlender oder schlechter Ausbildung, Gesundheit, Ernährung oder anderen negativen Indikatoren der Entwicklung.

Die globalen Probleme müssten durch möglichst viele Akteure angepackt werden, forderte die Ministerin. Bei gemeinsamen Projekten mit der Wirtschaft müssten die privaten und öffentlichen Leistungen so zusammenfließen, dass beide Partner ihre Ziele besser, schneller und kostengünstiger erreichten. Diese strategischen Partnerschaften für eine nachhaltige Entwicklung bedeuteten einen Paradigmenwechsel in der Entwicklungspolitik.



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