International Warrant Institue: Daytrader bereiten Warrant-Anbietern Sorgen
Emittenten von Optionsscheinen unter Druck

Die Emittenten von Optionsscheinen sehen sich zu ihrem Missvergnügen mit einem neuen Kundentyp konfrontiert. Statt des Privatanlegers, der oft nicht viel Erfahrung mit Terminmärkten habe, kommt der Daytrader. Das belegt die jüngste Studie des International Warrant Institute (IWI) aus Paris.

FRANKFURT/M. Das Kundenprofil habe sich im vergangenen Jahr verändert, schreibt die Organisation, die aus Wissenschaftlern und Bankern besteht. Dazu zählen auch der französische Derivate-Experte Yves Simon und Mark Denman, Global Marketing Head für Warrants beim der Citibank.

Diese Entwicklung ist der Studie zufolge auf die mangelnde Transparenz des Optionsscheinmarktes zurückzuführen. So stieg die Zahl der Emissionen - zumindest in der ersten Jahreshälfte 2001 - kräftig an, weil etablierte Emittenten ihr Produktangebot an die fallenden Märkte angleichen mussten und neue Anbieter auf den Markt drängten. Das habe Warrant-Anfänger, die sich in guten Börsenzeiten auch an die Finanzwetten herantrauen, abgeschreckt.

Am Handel beteiligt hätten sich hauptsächlich Daytrader, die täglich in vielen Geschäften Jagd nach Gewinnen machten. Für die Emittenten bedeute dies generell: Die Produkte werden schwankungsanfälliger, und den Warranthäusern fällt es schwerer, sich am Terminmarkt abzusichern. Die Autoren der Studie stellen zudem fest: "Wenn Emittenten ihre Preise verspätet aktualisieren, werden sie von Daytradern, die sofort eingreifen, bestraft".

Sorgen bereitete den Emittenten im vergangenen Jahr auch, dass der Anteil an Papieren auf Indizes im Vergleich zu anderen Basiswerten - Bezugsobjekten wie Aktien oder Zinssätzen - stark gestiegen sei. "Das sind nun einmal Produkte, die den Banken nur niedrige Margen einbringen", erklären die Franzosen. Diese Margen seien bei Warrants auf einzelne Aktien oft höher.

Allerdings beziehe sich der Löwenanteil aller begebenen Scheine mit 77 % eindeutig auf Einzeltitel. Dagegen lag der Anteil der Indexpapier Ende 2001 nur bei 16,2 %, was gegenüber 14,3 % im Vorjahr ein bemerkenswerter Zuwachs sei.

Deutsche Werte beliebt

Nach IWI-Angaben hat Siemens Nokia als beliebtesten Basiswert in der Hitliste bei Aktienpapieren verdrängt. Unter den Top 15 befänden sich immer mehr deutsche Werte. Als ausländische Aktien zählten nur noch Nokia, Ericsson, Alcatel und Cisco zur Elite. Yahoo und Telefonica verschwanden aus der Top-15-Liste, während Epcos und Commerzbank dazukamen. Offensichtlich wetten Anleger hier zu Lande gern auf einheimische Aktien. Auch 2001 war Deutschland mit einem Umsatz von etwa 56,4 Mrd. Euro international der größte Optionsscheinmarkt.

Über den Umsatz können sich die Emittenten weltweit ohnehin nicht beschweren, finden die Autoren der Studie. IWI-Schätzungen zufolge fiel dieser im vergangenen Jahr zwar um 65 Mrd. Euro auf 125 Mrd. Euro, womit es auf diesem Markt nach über zehn Jahren starken Wachstums erstmals zu einer Konsolidierung gekommen sei. Doch 1999 habe der Umsatz bei nur 110 Mrd. Euro gelegen - und wenn man dies vor dem Marktumfeld damals und 2001 betrachte, seien die jüngsten Zahlen doch "sehr ermutigend".

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