Interessenkonflikt bei der Vergabe des WM-Medienzentrums?
Düsseldorf hört die Nachtigall trapsen

Mit großen Sätzen hat Wolfgang Clement noch nie gegeizt. "Wir sind unersättlich und wollen das Beste für unser Land", sagte der so genannte Superminister der Bundesregierung einst, als er noch nordrhein-westfälischer Ministerpräsident war. Damals ging es darum, das lukrative Medienzentrum für die Fußball-WM 2006 nach Düsseldorf zu holen. Bedauerlich für Clement war, dass "das Beste" aus Sicht derjenigen, deren Meinung maßgebend war, anders aussah. München erhielt den Zuschlag vom Organisationskomitee (OK). Düsseldorfs Mühen waren vergebens - genauso wie die von Frankfurt, Leipzig und Berlin.

BERLIN. Das Bekanntwerden des Beratervertrages zwischen dem Medienkonzern Kirch und OK-Vizechef Fedor Radmann lässt manchen Beobachter vermuten, dass bei der Entscheidung für das Pressezentrum reichlich gut entlohnte Lobbyarbeit den Ausschlag zu Gunsten der bayerischen Landeshauptstadt gegeben haben könnte. Mit Radmann und Franz Beckenbauer standen zwei der vier OK-Präsidiumsmitglieder auf Kirchs Gehaltsliste. Gerhard Mayer-Vorfelder, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes und zugleich Mitglied im Aufsichtsrat des OK, forderte Radmann nun auf, die Verträge offen zu legen. "Wenn da irgendeine Interessenkollision besteht, dann müsste der Vertrag nach meinen Vorstellungen beendet werden", sagte Mayer-Vorfelder der FAZ. Das Ergebnis der Prüfung werde in den nächsten Tagen bekannt gegeben. Radmann selbst sieht "keinen Interessenkonflikt".

"A bisserl Einfluss" habe er, sagte Beckenbauer seinerzeit, und es mehren sich die Stimmen, wonach sein Einfluss und der von Radmann maßgebend gewesen sind. In München liegt das Medienzentrum vor der Kirch-Tür. Kirch-Media ist auch nach der Insolvenz in Besitz der Senderechte für das Turnier geblieben.

"Die Vertreter der Fifa haben allesamt großes Unverständnis geäußert, dass wir nicht den Zuschlag bekommen haben", sagte der Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin. Es sei ihnen von allen Seiten bescheinigt worden, "ein exzellentes, professionelles Angebot" vorgelegt zu haben.

Die Empörung erscheint verständlich. "Düsseldorf war unserem Gutachten zufolge am besten für das Medienzentrum geeignet", bestätigte Keith Cooper dem Berliner Tagesspiegel. Cooper führte in seiner damaligen Funktion als Fifa-Sprecher die Arbeitsgruppe des Weltverbandes an, die im Mai 2001 die Angebote der fünf Kandidaten inspizierte. Insbesondere die zentrale Lage habe für Düsseldorf und gegen München gesprochen. Warum aber wurde München vorgezogen? Düsseldorf habe nicht den Zuschlag erhalten, weil die Stadt nicht WM-Spielort sei, sagte OK-Chef Beckenbauer.

Manche finden dieses Argument pikant. Düsseldorf habe auf einer internen Bewertungsliste der Spielort-Bewerber auf Platz vier gestanden, berichtet ein Beteiligter. Als die zwölf WM-Stadien gekürt wurden, blieb das renovierte Rheinstadion aber außen vor.

Laut OK sei diese Entscheidung in einer Sitzung gefallen, an der auch Mitglieder der Fifa teilgenommen haben. Eine Abstimmung habe es nicht gegeben, man habe sich einvernehmlich einigen können. "An einzelne Wortbeiträge können wir uns nicht mehr erinnern", sagte ein OK-Sprecher. Ein teilnehmendes Mitglied aus Fifa-Kreisen aber berichtet: "Das Organisationskomitee hat ein Gesamtpaket vorgestellt. Die Fifa hat das im Prinzip nur noch abgenickt." War die Entscheidung also längst gegen Düsseldorf gefallen?

"Beckenbauer ist dafür bekannt, dass er nicht allzu viel Papier liest", sagt der sportpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Winfried Hermann. Die Berliner Landesregierung sieht das ähnlich. "An Beckenbauer ist schwer vorbeizukommen", sagte Senatssprecher Michael Donnermeyer im vergangenen April.

Fedor Radmann plagt unterdessen kein schlechtes Gewissen. Schließlich, findet der Geschäftsführende Vizepräsident des OK, habe er den Vertrag umgehend dem Präsidenten des Komitees vorgelegt. Der heißt Beckenbauer.

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