International Warrant Institute: Europäische Nachbarn holen beim Warrant-Handel auf
Deutschland ist größter Markt für Optionsscheine

Wetten auf sinkende und steigende Kurse sind hier zu Lande so beliebt wie nirgendwo sonst auf der Welt. Doch Nachbarländer wie Italien zeigen üppigere Wachstumsraten beim Umsatz mit Optionsscheinen. Eine französische Studie gibt Aufschluss über aktuelle Tendenzen an dem Markt.

FRANKFURT/M. Deutschland ist das Eldorado der Optionsscheinanleger - das ist in der Finanzwelt unbestritten. Kaum bekannt ist jedoch, dass die Warrantmärkte auch in andern europäischen Ländern stark wachsen und damit der Abstand zum deutschen Markt schrumpft. Dies zeigt eine Studie des im vergangenen Jahr in Frankreich gegründeten International Warrant Institute (IWI), die dem Handelsblatt vorliegt. Zu den Gründern dieser Organisation zählen Wissenschaftler und Banker, darunter der Derivate-Experte Prof. Yves Simon aus Paris sowie Mark Denman, Global Marketing Head für Warrants beim Marktführer Citibank. Der Stichtag, zu dem die Daten der Studie erfasst wurden, ist der 31. Juli dieses Jahres.

Nach Angaben von Denman sind die sechs Länder mit dem größten Handelsvolumen auf dem Optionsscheinmarkt Deutschland, die Schweiz, Italien, Hongkong, Frankreich sowie Australien. Mit einem Umsatzanstieg von 43,7 Mrd. Euro im vergangenen Jahr auf bereits 47 Mrd. Euro in der ersten Hälfe dieses Jahres liegt Deutschland weiterhin klar an erster Stelle. Denman betonte, dass es nicht in allen europäischen Ländern Volumenzuwächse gegeben habe. So sank der Umsatz in der Schweiz in den ersten sechs Monaten diesen Jahres von 34 Mrd. Euro im Vorjahr auf 20,5 Mrd. Euro ab. Wie der Citibanker erklärte, unterscheidet sich der schweizerische Markt insofern von dem deutschen, als dort zahlreiche institutionelle Anleger wie Fonds ihre Hände im Spiel hätten. In Deutschland geben dagegen die Privatanleger den Ton bei den Optionsscheinen an.

In Europa ist darüber hinaus die Entwicklung in Italien bemerkenswert: Nach Angaben des Instituts ist der Umsatz dort von 2,5 Mrd. Euro im Jahr 1998 auf 13,5 Mrd. Euro im vergangenen Jahr gestiegen und in den ersten sechs Monaten 2000 bereits auf 16,5 Mrd. Euro geschnellt. Denman sieht das enorme Wachstum jedoch mit Bedenken: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Anleger wissen, was sie tun", sagt er. Offensichtlich seien die Wettgeschäfte in Italien "einfach in Mode gekommen". Den Deutschen und den Holländern bescheinigt der Banker dagegen einen hohen Bildungsgrad in der komplizierten Derivate-Materie.

In Frankreich sei zwar eine Zunahme des Volumens von 0,7 Mrd. Euro im Jahr 1998 auf 1,9 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2000 festzustellen, das absolute Niveau sei aber noch niedrig. Um diese Zahlen zu verstehen, müsse man wissen, dass die Aktienkultur in Frankreich nicht so stark fortgeschritten sei wie in Deutschland, betont Denman. In der Regel überließen die Franzosen den Bankern ihre Vermögensverwaltung. Der direkte Aktienkauf an der Börse sei wenig verbreitet. Infolgedessen hätten die Franzosen auch weniger Interesse an Spekulationen auf einzelne Aktien mit Hilfe von Optionsscheinen.

Eben dieses Segment - Scheine auf einzelne Aktien - ist bei den Anlegern international das beliebteste. Von den weltweit gelisteten 28 577 Warrants machen Aktienoptionsscheine mit 71 Prozent den Löwenanteil aus. Mit weitem Abstand folgen Scheine auf Indizes (16,6 Prozent) und Währungen (7,3 Prozent).

Wie die Erhebungen über Indexscheine ergaben, ist der Deutsche Aktienindex der mit Abstand meist gewählte Basiswert bei Warrants. Ihm folgen mit weitem Abstand der Euro Stoxx 50, der Nikkei, der französische CAC-40 und das amerikanische Börsenbarometer S&P 500. Denman zufolge fragen die Anleger gegenwärtig Indexscheine wieder stärker nach. Sie wetteten mit Verkaufsoptionsscheinen (Puts) auf weitere Rückgänge der Börsenbarometer.

Wie aus der Studie hervorgeht, kursierten in Deutschland als dem größten Optionsscheinmarkt zum Stichtag 16 428 Scheine; derzeit sind es bereits rund 18 000 Papiere. Mit weniger als einem Viertel dieser Menge folgt die Schweiz auf dem zweiten Platz. In den USA hat sich noch kein Optionsscheinmarkt etablieren können, erklärt Denmark. Denn dort sei der Optionsmarkt so weit entwickelt, dass man "alles kaufen kann, was es unter der Sonne gibt". Überdies würden strenge aufsichtsrechtliche Vorschriften Banken von Emissionen abhalten.

Bei den Emittenten ist die Citibank mit einem Marktanteil von 17,9 Prozent Marktführer. Die Société Générale liegt mit ihrem zweiten Platz (12,8 Prozent) international aber gut im Rennen. Dagegen sind die deutschen Großbanken weit abgeschlagen - die Commerzbank belegt Rang 6, die Deutsche Bank Rang 9. Denman warnt jedoch davor, die reinen Emissionszahlen über zu interpretieren. Das Volumen sei wichtiger, da es zeige, wo sich das Geschäft abspiele. Es gebe schließlich auch emittierte Scheine, die nicht nachgefragt würden.

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