Interessenten für US-Geschäft
Weitere Babcock-Töchter beantragen Insolvenz

Die Krise des zahlungsunfähigen Anlagenbauers Babcock Borsig hat nach Angaben des neuen Vorstandschefs Horst Piepenburg zu Insolvenzanträgen für 15 weitere Tochtergesellschaften geführt.

rtr OBERHAUSEN. Die Anträge seien strategisch, womit diese Gesellschaften unter Schutz gestellt werden sollen, sagte Piepenburg am Mittwoch nach einer Betriebsversammlung im Babcock-Werk in Oberhausen. Die Fortführung des Konzerns sei klares Ziel für ihn und den vorläufigen Insolvenzverwalter Helmut Schmitz. Über weitere Insolvenzanträge für Tochterfirmen wird laut Schmitz beraten. Eine gerichtliche Entscheidung über die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens erwartet Schmitz bis Anfang September. Er schloss unterdessen auch eine Rückabwicklung des umstrittenen Verkaufs der Beteiligung an der Kieler Werft HDW an den US-Investor One Equity Partners (OEP) nicht aus.

Vorige Woche hatten die Konzern-Muttergesellschaft Babcock Borsig AG und ihre Tochter Babcock Borsig Power Insolvenz angemeldet. Am Mittwoch folgte unter anderem der Würzburger Anlagenbauer Noell GmbH. Im Raum Hannover haben nach Angaben des Amtsgerichts mittlerweile sechs Babcock-Töchter Insolvenzantrag gestellt. Drei weitere könnten noch hinzukommen, sagte der für die sechs Gesellschaften bestellte vorläufige Insolvenzverwalter Reinhard Mühl in Hannover. Für die Babcock-Töchter Babcock-BSH und Krantz TKT falle die Entscheidung über einen Insolvenzantrag möglicherweise in dieser Woche, sagte Schmitz. Für den Maschinenbauer Schumag könne eine Insolvenz nahezu ausgeschlossen werden. Babcock-BSH, Krantz-TKT und Schumag gehörten zu den Beteiligungen im Babcock-Konzern, für die es bereits potenzielle Käufer gebe.

Interessenten für US-Geschäft

Für das US-Geschäft von Babcock gebe es über das Angebot von OEP hinaus weitere ernst zu nehmende Interessenten, sagte Piepenburg, der am Tag zuvor vom Aufsichtsrat zum neuen Vorstandschef ernannt worden war. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) bestätigte in Oberhausen, dass OEP für das US-Geschäft von Babcock 225 Mill. ? geboten habe. Dies zeige, dass Babcock jetzt nicht billiger zu bekommen sei. OEP hatte am Tag zuvor sein Interesse am US-Geschäft von Babcock sowie an Teilen der deutschen Energietechnik bekundet.

Babcock soll in Eigenverwaltung weitergeführt werden

"Angedachtes Ziel" des vorläufigen Insolvenzverwalters für die Babcock Borsig AG ist, Babcock ab September in so genannter Eigenverwaltung wie im Fall der ebenso zahlungsunfähigen Kirch Media[KRCH.UL] weiterzuführen. Schmitz bestätigte zudem, es gebe schon Gespräche über die Gründung einer Auffanggesellschaft.

Ein wichtiger Punkt der Agenda sei auch die Rückabwicklung des umstrittenen Verkaufs des HDW-Anteils an OEP, sagte Schmitz. Noch könne aber nicht gesagt werden, wie wahrscheinlich eine solche Rückabwicklung sei. Babcock hatte im Frühjahr eine 25-Prozent-Beteiligung an der Kieler Werft HDW an OEP verkauft und den Verkauf des Rest in Aussicht gestellt. Die Trennung von der HDW-Beteiligung gilt in der Branche zumindest teilweise als Auslöser für die aktuell desolate Lage bei Babcock.

Banken verhandeln über Massekredit

Unterdessen haben die Kreditinstitute von Babcock nach Angaben aus Bankenkreisen Gespräche über einen so genannten Massekredit aufgenommen, um den Betrieb in den nächsten Wochen weitgehend aufrechterhalten zu können. Daran seien neben den sechs Kernbanken Babcocks auch die übrigen kleineren Gläubigerbanken beteiligt, hieß es. In Bankenkreisen wurde Zuversicht geäußert, dass man sich auf einen derartigen Überbrückungskredit einigen werde. Das Risiko, das Geld zu verlieren, ist für die Banken vergleichsweise gering, weil ein Massekredit eine "erstrangige Schuld" ist, die eine insolvente Firma vor allen anderen Verbindlichkeiten aus der Vermögensmasse begleichen muss.

Clement hält Sanierung für möglich

Die Sanierung des Babcock-Konzerns kann nach Auffassung von Clement noch gelingen. "Babcock steht mit dem Rücken zur Wand, aber nicht am Abgrund", sagte Clement in Oberhausen. Unter dem Schutz des Insolvenzrechts müsste nun der Bereich Energietechnik mit der Umwelttechnik und dem Kraftwerkbau zusammengehalten werden. Andere Unternehmensteile könnten dagegen eigenständig existieren oder verkauft werden. Wie der Konzern künftig aussehen werde, sei aber Entscheidung des Insolvenzverwalters und des neuen Vorstandsvorsitzenden. "Wir stehen mit unseren Instrumenten weiter zur Verfügung", betonte Clement. Im Zuge der gescheiterten Sanierungsverhandlungen hatten der Bund und das Land NRW schon Bürgschaften über insgesamt 430 Mill. ? in Aussicht gestellt.

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