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Intermarché will Spar kaufen

Die französische Einzelhandelsgruppe ITM Entreprises S.A. (Intermarché) will die angeschlagene Spar Handels-AG (Schenefeld) möglichst vollständig übernehmen. Die Vorzugsaktionäre sollen für ihre Papiere nach einem am Mittwoch veröffentlichten Kaufangebot der ITM sechs Euro bekommen. Das ist mehr als das doppelte des aktuellen Kursniveaus.

dpa-afx HAMBURG. Die im Aktienindex M-Dax geführten Spar-Aktien legten daraufhin bis um 13 Uhr um mehr als 100 % auf 5,91 ? zu. Der Vorstand erklärte, der gebotene Kaufpreis sei attraktiv und angemessen und empfahlen den Vorzugsaktionären, das Angebot anzunehmen.

ITM ist mit einem Umsatz von 26 Mrd.. ? eine der größten Einzelhandelsgruppen in Europa und hält schon bislang direkt und indirekt knapp 83 % der Spar-Stammaktien. Die fast 23,4 Mill. Vorzugsaktien sind jedoch breit gestreut; ein größeres Paket ist nicht bekannt. Da die Spar wegen ihrer andauernden Verluste keine Dividende zahlen kann, erhalten die Vorzugsaktionäre Stimmrecht in der Hauptversammlung, die für den 29. August angesetzt ist. Würden alle Vorzugsaktionäre das Kaufangebot der ITM annehmen, müssten die Franzosen 140,2 Mill. ? (274,2 Mill. DM) für die Spar-Anteile bezahlen. Die ITM kann von ihrem Angebot zurücktreten, wenn sie nicht mindestens 75 % der Aktien zusammen bekommt.

Die Spar, die zu den Top Ten des deutschen Lebensmittel-Einzelhandels gehört, durchlebt seit Jahren eine wirtschaftliche Krise und leidet unter sinkenden Umsätzen, zu geringer Produktivität, hohen Kosten und gewaltigen Verlusten. Das Unternehmen hat noch keine Umsatz- und Ertragszahlen für das vergangene Jahr veröffentlicht und auch in der bislang letzten Quartalsmeldung zum September 2000 nur einen Umsatzrückgang von drei Prozent auf 9,4 Mrd.. DM in den ersten neun Monaten berichtet. Die finanzielle und wirtschaftliche Situation der Spar werde sich in diesem und im nächsten Jahr nicht entspannen, heißt es in dem Angebot.

Die verantwortlichen Spar-Manager in der ersten und zweiten Führungsebene wechselten in den vergangenen Jahren in schneller Folge. Zuletzt mussten im März dieses Jahres Einkaufvorstand Thore Fröhling und Vorstandschef Arwed Fischer gehen. Seit April führt der Schweizer Fritz Ammann, der früher in führenden Positionen für die Metro AG tätig war, die deutsche Spar-Organisation. Er trägt damit Verantwortung für 36 000 Mitarbeiter, die in Spar-Betrieben arbeiten. Unter dem roten Spar-Logo mit der grünen Tanne arbeiten 2 700 Einzelhandelsmärkte; mit Töchtern, Beteiligungen und weiteren Vertriebslinien kommt die Gruppe auf mehr als 4 200 Märkte.

Die ITM-Gruppe erklärte in dem Angebot, sie werde Spar enger in ihre Strukturen einbinden und mit der vollständigen Übernahme ihren Marktauftritt in Deutschland und Europa wesentlich stärken. Der enorme Restrukturierungsbedarf bei der Spar Handels-AG erfordere die Zufuhr erheblicher Eigenmittel, möglicherweise auch im Wege einer Barkapitalerhöhung. Intermarché-Chef Alain Roc her hatte im März in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" erklärt, sein Unternehmen werde sich allein in den Jahren 2001 und 2002 mit 500 Mill. DM bei Spar engagieren.

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