Internationale Bemühungen um Entspannung im Kaschmir-Konflikt
Indien und Pakistan schließen Atomwaffeneinsatz aus

Im Kaschmir-Konflikt werden die internationalen Bemühungen um eine Entspannung der Lage intensiviert: Auf Einladung des russischen Präsidenten Wladimir Putin reisten die Regierungschefs Indiens und Pakistan am Sonntag zu einem regionalen Gipfeltreffen in Kasachstan. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wurde zu einer Vermittlungsmission in Südasien erwartet.

WiWo/ap NEU DEHLI. Der indische Verteidigungsminister George Fernandes schloss direkte Gespräche zwischen dem pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf und dem indischen Regierungschef Atal Bihari Vajpayee in Almaty aus. Dies sei nur dann möglich, wenn der "grenzüberschreitende Terrorismus" in Kaschmir beendet werde, sagte er der Nachrichtenagentur AP. Eine weitere Bedingung sei die Auslieferung von 14 mutmaßlichen indischen Terroristen durch Pakistan. Die Konferenz in Kasachstan beginnt am Montag und dauert bis Mittwoch.

Beide Konfliktparteien waren zumindestens darum bemüht, die Sorgen der Welt vor einem Atomwaffeneinsatz zu zerstreuen. Nachdem Pakistan mehrmals betont hatte, es würde zu seiner Verteidigung auch einen Erstschlag mit Atomwaffen führen, sagte Musharraf dem US-Fernsehsender CNN, kein "normaler Mensch" würde dies tun. Fernandes schloss "impulsive" Reaktionen seines Landes und eine "extreme Eskalation" im Kaschmir-Konflikt aus. Zugleich sagte er auf einer Konferenz asiatischer Verteidigungsminister in Singapur, die jüngsten Angriffe muslimischer Kämpfer hätten zu Wut und Empörung in der indischen Bevölkerung geführt, was die Regierung in Neu-Delhi unter enormen Druck setze, militärisch anzugreifen.

Fernandes rief die von den USA geführte internationale Gemeinschaft auf, Druck auf Pakistan auszuüben, Angriffe auf den indischen Teil Kaschmirs zu verhindern. Musharraf sagte, er sei für einen Nichtangriffspakt mit Indien, der auch die Abrüstung von Atomwaffen in Südasien einschließen sollte. In der gegenwärtigen Konfrontation, in der beide Seiten eine Million Soldaten an ihrer Grenze stationiert haben, sei der Einsatz von Atomwaffen undenkbar. Fernandes bekräftigte, Indien würde seine Atomwaffen niemals anders als zur Abschreckung einsetzen. "Wir stehen zu unserer nuklearen Doktrin", sagte er.

UN rufen Familien von Mitarbeitern zurück

Anschläge und Gefechte im zwischen Indien und Pakistan geteilten Kaschmir forderten am Wochenende weitere Menschenleben. Muslimische Rebellen in Kaschmir schworen unterdessen die Fortsetzung ihres Kampfes gegen die indische Herrschaft "bis zum letzten Blutstropfen". In einer Erklärung machte der Chef einer Dachorganisation islamistischer Gruppen in Kaschmir, Syed Salahuddin, die "Unversöhnlichkeit der indischen Regierung" und die Unfähigkeit der Vereinten Nationen, die Bevölkerung Kaschmirs über ihre Zukunft abstimmen zu lassen, für den Konflikt verantwortlich. Die Vereinten Nationen wiesen Mitarbeiter in der Region an, ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Die Angehörigen mehrerer hundert Angestellter in beiden Ländern wurden angehalten, nach Hause zu fliegen.

Nach Deutschland, den USA, Großbritannien und Kanada rieten am Samstag auch Frankreich und weitere westliche Länder von Reisen in die Region ab und riefen ihre Bürger zur Ausreise aus Indien auf. Entsprechende Warnungen für Pakistan sind in den meisten Ländern schon vor längerem erlassen worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%