Interessenkonflikte zwischen Research und Investmentbanking
Banken fürchten zu starke Regulierung

Die Diskussion um Interessenkonflikte von Analysten hat Europa längst erreicht. Die Finanzaufsichtsbehörden machen sich Gedanken über das Thema, die Investment-Banken machen sich Sorgen. Abgesehen von einer möglichen Überregulierung kritisieren sie, dass verschiedene Standards eher Verwirrung als Transparenz schaffen.

DÜSSELDORF/LONDON. Der Überraschungs-Coup der Citigroup wirkt in Europa nach. Nachdem die größte Bank der Welt in einer Art vorauseilendem Gehorsam gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC ihre Research-Abteilung von der Investment-Bank getrennt hatte, kamen auch Banker in London und Frankfurt ins Grübeln. Offiziell reagieren die meisten Institute wie Dresdner Kleinwort Wasserstein in London: Man warte ab und denke nicht an radikale Schritte, lässt die Investmentbanktochter der Dresdner Bank verlauten.

Doch die USA haben einen Stein ins Rollen gebracht: Dort diskutieren Banker, Aufsichtsbehörden und Juristen derzeit schärfere Regeln, um Interessenkonflikte zwischen Research und Investmentbanking zu vermeiden - zum Beispiel die strikte organisatorische Trennung wie bei der Citigroup.

In Brüssel wird über den Entwurf einer Richtlinie zum Schutz vor Marktmissbrauch diskutiert. Sie sieht unter anderem vor, dass bei Wertpapieranalysten auf mögliche Interessenkonflikte zwischen Research und Investmentbanking hingewiesen werden muss. Dies wurde in Deutschland bereits im Juli durch eine Änderung des Wertpapierhandelsgesetzes realisiert. In einem Entwurf über die Auslegungsregeln des Gesetzes hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) nun erklärt, dass neben den im Gesetz genannten auch auf alle anderen "möglichen" Interessenkonflikte hingewiesen werden müsse, wenn Research und die sonstigen Geschäftsbereiche einer Bank nicht wirksam voneinander abgeschirmt seien - etwa durch Chinese Walls. Ein Herauslösen des Analystenbereiches aus der Bank, wie derzeit in den USA diskutiert, werde allerdings nicht gefordert, sagt Günter Birnbaum, Abteilungsleiter der BAFin.

"Eine Harmonisierung auf internationaler Ebene wäre erstrebenswert. Dafür hat die International Organization of Securities Commissions (IOSCO) eine Projektgruppe eingesetzt, in der auch die BAFin mitarbeitet", betont Birnbaum. Tatsächlich sorgen die weltweit unterschiedlichen Regelungen für Analysten in den Banken für Verunsicherung und Verwirrung. Kurz nachdem die Sorgfaltspflichten für Wertpapieranalysen in Deutschland in Kraft getreten waren, hatte die BAFin den Banken signalisiert, sie könnten zunächst grundsätzlich davon ausgehen, dass die schärferen US-Regeln auch den deutschen Standard erfüllen. Das hätten die Banken fälschlicherweise als Zugeständnis verstanden, sich nur an die amerikanischen Regeln halten zu müssen, sagt Birnbaum. Doch zum Teil seien die deutschen Bestimmungen sogar noch schärfer: So muss hier zu Lande die Teilnahme an Emissionskonsortien in den letzten fünf Jahren offen gelegt werden. Die US-Regeln beschränken dies nur auf zwölf Monate.

Die britische Aufsicht Financial Services Authority (FSA) hatte in einem Diskussionspaper zum Thema Interessenkonflikte mehrere Alternativen aufgelistet, die vom Beibehalten des Status Quo bis zu regulatorischen Änderungen reichten. Marktteilnehmer sollten sich bis zum 31. Oktober äußern. Die Antworten geben einen klaren Trend wieder: "Wir sollten aufpassen, dass nicht am Ende überall andere Regeln für die Offenlegung gelten", sagte der Vertreter einer großen Londoner Investment-Bank. Der Lobby-Verband der Versicherungen ABI warnte in deutlichen Worten vor Überregulierungen in Europa, nur "weil die USA ihre schweren Mängel der Vergangenheit in aller Eile auszuräumen versuchen". Die London Investment Association-Banking (LIBA), dem mehr als 40 renommierte Investment-Banken angehören, sieht auf dem britischen Markt "keine Probleme mit dem Research". LIBA-Direktor John Serocold plädierte dafür, dass die FSA den Status Quo beibehält und nur bei Problemen eingreift.

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