Internationale Aktienfonds
Global anlegen

Er ist im Moment ziemlich im Stress. Aber er will sehen, was sich machen lässt. Vielleicht kommt noch heute der Rückruf." Die freundliche Dame in der Pressestelle einer großen Fondsgesellschaft hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. Denn mit dem vorläufigen Niedergang der "New Economy" nimmt auch das Medieninteresse an den erfahrenen Anlageprofis wieder zu. Jeder will wissen, wie es an den Börsen weitergeht.

HB DÜSSELDORF. Wenn die Anleger Dividendentiteln treu bleiben wollen, gelten international investierende Aktienfonds in unsicheren Zeiten als erste Wahl. Ihr Vorteil: Die weltweite Streuung auf viele verschiedene Titel senkt das Risiko. "Wer keine Zeit hat, sich um die Diversifikation seines Depots zu kümmern, ist bei uns gut aufgehoben", sagt Thomas Meier, der den Uni Global für die Anlagegesellschaft Union Investment betreut.

Fondsinvestment ist auch gut für Einsteiger

Gerade für den Einsteiger ist ein solches Fondsinvestment empfehlenswert. Aber nur dann, wenn er seine Anteile lange genug hält. Als Faustregel gelten mindestens drei Jahre. Wer dagegen schon nach einem halben Jahr wieder aussteigen will, muss - je nach Börsenentwicklung - auch ein Minus einkalkulieren. Dafür bieten internationale Aktienfonds einfachen und kostengünstigen Zugang zu den Börsen dieser Welt. "Deutsche Unternehmen kaufen sich in Amerika ein, weil sie da mehr Chancen sehen. Das kann der private Anleger mit einem internationalen Fonds auch", erläutert Olaf Köster, Manager für den DIT Wachstum Global.

Wer sich für diesen Fondstyp entscheidet, muss allerdings in Kauf nehmen, dass die geringere Schwankungsanfälligkeit mit dem Auslassen von Kurschancen in Hausse-Zeiten bezahlt wird. "Das ist die Krux der Diversifikation: Jeder will sie, aber wenn Konkurrenzprodukte mit eingeengtem Anlagefeld besser laufen, halten uns die Kunden das vor", sagt Ernst Konrad, Fondsmanager für den Activest Top Welt.

Klassisches Beispiel: der DAC Fonds UI. In der Untersuchung von Standard & Poor?s schlägt das auf wenige Biotechtitel konzentrierte Produkt (siehe Fonds im Porträt) die Konkurrenz um Längen. Doch ob es seine Erfolgsbilanz auch zukünftig fortsetzen kann, erscheint angesichts der Kurseinbrüche bei Wachstumswerten fraglich.

Fondsergebnisse stehen und fallen mit der Management-Strategie

Die Ergebnisse der Fonds stehen und fallen mit der Strategie des Managements. Aggressiv investierende Fonds haben in der Vergangenheit den Neuen Markt und die Nasdaq übergewichtet. Für DIT-Manager Köster sind dagegen fundamentale Faktoren wie Ertragsstabilität in der Vergangenheit und Gewinnaussichten ausschlaggebend.

Die meisten internationalen Fonds verfolgen jedoch den so genannten "bottom-up"-Ansatz. Dabei werden zuerst einzelne Märkte anhand bestimmter Kennziffern durchforstet. Sind diese herausgefiltert, erfolgt die Auswahl einzelner Titel anhand qualitativer Merkmale wie der Leistung des Managements, Marktstellung und Wettbewerbssituation.

Activest berücksichtigt "Kontinenttrends"

"Wir leben in einer Zeit sehr starker Globalisierungstendenzen, da kann man sich nicht nur Länder oder Branchen ansehen", erklärt Ernst Konrad, Fondsmanager für den Activest Top Welt. Man müsse die "Kontinenttrends" berücksichtigen. So hat für ihn Nordamerika gegenwärtig ein Gewicht von 43 Prozent im Fonds, Europa folge mit 34 Prozent, und Asien mit dem Schwerpunkt Japan folgt mit nur zehn Prozent.

Damit weicht Activest von der Messlatte vieler international orientierter Fonds, dem MSCI-World-Index, ab. Bei ihm entfallen mehr als 50 Prozent auf die USA und Kanada, rund 25 Prozent sind für Europa reserviert.

Aktive Fondsmanager machen teilweise große Unterschiede zum MSCI. Nur so können sie schließlich eine über der Indexentwicklung liegende Rendite erreichen. Immerhin schnitten zum Stichtag über 80 Prozent der untersuchten Fonds besser als der Weltindex (plus 41,55 Prozent im Drei-Jahres-Zeitraum) ab.

Aktienfonds verfolgen Politik der "ruhigen Hand"

Trotz aller Unterschiede: Fast alle Anlageprofis der Kapitalanlagegesellschaften betonen, dass sie bei den internationalen Aktienfonds eine Politik der "ruhigen Hand" verfolgen. Größere Revisionen der Anlageentscheidungen erfolgen in viertel- oder halbjährlichem Abstand. Freilich wird in Ausnahmefällen zur "Notoperation" gerufen, etwa wenn ein Konzern schwache Zahlen vorlegt. "Wir achten auch auf Verkaufsdisziplin", sagt Köster. "Wenn die Gewinndynamik nachlässt und eine Aktie vom Wachstumspfad abkommt, fackeln wir nicht lange", betont der DIT-Stratege.

Bei den größten Positionen in den einzelnen Fonds gibt es unterschiedliche Akzente. Beim DIT-Fonds steht mit Coastal ein US-Energiewert an der Spitze. Außerdem wird United American Healthcare, ein Dienstleister aus dem Bereich Gesundheitsvorsorge, favorisiert. Activest-Manager Konrad setzt auf den Netzausrüster Nortel und das auf die Verbesserung von Medikamenten spezialisierte Unternehmen Alza. Dazu kommt die Werbeagentur True North Communications. Und beim Uni Global zählen aus dem Finanzbereich Citigroup sowie Amvescap zu den Schwergewichten. Weitere Topwerte sind die Kaffeekette Starbucks und der Handyhersteller Nokia.

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