Internationale Bahn-Allianz will mehr Fracht aufs Gleis bringen
Neuer Wettbewerb auf der Schiene

Eine internationale Allianz der Schweizer Bahn unter Beteiligung der Kölner Bahngesellschaft HGK steht vor dem Start. Sie will auf den Nord-Süd-Routen neuen Verkehr auf die Schiene holen.

BASEL. Die Güterverkehrssparte der Schweizerischen Bundesbahnen, SBB Cargo, will ins internationale Transportgeschäft von den Nordseehäfen an der Rheinmündung bis hinunter in den italienischen Stiefel einsteigen. Das plant sie gemeinsam mit zwei Partnern in Nord und Süd, der regionalen Bahn Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) und der italienischen Staatsbahn FS. Die Allianz hat vor, in erster Linie Anteile des internationalen Container-Verkehrs von der Straße auf die Schiene zu holen.

"Als Mittler zwischen Nord und Süd wollen wir Schweizer Qualität auf der Schiene garantieren", sagt SBB Cargo-Chef Daniel Nordmann selbstbewusst. Und dies auch im Wettbewerb zu anderen Bahnen - auch zur deutschen DB Cargo. Doch diese bleibe, schon geografisch, wichtigster Partner der Schweizer. "Wettbewerb", da ist sichNordmann sicher, "tut der Bahn gut."

SBB musste Rückschlag hinnehmen

Der Rangierbahnhof Pratteln kurz hinter der deutsch-schweizerischen Grenze fungiert im neuen Konzept als "Eurohub Basel". Dort will SBB Cargo die Züge aus Nord- und Mitteleuropa nach Italien so zusammenstellen, dass ein heute noch erforderlicher weiterer Rangieraufenthalt an der italienischen Grenze entfällt. Um bis zu drei Tage will Nordmann damit internationale Güterzüge beschleunigen. Bei Bernd Malmström, Vorstandsvorsitzender der zur Deutschen Bahn gehörenden DBCargo AG, rennen die Schweizer offene Türen ein: "Italien ist für uns ein Desaster. Wir warten schon lange auf ein vernünftiges Produkt." Wenn es denn gelingt.

Einen gescheiterten Anlauf hat die SBB bereits hinter sich. Als relativ kleiner Carrier mit gerade mal 60Mill. Tonnen Verkehrsaufkommen im letzten Jahr - DB Cargo hat fünfmal soviel - fürchten die Schweizer, früher oder später zum Übernahmekandidaten für die großen Nachbarbahnen zu werden. Deshalb hatte SBB Cargo bereits eine Fusion mit FS Cargo anvisiert. Doch das Projekt scheiterte. Für den zweiten Versuch haben sich Schweizer und Italiener auf einen Kompromiss geeinigt: Von Pratteln aus sollen alle Güterzüge nach Norditalien nach der eidgenössischen Produktionsmethode befördert werden. Dafür dürfen dann die Italiener alle Güterzüge mit Zielen weiter südlich schon von Basel aus nach ihrem System transportieren. Die neue Kooperation soll im Juli beginnen.

Spekulationen über die Kooperation hinaus

Eine enge Bindung wollen auch SBB Cargo und ihr Kölner Partner eingehen. Wenn die Kooperation gut aufs Gleis kommt, werde man die Gemeinsamkeiten auf Dauer absichern, erwartet Nordmann. Auch HGK-Prokurist Klaus Sporenberg denkt "über die Kooperation hinaus". Bisher aber sei das Zukunftsmusik. Die HGK, als Tochter der Stadt Köln nicht gerade eine Privatbahn, macht im Jahr mit 650 Mitarbeitern rund 50 Millionen Euro Umsatz und bewegt 5,8 Millionen Tonnen Fracht auf der Schiene - "mehr als manche kleinere europäische Staatsbahn", bemerkt Sporenberg. Gegenüber SBBCargo mit über 1,1 Mrd.sfr Umsatz ist HGK der Junior-Partner, doch er erschließt dem Verbund auf der Schiene interessante Märkte. Schon 1999 stiegen die Kölner mit dem täglichen "Containerexpress" zwischen Köln und Rotterdam in das Güterfernverkehrsgeschäft ein.

Die HGK verfügt dafür über einen ansehnlichen Lokpark. Neben diesel-elektrischen Maschinen, die grenzüberschreitend bis nach Rotterdam fahren dürfen, werden demnächst auch fünf neue Elektroloks der Baureihe 145 eingesetzt - jene Zugpferde, die bevorzugt auch von DB Cargo eingespannt werden.

Deren Chef Malmström sieht die Aktivitäten der HGK eher gelassen - wohl wissend, dass der Wettbewerb stärker wird. Und dass sich die Konkurrenten die Rosinen aus dem Kuchen picken, sei "zweites Semester Betriebswirtschaft". Ganz tatenlos bleibt Malmström gleichwohl nicht. Auch er möchte mehr Geschäft auf der Nord-Süd-Route durch Europa machen. Sein Wunschpartner in der Schweiz hat sogar eine eigene Transitroute nach Italien - die Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS). Allerdings: Die Gespräche seien "noch weit weg von der Konkretisierung."

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