Internationale Bemühungen um Ende des Konflikts
Mazedonische Regierung erklärt Offensive für beendet

Zuvor hatte die internationale Gemeinschaft den Druck auf die mazedonische Regierung erhöht. Unklar ist, ob es sich um eine längere Gefechtspause handelt.

Reuters SKOPJE. In Mazedonien hat das Militär am Freitag seine jüngste Offensive gegen albanische Rebellen im Grenzgebiet zum Kosovo für weitgehend beendet erklärt. Er freue sich, dies mitteilen zu können, sagte ein Militärsprecher und fügte hinzu, nun stünden nur noch kleinere Aufräumarbeiten in dem betroffenen Gebiet an. Einen Tag nach Einschlag mehrerer Werfergranaten im Kosovo-Grenzort Krivenik, durch den drei Menschen getötet worden waren, wies die mazedonische Regierung jede Verantwortung des Militärs für den Vorfall zurück. Ersten NATO-Ermittlungen zufolge waren die Granaten aus Richtung Mazedonien abgefeuert worden. Rund tausend Kosovo-Albaner demonstrierten gegen den Granaten-Beschuss und gaben den mazedonischen Sicherheitskräften die Schuld.

Der Militärsprecher sagte, auch nach Abschluss der Offensive sei es durchaus möglich, dass die Armee weitere "bewaffnete Provokationen" starte. Das mazedonische Militär hatte nach einer ersten Offensive am Wochenende seinen zweiten Großangriff gegen albanische Untergrundkämpfer im Grenzgebiet zum Kosovo am Mittwoch begonnen.

Die Regierung in Skopje wies die wegen des Granaten-Beschusses erhobenen Vorwürfe gegen die Armee zurück und erklärte, als mazedonische Soldaten getarnte albanische Extremisten hätten die Granaten selbst abgefeuert. Ein Sprecher sagte, Untersuchungen der Regierung zufolge sei es ausgeschlossen, dass das Militär mit Absicht oder auch nur aus Versehen Granaten auf den Kosovo abgefeuert habe. Derartige Vorwürfe seien der Versuch, dem Ansehen des mazedonischen Militärs zu schaden. Es handle sich um einen Trick, mit dem die albanischen Extremisten weltweit Mitleid heischen und das Eingreifen ausländischer Truppen provozieren wollten. Die Ermittlungen der Regierung seien abgeschlossen, hieß es weiter.

Nach Militärangaben haben die Werfergranaten der mazedonischen Armee gar nicht die Reichweite für einen derartigen Beschuss. In westlichen Militärkreisen wurden diese Angaben indes bezweifelt.

Die Nato teilte mit, Ermittler ihrer Kosovo-Friedenstruppe Kfor hätten die Einschlagstrichter der Granaten untersucht und festgestellt, dass sie südwestlich Kriveniks abgefeuert worden seien. Krivenik liegt etwa 1 200 Meter nördlich der Grenze zu Mazedonien. Die Untersuchungen der Nato sollten fortgesetzt werden. In westlichen Diplomatenkreisen hieß es, das mazedonische Dementi werde bis zum Abschluss der Nato-Untersuchungen mit Skepsis betrachtet. Nato-Generalsekretär George Robertson hatte Mazedonien zu gemeinsamen Ermittlungen mit der Allianz aufgefordert, die Regierung in Skopje hat dem offenbar aber nicht Folge geleistet.

Britischer Journalist getötet

Beim Einschlag der Werfergranaten bei Krivenik waren nach Kfor-Angaben ein britischer Journalist der Nachrichtenagentur AP sowie ein 19-jähriger Albaner getötet und bis zu 20 Menschen verletzt worden. Medienberichten zufolge erlag ein weiterer Zivilist später seinen Verletzungen.

Die demonstrierenden Kosovo-Albaner zogen nach Krivenik und riefen immer wieder "UCK, UCK". Dies ist die Bezeichnung für die ehemalige kosovo-albanische Befreiungsarmee und zugleich für die Nationale Befreiungsarmee, die sich seit Wochen in der Grenzregion heftige Kämpfe mit mazedonischen Einheiten liefert. Die Demonstranten und Albaner-Parteien im Kosovo forderten die Nato zu einer härteren Gangart gegenüber Mazedonien auf.

Albanische Rebellen waren bereits nach der ersten Militär-Offensive am Wochenende aus den Bergen nahe der westmazedonischen Stadt Tetovo vertrieben und zum Rückzug auf Stützpunkte im Kosovo gezwungen worden. Die vermutlich mehreren hundert Rebellen kämpfen nach eigener Darstellung für die Rechte der albanischen Minderheit in Mazedonien. Der mazedonischen Regierung zufolge verfolgen sie hingegen separatistische Ziele und stammen aus dem Kosovo, im dem die Albaner die Bevölkerungsmehrheit stellen.

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