Interessenkonflikte der Analysten
Merrill Lynch empört über Vorwurf der Rating-Beeinflussung

Merrill Lynch wehrt sich vehement gegen Anschuldigungen des New Yorker Generalstaatsanwalts Eliot Spitzer. Der wirft der New Yorker Finanzgruppe vor, ihr Investmentbanking nehme unzulässigen Einfluss auf die Empfehlung von Aktien.

vwd NEW YORK. Die Beschuldigung entbehre "jeglicher Grundlage", verteidigte sich ML am späten Montag. Man sei "schockiert", dass man vor Gericht keine Chance zur Anfechtung der Beschuldung bekommen habe und gehe davon aus, dass die Schlüsse, die Spitzer gezogen habe, "einfach völlig falsch" seien. Spitzer hatte am Montag einen Gerichtsbeschluss erwirkt, dem zufolge Merrill Lynch die Art und Weise, wie ihre Analysten Empfehlungen (Ratings) für Unternehmen, die Kunde der Gesellschaft sind, abgeben, gründlich überprüfen muss. Der Staatsanwalt machte geltend, dass die "öffentlich gemachte Einschätzung von Aktien oft falsch war". Das Investmenthaus stemmt sich gegen diesen Vorwurf. Eine faire Überprüfung würde belegen, dass das Research unabhängig und ehrenhaft erfolgt sei, gab es sich zuversichtlich. Der Generalstaatsanwalt hatte den Fall am Beispiel GoTo.com aufgezeigt.

Merrill Lynch habe öffentlich an der Einstufung "accumulate" festgehalten, obwohl es Hinweise dafür gab, dass ein Analyst in einer E-Mail geschrieben hatte, es gebe an dem Unternehmen nichts interessantes "außer Bankgebühren". Dem hält das Investmenthaus unter anderem entgegen, dass sein führender Internet-Analyst wiederholt öffentlich auf die mit Internet-Unternehmen verbundenen Gefahren hingewiesen habe. Die große Mehrheit dieser Dot.Com-Gesellschaften werde niemals Geld verdienen und wieder von der Bildfläche verschwinden, hätte er gewarnt.

Gesellschaften überarbeiten ihre Geschäftspraktiken

Spitzer wirft den ML-Analysten zudem vor, gegen Bezahlung neue Investmentbanking-Kunden zu gewinnen. Das Gehalt der Analysten orientiere sich an ihrem Anteil, den sie zum Investmentbanking des Unternehmens beitrügen. Interessenkonflikte der Analysten sind bereits seit dem vergangenen Sommer ein Thema. Seither haben einige betroffene Gesellschaften ihre Geschäftspraktiken überarbeitet. Außer Merrill Lynch haben Goldman Sachs, Morgan Stanley und Credit Suisse First Boston ihren Analysten den Besitz von Aktien von Unternehmen, über die sie berichten, verboten.

Und andere Mitbewerber, wie Salomon Smith Barney, Bear Stearns und Lehman, geben Underwriting-Beziehungen bekannt, die zu Unternehmen haben, über die sie berichten. Nach dem jüngsten Gerichtsbeschluss bleibt es fraglich, ob dies ausreicht, den Hunger der Regulierungsbehörden nach Veränderung zu stillen.

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