Interessengruppe gründet "Gnome Foundation"
Einheitliche Linux-Oberfläche noch nicht in Sicht

Eine einheitliche Benutzeroberfläche zeichnet Windows aus. Bei Linux dagegen dominiert der Wildwuchs. Keine Oberfläche gleicht der anderen, was potenzielle Kunden zurückschrecken lässt.

HB SAN JOSE. Wer sich auf das Abenteuer Linux als Betriebssystem einlässt, erlebt schnell eine ziemliche Überraschung. War er von Windows gewohnt, dass auf jedem PC alle Funktionen über identische Menüs zu erreichen sind, muss er bei der Pinguin-Software umdenken. Jede Oberfläche sieht anders aus. Was bei dem eigenen Computer gilt, muss bei dem Rechner nebenan noch lange nicht so funktionieren. Eine echte Verkaufshürde, das haben inzwischen alle Linux-Entwickler eingesehen. Doch statt nun gegen Windows an einem Strang zu ziehen, zeichnet sich ein Kampf der Linux-Systeme untereinander ab.

Es ist also reine Industriepolitik, die zur Gründung der Interessengemeinschaft "Gnome Foundation" geführt hat, , die am Eröffnungstag der LinuxWorld im kalifornischen San Jose einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Neben bekannten Linux-Spezialisten wie Red Hat, TurboLinux und VA Linux sind mit Compaq, Hewlett-Packard, IBM und Sun Microsystems praktische alle führenden Computerhersteller mit im Boot. Nicht mit von der Partie ist Dell, obwohl Firmengründer Michael Dell auf der LinuxWorld sein Debüt als Keynote-Redner gab.

Von den bedeutenden Linux-Spezialisten fehlen aber auch Caldera Systems, SuSE und Corel. Das Trio unterstützt den Gnome-Konkurrenten KDE. Damit ist statt einer Zusammenrottung von Linux-Unterstützern gegen das Bollwerk Windows von Microsoft nun ein Zweifrontenkampf der Linux-Befürworter untereinander entstanden.

Beide Projekte, Gnome und KDE haben sich zum Ziel gesetzt, sowohl eine standardisierte grafische Benutzeroberfläche zu entwickeln, wie sie seit Jahren vom Apple Macintosh und Microsoft Windows geboten wird, als auch für Anwendungsmodule zu sorgen. Das Fehlen einer leicht zu bedienenden Oberfläche ist ein Manko, das schon Unix seit Jahren mit sich herumschleppt. Diese Erbe hat das Pinguin-Unix, Linux, übernommen.

Das zum GNU-Projekt gehörende Gnome-Projekt hat seine Ursprünge noch in Unix-Zeiten. Die Wurzeln von GNU (für "Gnu s Non Unix") gehen bis auf das Jahr 1983 zurück, als der MIT Lab Mitarbeiter Richard Stallmann sein Software-Projekt erstmals beschrieb. KDE hingegen präsentiert sich als Kind der Linux-Welt und hat seine Anfänge in Skandinavien.

Ob die Linux-Gemeinde sich lange eine Grabenkampf um die richtige Oberfläche wird leisten können, ist unklar. Die Computerhersteller - mit Ausnahme von Sun - bringt schlicht der Wunsch nach einer echten Alternative zum allmächtigen Windows mit ins Boot. Wird diese Hoffnung enttäuscht, wandern sie schnell wieder ab.

Zumal auch Sun weiter eigene Ziele verfolgt. Sun will sein in Deutschland gekauftes Programm Staroffice mit dem weiterentwickelten Starportal nicht kampflos aufgeben und als Linux-Standard etablieren. Das wird durch die Gnome Foundation nicht einfacher.



Von den Buchstabenkommandos zur Benutzeroberfläche

Unix und MS-DOS von Microsoft hatten lange Zeit eines gemeinsam: Sie waren eine spröde Kontaktstelle im Dialog zwischen Mensch und Maschine. Per Tastatur mussten kompliziert zu lernende Buchstabenkommandos direkt in die aktuelle Befehlszeile eingegeben werden. Das hat sich Mitte der Achtzigerjahre radikal geändert, als Apple in seinen Rechnern Lisa und Macintosh erstmals eine grafische Benutzeroberfläche einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellte. Die Kommandos konnten nun per Mausklick auf Symbole oder grafische Felder eingegeben werden. Diese Methode übernahm später auch Microsoft in sein Betriebssystem Windows. Erfunden hat weder Apple noch Microsoft die praktische Methode der grafischen Fenster, Mäuse und Symbole. Sie stammt aus den Labors des Xerox PARC in Palo Alto. Kopiererhersteller Xerox konnte allerdings wenig mit der Erfindung seiner Entwicklungsgenies anfangen. Die grafische Benutzerschnittstelle gehört spätestens seit den Neunzigerjahren zum unverzichtbaren Standard der Datenverarbeitung auf Arbeitsplatzebene. Hier haben die Serversysteme Unix und Linux noch Nachholbedarf.

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